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Werke von Heck geklaut Kunstdiebstahl an der Goethe-Uni

Schock an der Frankfurter Goethe-Universität: Diebe haben sieben wertvolle Kunstwerke des Frankfurter Expressionisten Georg Heck aus dem Campus Westend gestohlen. Die Holzschnitte des Meisterschülers von Max Beckmann sind einen fünfstelligen Betrag wert - und möglicherweise nicht versichert.

12.10.2011 22:12
Georg Leppert und Astrid Ludwig
Von Hecks Werken blieben nur die Rahmen zurück. Foto: Andreas Arnold

Bei den gestohlenen Werken handelt es sich um Farb-Holzschnitte, die dem Kulturkreis Georg Heck gehören. Er hatte sie der Goethe-Universität vor fünf Jahren als Dauer-Leihgabe überlassen. Klaus Schulz, der Vorsitzende des Kulturkreises, wollte den Wert der Werke im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau nicht genau beziffern, sprach aber von „einem fünfstelligen Betrag“. Gut möglich, dass er mit dieser Schätzung deutlich zu niedrig liegt. Offiziell wollte sich am Dienstag niemand zum Wert der Holzschnitte äußern. Hinter vorgehaltener Hand hieß es aber, der Schaden sei mindestens sechsstellig.

„Im Prinzip ist ein solcher Diebstahl völlig unsinnig, da er sofort auffliegt, wenn die Werke verkauft werden“, sagte Schulz. Tatsächlich ist nicht anzunehmen, dass die Täter in den nächsten Tagen versuchen werden, die Holzschnitte auf dem freien Markt zu veräußern. Bei Kunst-Diebstählen in der Vergangenheit hatten die Diebe über Mittelsmänner mit der Versicherung, die für den Schaden aufkommen musste, über eine Rückgabe verhandelt.

Doch die Werke des Meisterschülers Max Beckmanns sind möglicherweise gar nicht versichert. Der Kulturkreis jedenfalls hat keine Police abgeschlossen. Dafür sei die Universität zuständig gewesen, sagte Schulz. Albrecht Fester, der Leiter des Kanzlerbüros auf dem Campus, erklärte, von einer Versicherung sei ihm nichts bekannt. Schulz zeigte sich über diese Auskunft verwundert. „In jedem Fall haftet die Universität“, sagte er.

Die Spurensicherung der Kriminalpolizei arbeitete den gesamten Dienstag über. „Wir können zum Tatablauf aber noch nichts Konkretes sagen“, erklärte Polizeisprecherin Isabell Neumann. Fest steht, dass die Holzschnitte am Montagabend noch im Flur vor den Seminarräumen im ersten Stock des Casinos hingen.

Als der Sicherheitsdienst um 3 Uhr früh seine Runde drehte, bemerkte er den Diebstahl. Da die Werke die Größe von Postern haben und nicht leicht zu transportieren sind, gehen die Ermittler von mehreren Dieben aus. Ob sie eine Tür aufbrechen mussten oder einen Schlüssel zu dem nachts abgeschlossenen Casino hatten, blieb offen. Besonders gesichert waren die Werke nicht. So gibt es weder im Gebäude noch auf dem Vorplatz Videokameras.

Nicht beschädigt wurde das Wandgemälde, das Heck zwischen 1930 und 1940 in dem Gebäude angefertigt hatte. Damals hatte die IG Farben ihren Hauptsitz in dem Ensemble im Westend, zu dem das Casino gehört.

Die Nationalsozialisten, die Hecks Kunst als „entartet“ bezeichneten, hatten das Bild übertünchen lassen. 2005 wurde es freigelegt und restauriert. Zudem befinden sich in einem Seminarraum noch zwei weitere Werke Hecks. Die Diebe hatten sie offenbar nicht gesehen. Die Universität hatte die Rahmen der Kunstwerke im vergangenen Jahr restaurieren lassen. Im Winter 2009 waren sie von Randalierern beschädigt worden. Studenten hatten damals das Casino besetzt.

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