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Verkehr in Frankfurt Mehr Verkehr im Riederwald

Bevor Hessen Mobil ab 2019 den Riederwaldtunnel baut, erläutert der hessische Verkehrsminister Al-Wazir den Bürgern die geänderten Pläne.

Verkehr in Frankfurt
„Der Lärmschutz wird es insgesamt leiser machen“, sagt Minister Al-Wazir bei der Info-Veranstaltung im Pfarrsaal der Heilig-Geist-Gemeinde im Riederwald. Foto: Christoph Boeckheler

Im Pfarrsaal der Heilig-Geist-Gemeinde im Riederwald ist es voll. 200 Menschen sind am Mittwoch gekommen, um zu hören, wie Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) die Prognose für den Verkehr auf den Autobahnen A661 und A66 im Jahr 2030 vorstellt. Es geht um den Tunnel, um Lärm, um Schadstoffe. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr und endet nach 23 Uhr. Die Luft wird irgendwann stickig und die Gemüter sind irgendwann erhitzt.

Friedhelm Ardelt-Theeck vom Aktionsbündnis unmenschliche Autobahn verteilt draußen Flyer, ein Aktivist trommelt. Drinnen sagt Ingeborg Wendel, die Sozialbezirksvorsteherin im Riederwald, „Sie hätten die Veranstaltung früher ankündigen müssen, nicht anderthalb Wochen vorher, dann wären noch mehr Menschen gekommen.“

Dann spricht Verkehrsminister Al-Wazir darüber, dass der Verkehr bis 2030 im Riederwald stark zunehmen wird. Dass es gleichzeitig Lärmschutz geben wird, der die Anwohner entlang der A66 und A661 schützen soll. „Wir wollen es besser machen als bisher“, verspricht er.

Al-Wazir führt aus, dass die Straße Am Erlenbruch um ein Drittel des Verkehrs entlastet würde. „Versprochen war eine Entlastung um zwei Drittel“, ruft Rainer Frey von der Bürgerinitiative Riederwald. Der Minister entgegnet, dass der Verkehr insgesamt zunehmen wird, weil Frankfurt wächst. Allein auf der Autobahn A661 wird der Verkehr um circa 30 000 Fahrzeuge steigen. Durch den neuen Tunnel Riederwald sollen mehr als 100 000 Fahrzeuge am Tag fahren. Der Anteil der Lastwagen soll bei zehn bis 15 Prozent liegen. Derzeit sind es rund 23 000 Fahrzeuge pro Tag auf der Borsigallee und rund 22 000 auf der Straße Am Erlenbruch, wo sich am Abend der Verkehr gewöhnlich staut. Ein Ende des stockenden Verkehrs ist auf den Autobahnen nach dem Ausbau nicht in Sicht. Auf der A661 rechnet Al-Wazir 2030 mit „zäh fließendem Verkehr“ in den Spitzenzeiten. Die Autobahn hält er dennoch für leistungsfähig genug, um die Fahrzeuge aus dem Riederwaldtunnel aufzunehmen.

„Kommt es dann nicht zum Rückstau in den Tunnel?“, fragt jemand aus dem Publikum. Al-Wazir verneint. Auf Nachfrage räumt ein Mitarbeiter von Hessen Mobil ein, dass die Qualitätsstufe der Autobahn mit „ausreichend“ bewertet wird. Zäh fließender Verkehr lasse sich im Rhein-Main-Gebiet nie ganz vermeiden, sagt Al-Wazir.

Damit die A661 den zusätzlichen Verkehr aufnehmen kann, sind Erweiterungen geplant. Vorgesehen ist eine neue Rampe von der Friedberger Landstraße auf die A661 in südlicher Richtung. Außerdem will Hessen Mobil einen weiteren Fahrstreifen, den sogenannten Verflechtungsstreifen, zwischen der Anschlussstelle Friedberger Landstraße und Autobahndreieck Erlenbruch bauen. Damit wird die A661 auf diesem Teil in südlicher Richtung dreispurig. Auf Höhe der Ratswegbrücke soll der Standstreifen in südlicher Richtung freigegeben werden. Auf die Frage von Rainer Frey von der BI Riederwald, warum sich Al-Wazir nicht für eine Einhausung stark mache, sagt Al-Wazir: „Wenn der Bund ist zahlt, machen wir es sofort.“

Dietmar Hönig von Hessen Mobil führt aus, dass eine Einhausung der Autobahnen zwar die einzige Möglichkeit wäre, die Anwohner komplett vor Lärm zu schützen, diese aber mit „unverhältnismäßig hohen Kosten“ verbunden wäre.

Friedhelm Ardelt-Theeck vom Aktionsbündnis unmenschliche Autobahn kündigt an, dass es „Klagen hageln“ werde. Seiner Meinung nach sind die Arbeiten am Dreieck Erlenbruch rechtswidrig. Er überreicht eine Liste mit 500 Unterschriften für den Baustopp am Dreieck an Al-Wazir.

Es sind exakt 297 Wohnungen entlang der Autobahnen, die trotz der drei bis acht Meter hohen Lärmschutzwände und Erdwälle und dem lärmmindernden, offenporigen Asphalt auf der A661 nicht ausreichend geschützt sein werden. Die Betroffenen können sich informieren, wenn Hessen Mobil die Unterlagen für die Planänderungsverfahren im Herbst 2017 auslegt. Dann sollen auch Vorarbeiten für den Riederwaldtunnel beginnen: das Verlegen von sogenannte Leitungsbrücken für Abwasserleitungen.

Diskussionsbedarf besteht nördlich der Galerie Seckbach für New Atterberry und Betts, wo die Stadt Frankfurt einen Teil der A661 für das geplante Ernst-May-Viertel einhausen will. Falls die Einhausung nicht komme, will Hessen dort Schutzwände hinbauen. Kein Schutz kommt für die Menschen in Bergen-Enkheim, auch wenn künftig 98 400 Fahrzeuge über die A66 fahren werden. Der Abschnitt östlich der Anschlussstelle Bergen-Enkheim wurde 1979 für den Verkehr freigegeben. Damals war Lärmschutz noch nicht en vogue.

Unmut regt sich, als Oliver Heil vom Büro Lahmeyer die Luftschadstoffe im Jahr 2030 vorstellt. Es werde nur „kleine Zusatzbelastungen“ geben, sagt er, weil die Fahrzeuge weniger Schadstoffe ausstoßen würden. „Und was ist mit dem Abgas-Skandal?“, ruft jemand aus dem Publikum.

Am Donnerstagabend geht die Veranstaltung weiter. Hessen Mobil stellt den Verlauf der sieben Jahre dauernden Arbeiten am Tunnel vor (ab 2019/2020) und erläutert den Schutz vor Lärm und Abgasen. Der Pfarrsaal der Heilig-Geist-Gemeinde ist wieder voll.

 

Die Präsentationen will Hessen Mobil veröffentlichen: riederwaldtunnel.de

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