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Westend-Synagoge „Größter Feind der Demokratie ist die Gleichgültigkeit“

In der Frankfurter Westend-Synagoge wird der Novemberpogrome vor 80 Jahren gedacht.

Westend-Synagoge
Erinnern: Die Gedenkveranstaltung fand in der Westend-Synagoge statt. Foto: Peter Jülich

Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann stand am gestrigen Donnerstagabend am Rednerpult der Westend-Synagoge. Vor ihm im Publikum saßen Hunderte Gäste der Gedenkstunde „80 Jahre Pogromnacht“, hinter ihm der blaue Vorhang, hinter dem die Tora lagert. „Wir stehen nicht vor einer nächsten Pogromnacht“, sagte der Oberbürgermeister und blickte in die Runde.

Deutschland habe eine starke Zivilgesellschaft, so Feldmann. Das müsse nur stärker herausgehoben werden. Allerdings warnte er auch davor, dass in diesen Tagen den Menschen in Deutschland wieder eine Sprache entgegenschlage, die an die NS-Zeit erinnere.

Salomon Korn, Vorsitzender des Vorstand der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt, erinnerte in seiner Ansprache an die Ereignisse vor 80 Jahren. Am 9. November 1938 waren bei den Novemberpogromen Gewalttaten gegenüber der jüdischen Bevölkerung verübt worden. Es waren Geschäfte geplündert, Synagogen in Brand gesteckt und Menschen misshandelt, vergewaltigt und ermordet worden – auch in Frankfurt. Schauplätze waren damals unter anderem die Zeil oder der Börneplatz.

Bouffier: Ereignisse nicht einfach Geschichte werden lassen

„Es herrscht immer noch die irrtümliche Meinung vor, das Ganze wäre ein einmaliges, nächtliches Ereignis gewesen“, sagte Korn. Doch die Ausschreitungen hätten bereits zwei Tage vorher in Hessen begonnen. Und sie dauerten bis zum 13. November – sechs Tage an denen sich die jüdische Gemeinschaft einer ungeahnten Gewalt ausgesetzt sah. Trotz der brutalen Ereignisse, so Korn, hätten in den Tagen danach viele Juden geglaubt, dass das Schlimmste nun überstanden sei. Da die Presse gleichgeschaltet war, hätten kritische Stimmen gefehlt, die die Gräueltaten zusammentragen und richtig einschätzen hätten können. Auch heute werde die Presse wieder von rechten Kräften bedrängt und an ihrer Arbeit gehindert.

Der Vorstandvorsitzende forderte Juden und Nicht-Juden dazu auf, sich über die Ausrichtung der Gedenkkultur zu verständigen. „Der Appell ,Nie wieder‘ ist sinnlos ohne das gemeinsame Zusammenstehen aller Demokraten.“

Oberbürgermeister Feldmann fragte sich, ob man die nächste Generation – die Schülerinnen und Schüler – emotional erreiche. Man dürfe die Jugendlichen nicht schutzlos lassen, aber dafür brauche es mehr Raum und Zeit für politische Bildung.

Ministerpräsident Volker Bouffier erklärte, dass ihm die Schüler nicht reichen würden, er wolle auch die Eltern und Großeltern erreichen. „Der größte Feind der Demokratie ist die Gleichgültigkeit“, sagte Bouffier. Man dürfe die Ereignisse nicht einfach Geschichte werden lassen.

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