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Weniger Fluglärm Höhe der Flieger wird geprüft

Seit die neuen Flugrouten gelten, hagelt es Beschwerden über Fluglärm. Nun will die zuständige Kommission prüfen lassen, ob die Flughöhen angehoben werden können - und kritisiert die Landesregierung wegen der Lärmschutzverordnung.

01.09.2011 21:49
Jürgen Schultheis
Seit März auf geänderten Routen unterwegs: Die Flieger am Frankfurter Flughafen. Foto: dapd

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) soll bis November prüfen, ob und in welcher Weise die Anflughöhe landender Maschinen angehoben werden kann. Diesen Auftrag hat die Frankfurter Fluglärmkommission (FLK) der DFS am Mittwoch gegeben. Damit soll untersucht werden, ob Flugzeuge höher anfliegen können, um weniger Lärm am Boden ankommen zu lassen.

Mit dem Auftrag reagiert die Fluglärmkommission nach Angaben des Vorsitzenden, des Raunheimer Bürgermeisters Thomas Jühe (SPD), auf eine „riesige Beschwerdewelle“, die wegen der geänderten Gegenanflugrouten seit Wochen über die Fluglärmkommission hinweggeht.

Seither sind Städte wie Eschborn, Sulzbach und Liederbach stärker von Lärm betroffen, Nachbarkommunen wie Hofheim oder der Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim – zumindest beim Gegenanflug – entlastet. Jühe: „Es gibt auch Profiteure, das muss man deutlich sagen.“ Die DFS hatte in der Sitzung der Kommission, der 38 Vertreter von Kommunen, Landkreisen, der Luftfahrtwirtschaft und des Landes angehören, erläutert, dass „aus flugbetrieblichen Gründen“ und wegen des starken Verkehrs am Himmel die Maschinen weiter draußen eindrehen und tiefer anfliegen müssten. Mitglieder der Kommission hatten ferner ihre Eindrücke geschildert, dass auch Abflüge in geringeren Höhen stattfänden. Auch das soll geprüft werden.

Notwendig ist nach Angaben Jühes, dass wegen differierender Höhenmessungen von DFS und Deutschem Fluglärmdienst (DFLD) der DFLD konkretisieren müsse, auf welcher Datengrundlage er die Höhen ermittelt habe. Neben der DFS wird sich auch die Expertengruppe Aktiver Schallschutz im Forum Flughafen Region mit den Anflughöhen beschäftigen, und zwar auch jenseits des Nahbereiches des Flughafens. Dazu zählt etwa Rheinland-Pfalz im Westen und der östliche Main-Kinzig-Kreis jenseits von Gelnhausen. Seien größere Anflughöhen möglich, sagte Jühe, sollten auch jene Kommunen profitieren, die hochbelastet seien.

Die Prüfung sämtlicher Optimierungsmöglichkeiten beim Anflug schließt nach Einschätzung der FLK auch ein, das übergeordnete Flugstreckennetz darauf zu untersuchen, ob es angepasst werden müsse. Das übergeordnete Netz liegt außerhalb des Frankfurter Flugraums C, der in etwa die Metropolregion abdeckt.

Zugleich wird in der Kommission überlegt, ob die geltenden Anflugverfahren überhaupt noch zeitgemäß seien. Erwogen werden könnten Verfahren, wie sie in Los Angeles erprobt werden. Dort fliegen Maschinen in konzentrischen Kreisen den Airport an. Im Blick auf die umstrittene Südum-fliegung von Mainz, gegen die Rheinland-Pfalz Klage angedroht hat, sagte Jühe: „Diese Variante ist hier in der Kommission initiiert und beschlossen worden. Wir sind froh darüber, dass sich die DFS die Route zu eigen gemacht hat und das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung die Route so festgesetzt hat.“

Kritik übte die Kommission am Land Hessen, dass im Entwurf der Lärmschutzverordnung lediglich die strengeren Auslösewerte für passiven Schallschutz aufgenommen habe. Darüber hinaus sei der Entwurf aber „völlig unzureichend“, weil er Zahlungen für passiven Schallschutz erst sechs Jahre nach Inkrafttreten der Verordnung ermöglicht. Das sei im Hinblick auf Menschen, die nach dem 21. Oktober neu betroffen seien, „völlig weltfremd“. Dazu zählen Gebiete in Offenbach-Nord, Frankfurt-Lerchesberg und Flörsheim-Nord, wo Maschinen im Anflug nur noch 270 Meter hoch fliegen. In diesem Fall müsse die Landesregierung dringend nacharbeiten, „weil ich mir sonst nicht vorstellen kann, wie Menschen dort existieren sollen“.

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