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Visionale-Filmfestival Aufschrei in bewegten Bildern

Das Visionale-Festival am kommenden Wochenende in Frankfurt offenbart Ängste und Hoffnungslosigkeit bei jungen Filmemachern. 63 Beiträge konkurrieren um Preise.

Conspiracy
?Conspiracy?: Visionale-Filmbeitrag aus Dreieich um einen Auftragsmörder, Altersgruppe 16 bis 19. Foto: Compix

Es musste ja so kommen. „Auf der Erde ist nur Stille und Stille“, sagt die junge Stimme aus dem Off. Seit 100 Jahren seien alle Menschen tot, nur sechs Überlebende gebe es, darunter ein fliegendes Fleischbällchen (überzeugend gespielt von Una) und einen magischen Stein, der den ganzen Tag damit beschäftigt ist, Sachen aufzuheben (Luka). Und ein Gummibär vom Planeten Gelatine (Bogdan) macht einen Ausflug zur Erde, um dort allerlei komische Sachen zu entdecken.

So lässt sich in Kürze der Film „6 Überlebende“ zusammenfassen – ein Beitrag zur Visionale 17, Hessens größtem Jugendmedienfestival. Vom 10. bis zum 12. November laufen im Gallus-Theater die Filme, die es ins Programm geschafft haben, insgesamt 63.

Einer davon ist, wie gesagt, „6 Überlebende“, der Zehnminüter aus der Jugendkulturwerkstatt Falkenheim Gallus für die Kategorie bis elf Jahre. Die jungen Filmemacher haben nicht nur eine ziemlich düstere Zukunftsvision mit kreativen Filmcharakteren gedreht, sie befragten auch Menschen, zum Beispiel, ob ihnen die Natur wichtig sei.

Sehr, antworten die Erwachsenen und geben gute Tipps, was man alles für die Natur machen sollte. Auf die Frage, ob die Regierung genug für die Natur tue, sagen sie: nein, aber mehr als andere Länder. Und so ganz langsam bringt der kleine Film, in nur vier Tagen entstanden, die Sache perfekt auf den Punkt – das ganze Desaster mit unserer Umwelt.

Ilias und Bogdan, beide 10, erzählen am Montag beim offiziellen Pressetermin souverän, wie sie den Film gedreht haben, sogar mit welchem Programm sie ihn geschnitten haben (Adobe), wie sie die Drehorte fanden (zufällig). Nur bei einem Thema werden sie im Gespräch ein wenig unpräzise: wie sie sich sie Welt vorstellen, in der sie leben werden, und was ihnen konkret Sorgen macht. Umso vorbildlicher hat ihr Film eben dies geschafft.

„Nirgends wird man genauer erfahren, wie es Kindern und Jugendlichen geht, als auf einem Jugendfilmfestival“, sagt Ralph Förg vom Filmhaus Frankfurt, einer der Visionale-Macher. „Die Filme sind eine Selbstauskunft der Zehnjährigen, aber auch der 25-Jährigen, über sich selbst.“

Was dabei in diesem Jahr besonders auffällt: „Es sind sehr viele sehr nachdenkliche Arbeiten“, sagt Alia Pagin vom Medienzentrum, „es geht viel um Ängste, Depression, um Suizidgedanken, es ist teils beklemmend.“ Film, da sind sich die Visionale-Organisatoren einig, ist eine gute Form, die Ängste auszudrücken, sie loszuwerden, indem die Kinder Situationen erst nachspielen und dann bei der technischen Bearbeitung Distanz dazu aufbauen.

Der zweite Film, der beim Pressetermin beispielhaft gezeigt wird, ist einer der ganz wenigen im Programm, die Humor transportieren: In „Franks Salon“ von Thomas Summerfield (25) taucht plötzlich die Frau leibhaftig auf, die der Waschsalonbesitzer Frank täglich in einem Fernsehwerbespot anhimmelt. Ein gekonntes Spiel mit Tagtraum und Realität, filmisch brillant umgesetzt als Arbeit für Summerfields Studium an der Hochschule Darmstadt.

Klares Statement also zum Start der Visionale: Den jungen Filmemachern ist der Spaß fürs Erste vergangen. Und eine schöne Pointe, dass Ilias und Bogdan, die kleinen Helden, beim Gespräch die meisten klugen Fragen an Summerfield richten. In ihrem eigenen Film haben sie zum Schluss US-Präsident Donald Trump eingeblendet: Der Klimawandel sei Fake News.

 

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