Lade Inhalte...

Wertvoller Zierrat Die Goldene Waage ist da

Drei Jahre Arbeit liegen hinter den Schmiedemeistern aus Sachsen. Nun kommt die Goldene Waage in die Frankfurter Altstadt.

Albrecht Morgenstern
Schmiedemeister Albrecht Morgenstern mit der goldenen Waage in der Hand. Foto: Christoph Boeckheler

Aufbruch liegt in der Luft. Kaum noch einer der Arbeiter, Handwerker, Architekten auf dem Krönungsweg trägt Bauhelm oder rote Warnweste. Die neue Freiheit in den letzten Stunden vor Öffnung der neuen Frankfurter Altstadt. Albrecht Morgenstern ist aus dem fernen Olbernhau in Sachsen angereist. Mit einem Gesellen und einem Lehrling legt der Kunstschmied letzte Hand an die „Goldene Waage“, das prachtvollste der 35 Häuser des neuen Quartiers.

Seit 1712 sind die Morgensterns Huf- und Waffenschmiede. Aber ein Auftrag wie der für die „Goldene Waage“ ist äußerst selten: „Sehr umfangreich und sehr vielfältig.“ Seit 2015 arbeiten die Schmiede für das Altstadthaus. Es galt, zu den erhalten gebliebenen geschwungenen Schutzgittern neue hinzuzufügen. Und dann natürlich der wunderbare Zierrat. Zum Beispiel die goldene Waage, die der Schmiedemeister in der Hand hält.

„Kupferblech, vergoldet“. Wiegt 18 Kilogramm. Das Original aus dem Jahre 1608 findet sich im Historischen Museum in Frankfurt und wurde nach Sachsen ausgeliehen. An diesem Vormittag kehrt es, dick eingemummelt unter einer besonderen Verpackung, nach Frankfurt zurück. 

Ein ganz besonderes Stück ist auch der „Wasserspeier“, der in der Höhe an das Ende der Regenrinne gesetzt wird. Auch er ein Nachbau des Originals aus dem Historischen Museum, das ja eine Dependance in der „Goldenen Waage“ bekommt und dort auf zwei Stockwerken originale Einrichtungsgegenstände aus dem alten Haus zeigen wird. Dem Haus, das der Zuckerbäcker und Gewürzhändler Abraham van Hamel zwischen 1616 und 1619 errichten ließ.

Van Hamel kam damals als Flüchtling, geflohen vor religiöser Verfolgung aus den spanischen Niederlanden in das reformierte Frankfurt am Main, das den modernen Ideen der Aufklärung anhing.

Etwa neun Millionen Euro wird die Rekonstruktion der „Goldenen Waage“, die der Frankfurter Architekt Jochem Jourdan verantwortet, am Ende kosten.

Die drei aus der Schmiede „Neuhammer“ im sächsischen Olbernhau scheiden schweren Herzens von dem Haus, für das sie drei Jahre lang gearbeitet haben. Sie hinterließen schon an vielen berühmten Bauwerken Zeugnisse, beim Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden etwa oder beim dortigen Militärmuseum. Werkstätten wie ihre sind selten geworden in Deutschland. Die Schmiede kennen sich alle untereinander. „Es gibt regelmäßige Schmiedetreffen“, berichtet Morgenstern noch, bevor er mit der Steigleiter zum Dach hochfährt.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Neue Altstadt Frankfurt

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen