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Verkehrslärm in Frankfurt Nachts mit Tempo 30

Mehr als ein Drittel der Frankfurter leiden unter dem Straßenverkehr - nicht nur am Tag. Jetzt versucht die Stadt, des Problems mit einem Modellversuch Herr zu werden. Sie führt auf einigen Hauptstraßen nachts Tempo 30 ein.

Bislang keine Nachtruhe auf den Durchgangsstraßen in Frankfurt: Eckenheimer Landstraße. Foto: Monika Müller

Frankfurt ist der Statistik nach nicht nur die Hauptstadt des Verbrechens, sie ist auch eine der lautesten Kommunen in der Bundesrepublik. Was den Krach betrifft, steht die Main-Metropole in Hessen mit weitem Abstand an der Spitze. Das zeigte eine Grafik, die die Frankfurter Umwelt- und Gesundheitsdezernentin Manuela Rottman (Grüne) am Dienstag präsentierte.

200.000 Frankfurter leiden tagsüber unter Straßenverkehrslärm. Nachts lässt eine Schallberieselung von über 55 Dezibel 69.000 Menschen keine Ruhe und ein Großteil dieser Menschen kann auch im Hochsommer wegen des Krachs nachts kein Fenster öffnen. Das sind die Ergebnisse bereits existierender Lärmkarten. Ein wenig soll sich das in den nächsten Wochen ändern. In einem in dieser Größenordnung bundesweit einmaligen Modellversuch führt die Stadt nachts Tempo 30 auf einigen Hauptverkehrsstraßen ein. „Lärm macht krank und alles, was den Menschen helfen könnte, sollte auch versucht werden“, sagte Verkehrsdezernent Stefan Majer bei der Vorstellung des Experiments.

Die mächtige Lobby der Autofahrer muss nun nicht vor Schreck zusammenbrechen. Das Einbremsen beschränkt sich nur auf insgesamt 6,5 Kilometer. Betroffen sind die Eschersheimer Landstraße, die Nibelungenallee, die Höhenstraße, die Lange Straße (hier sind ein großes Krankenhaus und ein Altenheim Anlieger) und der Main-/Untermainkai.

Sowohl Rottmann als auch Majer wichen Fragen aus, ob bei entsprechenden Ergebnissen das Tempolimit auf die bereits im Lärmaktionsplan kartierten Straßen ausgedehnt oder sogar auf 24 Stunden ausgeweitet werden könne. „Ergebnisoffen soll untersucht werden, dann wird es eine Diskussion sowohl in der Gesellschaft als auch in der Politik geben und dann werden die hoffentlich richtigen Schlüsse gezogen werden“, sagte Majer und warnte vor politischer Kaffeesatzleserei.

Geräuschpegel sinkt um drei Dezibel

Kleinere Studien in Jena und anderen Städten haben gezeigt, dass ein Herabsetzen der Geschwindigkeit von 50 auf 30 Stundenkilometer den Geräuschpegel um drei Dezibel reduziert. Das klingt zunächst nach nicht viel, bedeutet aber nach Expertenmeinung eine gefühlte Reduzierung des Lärms um die Hälfte. Dass es an den ausgewählten „Hotspots, mit dichter Wohnbebauung und vielen Menschen“, so Rottman, halb so laut zugehen wird, erhofft sich insbesondere der grüne Part der schwarz-grünen Frankfurter Stadtregierung. Es wäre ein handfestes Argument für Tempo 30. Lärm sei eine der Ursachen für Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und gönne den Menschen keine Ruhe. „Da könnten wir ohne großen Aufwand die Lebensqualität verbessern.“

Allerdings ist der Aufwand, um an belastbare Ergebnisse zu kommen, nicht gerade klein. 280.000 Euro lässt sich die Stadt den Versuch kosten, an dessen Ende aber letztlich der hessische Verkehrsminister und der Regierungspräsident in Darmstadt über Tempo 30 auf Frankfurter Hauptverkehrsstraßen entscheiden.

Der Versuch ist in vier Phasen gegliedert. Vom 11. bis 24. Juni wird auf den ausgewählten Straßen der Verkehr bei noch erlaubten 50 km/h gezählt. Radarfallen soll es dann dort auch nicht geben. Vom 20. August bis 2. September wird mit zwei Teams fleißig geblitzt, um zu ermitteln, ob die 50 Stundenkilometer eingehalten werden. Vom 3. bis 30. September werden die Autofahrer dann durch entsprechende Beschilderung an das gewünschte Limit in der Zeit von 22 bis 6 Uhr gewöhnt. In der ebenfalls ferienfreien Zeit vom 1. bis 14. Oktober wird dann mit den dazu erforderlichen Radarmessungen das neue Tempolimit überwacht. Auf einigen Strecken sind auch Busse und Straßenbahnen von der „Bremsaktion“ betroffen.

Allein das Umrüsten der Ampeln auf die Grüne Welle bei Tempo 30 kostet 75.000 Euro. Gemessen werden kann nur, wenn es nicht regnet. Nasse Straßen und das Tröpfeln vom Himmel würden die Ergebnisse verfälschen. Ende des Jahres soll der Modellversuch dann in diskutable Zahlen gegossen werden.

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