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Wasserhäuschen Feldmann springt den Büdchen bei

Elf Wasserhäuschen sollen Aufschläge um die 70 Prozent bezahlen. Der Frankfurter OB fordert, die „deutlich übertriebene Pachterhöhung“ zurückzunehmen.

Kioskbetreiber Petru Spiridon
Müsste für die erhöhte Pacht 28 Kästen Bier mehr verkaufen: Petru Spiridon, Wirt im Rödelheimer Wasserhäuschen "Auf der Insel". Foto: Christoph Boeckheler

Petru Spiridon ist spürbar mitgenommen. Wenn er die Pacht für sein Wasserhäuschen in Rödelheim stemmen soll, die in seinem neuen Vertrag steht, muss er 28 Kästen Bier im Monat zusätzlich verkaufen, hat er ausgerechnet. 28 Kästen obendrauf auf das bisherige Pensum. „Das ist unmöglich“, sagt er, „vor allem im Winter.“ Wenn er an die kalte Jahreszeit denkt, mit weniger durstigen Gästen, wird ihm ganz mulmig. 559 Euro zahlt Spiridon bisher monatlich an die Radeberger-Brauerei. Rund 957 Euro sollen es künftig sein – etwa 71 Prozent mehr. „Das trifft mich hart, sagt der Wirt.

Spiridon ist nicht der einzige, der unlängst Post von Radeberger bekam. Elf Wasserhäuschen seien von deutlichen Pachterhöhungen betroffen, informierte dieser Tage der Verein Linie 11, der sich für die Interessen der Büdchen einsetzt. Hintergrund sei eine Anhebung des Pachtzinses seitens der Stadt, die ihrerseits die Grundstücke an Radeberger verpachtet. Die Brauerei habe die Kosten an die Kioskbetreiber weitergegeben.

Nun müssen Wirtinnen und Wirte in der ganzen Stadt kalkulieren, wie sie mit den Aufschlägen umgehen, etwa im Wasserhäuschen an der Frauenfriedenskirche in Bockenheim oder an der Holbeinstraße in Sachsenhausen. „An jedem dieser Wasserhäuschen hängen Existenzen dran“, sagt Frederick Löbig von der Linie 11, „eine solche Pachterhöhung ist für sie de facto nicht machbar.“

Die Büdchen-Unterstützer erwarten von Radeberger wie auch seitens der Stadt einen anderen Umgang mit den Betreibern. „Da muss man viel sensibler herangehen“, sagt Löbig unter dem zustimmenden Nicken der Rödelheimer Kiosk-Kundschaft. Radeberger müsse schließlich daran gelegen sein, die Verkaufsstellen seiner Getränke am Leben zu lassen und nicht mit finanziellen Forderungen zu ersticken. Die Stadt wiederum stehe bei den Büdchen im Wort: Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) höchstpersönlich sei schließlich Schirmherr des ersten Frankfurter Wasserhäuschen-Tages im vorigen Sommer gewesen und habe den Wert der Buden für die Stadt ausdrücklich betont.

OB Feldmann bezog am Dienstag Stellung: „Eine für die Betreiber ruinöse Pachterhöhung kommt nicht in die Tüte“, bekundete er auf Anfrage der FR. „Man muss jetzt alle Beteiligten an einen Tisch bringen. Ich setze mich dafür ein, dass die deutlich übertriebene Erhöhung zurückgenommen wird und individuelle Lösungen gefunden werden.“ Unterstützung bekommen die Wasserhäuschen aus der Politik zuhauf. Kaum eine Partei, die nicht hervorhebt, wie unverzichtbar diese Treffpunkte für das Leben in Frankfurt seien. Am heftigsten haut die Linke auf die Pauke: „In Frankfurt hat die Stadtregierung nur ein offenes Ohr für die Großen und Mächtigen“, kritisiert Fraktionschefin Dominike Pauli. „Kleinunternehmer und Gewerbetreibende überlässt der Magistrat ihrem Schicksal. Das sehen wir gerade bei den Frankfurter Wasserhäuschen.“ Heftige Vorwürfe auch vom „Wasserhäuschenlotsen“ Hubert Gloss, der beliebte Büdchenführungen durch die Stadtteile leitet: Die Stadtregierung solle sich „schämen, die Wünsche der traditionell orientierten Wähler zu ignorieren, für die Wasserhäuschen ein fester Bestandteil der Stadtkultur sind“, wettert er: „Frankfurt ist nicht nur Wirtschaftsstandort, sondern auch eine lebendige Stadt mit Wohlfühl-Treffpunkten.“

Büdchen-Wirt Spiridon fragt sich unter anderem, ob er nun mehr als 5000 Euro nachzahlen muss – der neue Vertrag ist auf den 1. Juni 2017 zurückdatiert. „Wie soll das gehen?“ Eine Sprecherin der Radeberger-Gruppe erklärt dazu schriftlich, man habe „bereits ausführlich mit der Stadt Frankfurt im Sinne der Wasserhäuschen-Betreiber verhandelt“. Von Seiten der Stadt hätten „wesentlich längere Nachzahlungszeiträume“ im Raum gestanden. Generell sei Radeberger „gerne bereit herauszufinden, ob es noch Spielräume gibt, die die Stadt im Sinne der Wasserhäuschenbetreiber gewähren kann“, aber: „Der Ball liegt nun bei der Stadt.“

Aus dem zuständigen Baudezernat von Stadtrat Jan Schneider (CDU) hieß es gestern: „Wir werden uns mit Radeberger in Verbindung setzen, um zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen.“ Dies habe man bereits unabhängig von OB Feldmann beschlossen.

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