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Weiterführende Schulen Frankfurt Schulwahl mit Sorgen

Die Integrierten Gesamtschulen stellen sich beim „Markt der Möglichkeiten“ vor - und selbst bei der noch nicht eröffneten IGS Kalbach-Riedberg haben Eltern Angst, keinen Platz zu bekommen.

Die IGS Süd ist in diesem Schuljahr gut gestartet. Sie ist eine von 14 Integrierten Gesamtschulen in Frankfurt. Foto: christoph boeckheler*

Es schwebt eine riesengroße Sorge über den vielen Köpfen im Saal des Bürgerhauses Bornheim. Hunderte Eltern sind am Samstagvormittag zum „Markt der Möglichkeiten“ gekommen, auf dem die 14 Frankfurter Integrierten Gesamtschulen ihre Arbeit vorstellen. Und egal, ob sich Eltern nur für Gesamtschulen oder doch auch noch prinzipiell für Gymnasien und Realschulen interessieren – alle eint die Angst, dass ihr Kind an der irgendwann ausgesuchten weiterführenden Schule keinen Platz bekommen wird.

Da ist etwa Ekkehard Pfannenstiel aus Bornheim, Vater einer Viertklässlerin. „Es ist gut, dass es diese Veranstaltung gibt“, sagt er. „Denn ich bin mit der Schulwahl total überfordert.“ Weil immer so viele Kinder keinen Platz an ihrer Wunschschule bekämen, „besteht die Wahlfreiheit zum Teil ja überhaupt nicht“. Es müsse inzwischen vor allem strategisch gewählt werden – doch wie genau die Strategie aussehen soll, damit das Kind am Ende nicht zugewiesen wird „und eine Stunde zur Schule fährt“, das weiß auch Pfannenstiel nicht so genau.

Am Stand der IGS Kalbach-Riedberg, die im nächsten Sommer eröffnen soll, ist die Platzvergabe ebenfalls Thema. Susanne Gölitzer, Leiterin der Planungsgruppe, ist überrascht, dass Eltern vor ihr stehen und „eine riesige Angst haben, nicht genommen zu werden“. Immerhin gibt es die Schule ja noch gar nicht, und es lässt sich schwer voraussagen, ob sich Eltern für die IGS Kalbach-Riedberg entscheiden werden. Doch nach dem großen Andrang an ihrem Stand glaubt Gölitzer: „Wir werden uns wohl um die 100 zu vergebenden Plätze keine Sorgen machen müssen.“

Alternative zum Gymnasium

Auch Kathrin und Thomas Validis vom Riedberg interessieren sich für die neue IGS im Norden. „Es wäre die nächstgelegene Schule mit gymnasialem Bildungsgang für unsere Tochter“, sagt die Mutter. Eine Alternative zum Gymnasium. Aber Kathrin Validis ist sich nicht so sicher, wie hoch das Niveau einer Integrierten Gesamtschule ist. „Bei einem Gymnasium weiß ich, dass es hoch ist, bei einer IGS hab ich keine Ahnung, wie das ist, wenn gemeinsam mit Kindern mit Hauptschulempfehlung gelernt wird.“

Aber dafür ist der Markt der Möglichkeiten eben da. Um zu erklären, wie eine Gesamtschule überhaupt funktioniert. Dass Schüler aller Bildungsgänge gemeinsam bis zur zehnten Klasse lernen. Dass etwa die starken Schüler den schwachen helfen und dabei ihr Wissen festigen. Viele Eltern kennen die Schulform IGS kaum. „Ich war auf einem Gymnasium“, sagt Pfannenstiel. „Ich weiß eigentlich gar nicht, was eine Gesamtschule ist.“

Die Eltern kommen daher mit allgemeinen, aber auch sehr präzisen Fragen zum „Markt der Möglichkeiten“: Wie sieht der Stundenplan aus? Wie das Auswahlverfahren? Am Stand der IGS Süd erklären etwa Schüler den Besuchern, wie ihr Schulalltag vonstatten geht. Es herrscht dort großes Gedränge. „Ich habe fünf Blätter als Interessentenliste mitgebracht – jetzt sind Vorder- und Rückseite voll“, sagt Ursula Hartmann-Brichta. Sie ist seit Freitag die Leiterin der IGS Süd, einer Schule mit außergewöhnlichem Konzept. Keine Noten, fächerübergreifendes Lernen, jahrgangsgemischter Unterricht. „Zu einer solchen Schule gehört Mut“, sagt Hartmann-Brichta. Aber das Konzept sei toll, und sie wolle den eingeschlagenen Weg mit der Schule so weitergehen. „Deswegen habe ich mich auf die Schulleiterstelle beworben“, sagt sie. In tradierten Schulen seien die Widerstände im System zu groß, um eine neue Pädagogik zu entwickeln.

Gestiegenes Interesse

Eine Mutter aus Nieder-Erlenbach ist ganz begeistert von der IGS Süd in Sachsenhausen. Sie überlegt, ihre Tochter dorthin zu schicken. Quer durch die ganze Stadt. „Es hat eben in Frankfurt nur eine Schule so ein Konzept“, sagt sie. Das Schulsystem sei insgesamt dringend reformbedürftig, es sei noch für eine Gesellschaft gemacht, die es so gar nicht mehr gebe. „Und wenn man in Frankfurt ein anderes Konzept haben will, dann gibt es zur IGS Süd keine Alternative.“

Ob nun am Stand von Georg-Büchner-Schule oder Friedrich-Ebert, IGS West oder Herder – es sind Fragen über Fragen, die die Eltern stellen. „Es ist ein noch größeres Interesse als im vergangenen Jahr da“, sagt Stadtelternbeirätin Alix Puhl. Im Gegensatz zu vor ein paar Jahren würden die Eltern für ihr Kind genau passende und sehr zielgerichtete Fragen stellen. Aber auch Puhl merkt an diesem Tag wieder: „Viele haben große Sorge, wie sie einen Platz an der Wunschschule bekommen, sie fragen schon wegen der Zuweisungen.“ Doch wie hoch die Anmeldezahlen sein werden, das sei schwer zu sagen. „Man muss aber auch mal erwähnen, dass 80 Prozent im vergangenen Jahr ihre Wünsche erfüllt bekommen haben.“

Die Informationen der Gesamtschulen haben offenbar am Ende der Veranstaltung einige Eltern zum Nachdenken gebracht. Und manche überzeugt. „Wenn man hier rausgeht, dann hat man schon das Gefühl, es gibt nichts Besseres als eine Gesamtschule“, sagt eine Mutter aus Preungesheim. Ganz sicher ist sie aber nicht, ob nicht Gespräche mit Freunden erneut ein Umdenken bewirken – „und dann doch wieder das Gymnasium auf Platz 1 rutscht“.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schulen Frankfurt

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