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Weihnachts-Essen für Bedürftigen in Frankfurt 600 Gänsekeulen für die Armen

Bei Bernd Reisigs Weihnachts-Essen für die Bedürftigen in Frankfurt bedienten wieder viele Promis. Vom Comedy-Duo Mundstuhl über Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir hin zu Moderatorin Bärbel Schäfer.

Weihnachtsgansessen
Ande Werner vom Comedy-Duo Mundstuhl bedient schon zum sechsten Mal beim Weihnachtsgans-Essen für Obdachlose im Ratskeller des Römers. Foto: peter-juelich.com

Stolz zeigt Michael seinen schwarz-weiß-gestreiften Anzug. Den hat er sich extra in der Kleiderkammer für das Weihnachts-Essen rausgesucht. Jetzt steht er als einer der ersten in der Schlange im Ratskeller des Römers für das Weihnachtsgans-Essen für Bedürftige. „Außerdem habe ich mir extra diese tolle singende Weihnachts-Mütze gekauft“, erzählt er am frühen Donnerstagabend. Der 50-Jährige drückt auf den Knopf. Seine Augen leuchten, als Jingle Bells zu hören ist. „Toll, oder?“, sagt er und erzählt, dass er wegen einer Krankheit nicht arbeiten kann. Dass er kaum Geld hat, aber als freiwillige Beschäftigung im Rewe die Körbe von der Kasse wieder an den Eingang bringt. „Ich bin hier nun schon zum dritten Mal beim Weihnachtsessen. Die Gänsekeule ist lecker, aber vor allem mag ich dieses Zusammensein-Gefühl.“

Mehr als 600 Menschen sind gekommen. Viele obdachlos, viele einfach sehr arm. 32 Prominente bedienen – vom Comedy-Duo Mundstuhl über Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, bis hin zu Sängerin Eva Jacob von den Jacob Sisters. Auch FR-Chefredakteur Arnd Festerling und Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann werfen sich in die Schürzen, tragen Gänsekeulen an die Tische. Die Band Lucilles Lumbago spielt neben dem Weihnachtsbaum im Norweger-Pulli „Let it snow“.

Schon zum sechsten Mal gibt es das Weihnachtsgans-Essen im Ratskeller. Dahinter steht Ex-FSV-Manager Bernd Reisig und seine Stiftung „helfen helfen“. „Der Zulauf bei unserem Essen ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen“, sagt er. „Leider, ich wünschte mir die soziale Armut würde weniger werden. Denn Frankfurt ist nicht nur Glitzer und Banken.“ In den ersten Jahren hätten sich Nicht-Bedürftige eingeschlichen, einmal kam sogar eine Dame mit Gucci-Tasche, sagt er. Das geht aber nicht mehr: „Denn die kostenlosen Eintrittskarten bekommen die Gäste bei Einrichtungen wie der Caritas oder der Frankfurter Tafel.“ Nur diesen Zettel, keinen Ausweis müssen sie an der Tür vorzeigen.

Die Idee hat Reisig nicht etwa von Sänger Frank Zander, der schon viele Jahre so ein Essen in der Bundeshauptstadt anbietet. „Dass es so was in Berlin gibt, habe ich erst später erfahren. Ich will mir das aber unbedingt mal anschauen, da kommen sogar 3000 Obdachlose. Für uns sind schon die 650 Menschen, die in zwei Schichten bedient werden, eine große logistische Herausforderung.“

Bestätigen kann das Christian Dressler, Chef der Lohrberg-Schänke. Mit seinem Team ist er zum ersten Mal dabei. „Unsere fünf Köche haben die Nacht durchgekocht. Nur drei Stunden haben sie geschlafen, denn so eine Menge ist schon eine große Aufgabe. Aber wir freuen uns sehr helfen zu können.“ Zwölf Kilogramm Rotkohl, 1300 Klöße, 100 Liter Soße und mehr als 600 Gänsekeulen haben sie gekocht und hertransportiert.

„Hey Eva, komm mal her“, ruft ein Gast. Eva Jacob, seit Jahren als Promi-Helferin dabei, zeigt keine Berührungsängste. Sie lässt sich mit ihrer leuchtenden Weihnachtsmütze auch mal fest in den Arm nehmen. Moderatorin Bärbel Schäfer rast nicht nur wie alle anderen mit Tellern durch die Gänge. Sie fragt auch immer wieder: „Möchten Sie noch Nachschub?“ Dann ruft ein Gast ihr zu: „Grüßen Sie Ihren Mann von mir. Der Michel ist zwei Jahre jünger als ich.“ Sie lächelt und sagt: „Das mache ich gerne.“ Radost Bokel, ja genau Momo, ist schon zum vierten Mal dabei. Sie bringt immer das Essen den Menschen nach draußen, die mit ihren Hunden nicht in den Saal dürfen.

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