Lade Inhalte...

Weiterführende Schulen in Frankfurt 544 unerfüllte Schulwünsche

Viele Kinder in Frankfurt erhalten keinen Platz an ihrer Wunschschule. Vor allem das Gymnasium Nied ist unbeliebt: Nur 16 Familien wählten die Schule freiwillig. Erste Eltern schalten Anwälte ein.

Gymnasium Nied
2015 wurde das Gymnasium Nied in Containern in Höchst gegründet. Vor allem der lange Schulweg und die Unsicherheit des Standorts machen die Schule unbeliebt. (Archivbild) Foto: Renate Hoyer

Nun kommen sie dieser Tage an bei den Viertklässlerfamilien: die Bescheide zur Aufnahme an der weiterführenden Schule. Nicht jeder kann nach dem Öffnen des Briefs jubeln. „Es war ein Schock“, erzählt die Mutter einer Viertklässlerin im Nordend. Denn eine Zusage gab es von keinem der beiden gewünschten Gymnasien in der Nähe. Im Briefkasten lag eine Zuweisung zum Gymnasium Nied. „Meine Tochter begann zu weinen und sagte, sie fühle sich als Loser“, sagt die Mutter. Zwar erkläre sie dem Kind, dass es eben einen habe treffen müssen, „aber ich hab nicht gedacht, dass diese Nachricht für uns alle derartig schlimm ist“.

Die Familie im Nordend wird nicht als einzige eine Zuweisung in der Post finden. Nach Informationen der FR haben 544 Kinder in diesem Jahr keinen Platz an ihrer Wunschschule erhalten, im vergangenen waren es rund 450. Etwa jedes zehnte Kind wird nun eine weiterführende Schule besuchen müssen, die es nicht gewählt hat. 237 Kinder müssen im Bereich der Haupt-, Real- und integrierten Gesamtschulen zugewiesen werden, 307 haben keinen Platz an ihrem Wunschgymnasium erhalten.

Vor allem das Gymnasium Nied wird viele Kinder zugewiesenen bekommen, rund 90 sollen es sein. Nur 16 Familien wählten die Schule aus freien Stücken. Insgesamt wird das Gymnasium vier Parallelklassen im neuen Jahrgang 5 aufmachen, mehr als drei davon werden demnach mit Schülern gefüllt sein, die nicht freiwillig die Schule besuchen werden. Die Familie aus dem Nordend stört vor allem der lange Schulweg zum Gymnasium Nied nach Höchst. „Ich möchte meine Tochter nicht eine Stunde lang durch die ganze Stadt fahren lassen“, sagt die Mutter. Und auch die Aussicht auf einen Umzug in ein Provisorium auf dem Campus Westend in zwei Jahren trägt nicht zur Beruhigung bei. „Man weiß ja beim Gymnasium Nied nie, ob das so kommt.“

Schließlich klappt weder der mal versprochene Umzug 2018 auf den Campus, noch der ursprünglich geplante nach Nied. Für das 2015 in Containern in Höchst gegründete Gymnasium soll nach derzeitigem Stand im nächsten Jahrzehnt ein Neubau an der Miquelallee entstehen, auf dem Campus Westend ein Übergangsquartier. Konkrete Pläne liegen bisher weder für das eine noch für das andere Vorhaben vor. „Und dann verzögert sich sicher noch einiges und der Schulweg ist noch ein paar Jahre länger so weit“, glaubt die Mutter.

Außer dem Gymnasium Nied wird auch das im vergangenen Jahr eröffnete Gymnasium Nord Kinder zugewiesen bekommen, etwas mehr als 60 sollen es sein. Und die neue Kooperative Gesamtschule Niederrad wird definitiv eröffnen, nachdem der Start im vergangenen Jahr wegen mangelnder Anmeldungen von Gymnasialkindern missglückte. Dieses Mal ist gerade so eine Klasse zusammengekommen, allerdings wird der Gymnasialzweig dreizügig aufmachen – zwei Klassen werden daher mit zugewiesenen Kindern gefüllt sein. Bei den alteingesessenen Schulen werden vor allem die beiden kooperativen Gesamtschulen Kinder aufnehmen müssen, die eigentlich andere Gymnasien auf dem Wunschzettel hatten. Die Otto-Hahn-Schule bekommt etwa 70 Kinder zugewiesen, die Schule am Ried 20.

Die Familie im Nordend hat bereits einen Termin bei einem Anwalt gemacht. Um möglicherweise auf dem Klageweg noch einen Platz an einer ihrer Wunschschulen zu ergattern. Zwar sei das Gymnasium Nied sicher keine schlechte Schule, das Nachmittagsangebot höre sich gut an, sagt die Mutter. „Aber die Unsicherheit mit dem Standort, der lange Schulweg – das wollen wir einfach nicht.“ Und die Familie hat auch bereits angefangen, sich ganz anderweitig umzugucken. Bei den Privatschulen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schulen in Frankfurt

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum