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Verkehr in Frankfurt Ein Schild für alle Fälle

Die Stadt lagert ihre Verkehrszeichen in Höchst. Bei Großveranstaltungen ist der Hof in der Palleskestraße halb leer geräumt. Nicht alle Schilder gelangen dorthin wieder zurück.

Schilderwald auf dem Hof: Bilder, Worte und Pfeile für alle Lagen und Zwecke. Foto: Alex Kraus

Es gibt die unterschiedlichsten Arten, legal auf dem Gehweg zu parken: längs oder quer; auf dem Bordstein oder nicht; in die eine oder die andere Richtung. „Es sind 16 Möglichkeiten“, weiß Brigitte Rummel vom Baubezirk West des Straßenbauamtes. Für jede Möglichkeit gibt es ein Schild. Blau mit weißer Schrift. Alle diese Verkehrszeichen, und noch viele mehr, lagern im Baubezirk in der Palleskestraße.

In der zentralen Schilderhalle seien alle Verkehrszeichen, „die man so braucht“, sagt Rummel. Nach den Paragrafen der Straßenverkehrsordnung sortiert. Tempo-30- und Tempo-50-Schilder seien oft im Einsatz, sagt sie. Andere führten ein Kuriositäten-Dasein. Wie das Schild für die Krötenwanderung, das sei schon etwas verstaubt. Ebenso das Zeichen, das einen Zusammenprall zwischen Auto und Fahrrad anzeigt. Es soll auf „Gefahr“ hinweisen.

„Die Stadt hat die Verkehrssicherungspflicht“, erklärt Günter Schneider, der den Baubezirk West leitet. Jede Baustelle in der Stadt müsse abgesichert sein. Auch jede Großveranstaltung wie der Ironman, der Marathon, das Museumsuferfest oder die Heimspiele von Eintracht Frankfurt. Dafür sei der Baubezirk West zuständig. In Arbeitsteilung mit dem Straßenverkehrsamt. „Die ordnen das an“, sagt Schneider, „wir sperren ab“.

Bei einer Großveranstaltung wie dem Tag der Deutschen Einheit sei der Hof dann halb leer geräumt. Halteverbote, Absperrungen, Pylonen stünden zu Hunderten draußen auf den Straßen. Wenn die Veranstaltung vorbei sei, bedeute das aber nicht, dass alle Schilder auch wieder zurückkämen. „Die Pylonen sind bei vielen sehr beliebt“, weiß Brigitte Rummel. Wegen des „Schwundes“ müsse die Außenstelle des Straßenbauamtes 500 neue Schilder pro Jahr bestellen.

Zurück kämen auch kaputte Schilder und verbogene Masten. „Es geht immer etwas zu Bruch“, so Rummel. Falls möglich, versuche die betriebseigene Schlosserei, die Masten, Schilder und Sockel zu reparieren. Der Schrott lande im Schutt-Container auf dem Hof.

Der Baubezirk verleiht auch Schilder. Kostenlos an Vereine und wohltätige Organisationen, die etwa Feste wie die Weihnachtsmärkte organisierten und dafür Straßenzüge beschildern müssten. Gabelstapler wuchten die 25 Kilogramm schweren Sockel, die Schilder und Masten dann in die Lieferwagen.

Auch Firmen, die im Auftrag der Stadt die Straßen reparieren, holen sich im Laufe des Tages die benötigten Verkehrszeichen ab. Madeleine Wehrheim, Angestellte im Schilderlager, bearbeitet alle Anfragen und registriert die Schilder, die rausgehen und zurückkommen. Damit es eine „Einheitlichkeit“ der Beschilderung gibt, bestelle der Baubezirk alle Schilder, die in der Stadt aufgestellt werden sollen, selbst.

Der Baubezirk West mit seinen 35 Mitarbeitern hat nur zwei kleine Kolonnen, die im Notfall rausfahren, um Straßen zu sichern. Alle anderen Straßenarbeiten hat die Stadt entweder als Jahresauftrag vergeben oder auf die Baustelle bezogen ausgeschrieben. Falls nachts ein Wasserrohr bricht und die Feuerwehr die Straße sperren muss, hat sie dafür Schilder des Baubezirks eingelagert.

Seit Jahren schon gibt die Stadt für den Erhalt des städtischen Straßennetzes 15,9 Millionen Euro pro Jahr aus. Für 1441 Kilometer Straßen. „Frankfurt wächst, neue Straßen kommen hinzu, aber das Budget bleibt gleich“, sagt Schneider.

„Natürlich“ hätte der Baubezirk gerne mehr Geld zur Verfügung. Auch um den Sanierungsstau in Höhe von 72,3 Millionen Euro weiter abzubauen. Anfang 2015 waren 362 Straßen der Stadt in einem schlechten Zustand.

Auch wenn die Stadt aus Geldmangel „nicht jedes Schlagloch sofort stopfen“ könne, so Schneider, bleibe die Verkehrssicherheit aufrechtzuerhalten. Im Zweifel mit Absperrungen und Schildern.

Den Zustand der Straßen überprüfen die Straßenbegeher, in jedem Baubezirk seien drei Mitarbeiter dafür zuständig. In einem Rhythmus von zehn, 25 und 40 Tagen – je nach Verkehrsbedeutung – gehen sie die Straßen ab und dokumentierten Schäden.

Weil im alten Verwaltungsgebäude nicht genügend Platz sei, seien die Straßenbegeher in Baucontainern in der Hofmitte untergebracht. Der Verwaltungsbau selbst ist in die Jahre gekommen. Schneider zeigt auf ein Loch in der Bürodecke: „Da hat es zuletzt reingeregnet.“

Es sei vorgesehen, die Fläche, auf der nun der Baubezirk, die Straßenreinigung FES und das Grünflächenamt untergebracht seien, aufzugeben. An der Palleskestraße soll unter dem Schlagwort „Wohnen am Park“ neuer Wohnraum entstehen.

FES, Grünflächenamt und Baubezirk könnten dann in ein „Behördenzentrum“ in die Nachbarschaft ziehen, auf die gegenüberliegende Seite der Palleskestraße, nahe der IGS West und der Porzellan-Manufaktur. Doch dafür müsse zunächst der Getränkehandel Schluckspecht umziehen. „Wir hoffen, bald“, sagt Schneider.

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