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Wasserhäuschen Frankfurt Klickerwasser vom Apotheker

Die Wasserhäuschen sind aus dem Frankfurter Stadtbild nicht wegzudenken. Ein viel größeres Netz als heute bestand noch vor 100 Jahren. 1863 sind die ersten Wasserhäuschen genehmigt worden – nach langer Prüfung der Ämter.

Wilhelminisches Frankfurt: Kiosk im Uhrtürmchen am Bockenheimer Tor; heute die Kreuzung Opernplatz/Bockenheimer Landstraße. Foto: Institut für Stadtgeschichte

Die Wasserhäuschen sind aus dem Frankfurter Stadtbild nicht wegzudenken. Ein viel größeres Netz als heute bestand noch vor 100 Jahren. 1863 sind die ersten Wasserhäuschen genehmigt worden – nach langer Prüfung der Ämter.

Wenn etwas typisch Frankfurt ist, dann sind es die Wasserhäuschen. Konrad Schneider im Karmeliterkloster holt aus den Tiefen seines Arbeitsplatzes eine 110 Jahre alte Mineralwasserflasche mit reichlich Patina hinter dem dicken grünlichen Glas und lässt den Bügelverschluss aufschnappen. Die Bedeutung dieser Flasche der Höchster Mineralwasserfabrikation von August Magerhans muss der Vize-Direktor des im Kloster ansässigen Instituts für Stadtgeschichte aber relativieren: Auch anderswo gibt es Trinkhallen. Einzigartig ist hier allerdings der Name: Wasserhäuschen. Da steckt viel Liebe drin.

Konrad Schneider hat in den archivierten städtischen Amtsakten das allererste Büdchen im Jahr 1809 am Eschenheimer Tor ausgemacht: Der Eintrag gibt einen Hinweis auf den Verkauf von Mineralwasser am Spazierweg durch die damals angelegten Wallanlagen. Das (natürliche) Mineralwasser wurde dort aber nicht zur Erfrischung angeboten, sondern weil es gesund war. Von den verschiedenen Quellen des Landes brachte man es per Schiff in die Stadt und verkaufte es meist gleich am Ufer. Teuer war das Heilwasser: In Rechnungen für die Krankenverpflegung im Hospital zum Heiligen Geist ist der Krug Mineralwasser Anfang des 19. Jahrhunderts mit vier Kreuzern notiert; ein Pfund Brot kostete laut Eintrag „2 1/3 Kreuzer“.

Um sich den umständlichen Transport von Mineralwasser zu sparen, ging man dann mehr und mehr dazu über, „Mineralwasser nachzubauen“, berichtet Schneider. Die Bestandteile: Wasser aus dem Brunnen, (Selterssalz-)Pulver und Kohlensäure-Entwickler. Mittels einer Kurbel ließen sich CO2 und Wasser mischen; einfach „in einem Schuppen im Hinterhof“. Um Mineralwasser für den Hausgebrauch herzustellen, wurden „Fläschchen mit den jeweiligen Zusätzen“ vertrieben, hat Wasserforscher Schneider recherchiert. Ferner brachte die sogenannte Kugelflasche eine Popularisierung des Mineralwassers als Erfrischungsgetränk am Büdchen: Eine Glaskugel verschloss den Flaschenhals durch den innen herrschenden Druck. Wer von dem „Klickerwasser“ trinken wollte, musste die Kugel mit einem Stöckchen reindrücken.

Genau am 4. August vor 151 Jahren annoncierte der Apotheker Carl Theodor Wilhelm Hubert Gierlings die Eröffnung einer „Anstalt für künstliche Mineral-Wasser“ in der Großen Eschenheimer Straße 41. Das Sortiment (von Adelheitsquelle bis Vichy) war groß, die Marken teuer. Zu drei Kreuzern wurden leere Flaschen zurückgenommen. Auch der Apotheker Georg Friedrich Kolloge stieg ins Geschäft ein.

Die beiden waren es dann auch, die „Trink- und Verkaufsstände“ für ihre Unternehmen beantragten. Kolloge suchte sich insgesamt 16 Stellen aus; er wollte an der Hauptwache, an den Stadttoren und am Main eröffnen. Den Konkurrenten drängte es mit Ausschänken an 15 Standorte, etwa an die Bahnhöfe. Polizei und Behörden prüften lange und gründlich, denn für Beschwerden von Nachbarn war Frankfurt immer berüchtigt. Doch befand man, „dass diese Buden den Betrieb auf den öffentlichen Promenaden, nicht aber unbedingt außerhalb störten“, fasst Konrad Schneider zusammen. Die Apotheker bekamen also 1863 ihre Konzession, jeder für acht Stände – die Geburtsstunde der Wasserhäuschen. Bald blühte das Geschäft und alles wuchs: die Kohlensäureindustrie, die Zahl der Mineralwasserhändler und die Büdchen zu einem ganzen Wasserhäuschen-Netz. Dieser Aufschwung wird ab 1908 der „Jöst GmbH“ zugerechnet, die brachte Vielfalt an die Kioske, etwa süße „Wasser mit Geschmack“. Später Schokolade, Backwaren und Süßigkeiten. Und alles war auch außerhalb der Ladenöffnungszeiten zu haben. Das war an den Frankfurter Wasserhäuschen immer der Clou.

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