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Verkehr „Frankfurt muss umsteuern“

Greenpeace misst zu viel giftiges Abgas und fordert Wende eine in der Verkehrspolitik. Mit einem Gerät, das gesundheitsschädliches Stickstoffdioxid (NO2) in der Luft misst, sind die Aktivisten fünf Wochen lang in Deutschland unterwegs, in elf Städten, von Hamburg bis Nürnberg.

Greenpeace misst Stickoxid im Frankfurter Straßenverkehr. Foto: christoph boeckheler*

Fernsehkameras und Mikrofone sind auch schon da – das öffentliche Interesse ist ordentlich, als Tobias Riedl am Dienstag aufs Rad steigt, um die Frankfurter Luft zu testen. Ziel des Greenpeace-Verkehrsexperten: Er will nachweisen, dass die Menschen auch in dieser Stadt mit zu viel Gift in der Luft leben, ausgestoßen von Autos mit Dieselmotor. „Wir brauchen einen Wechsel in der Verkehrspolitik“, sagt er.

Die Fakten dazu liefert Denis Pöhler von der Uni Heidelberg. Der promovierte Physiker hat ein Gerät entwickelt, das gesundheitsschädliches Stickstoffdioxid (NO2) in der Luft misst. Solche Geräte sind zwar schon in Betrieb, aber bisher nur stationär. Das Besondere an der Heidelberger Entwicklung namens Icad NO2: Es ist mobil. Damit sind Riedl und Pöhler fünf Wochen lang in Deutschland unterwegs, in elf Städten, von Hamburg bis Nürnberg.

Und so funktioniert es: Während Tobias Riedl radelt, saugt ein Schlauch am Lenker die Luft an, leitet sie weiter nach hinten in den Anhänger mit dem Messgerät, das es sonst nirgends auf der Welt gibt. Die fest installierten Apparaturen arbeiten mit einem chemischen Prozess. Dagegen durchleuchtet Icad die Luft und macht NO2-Strukturen sichtbar, die auf einzelne Moleküle schließen lassen. „Das ist genauer als die bisherigen Verfahren“, sagt Pöhler.

Was kommt bei den Messungen heraus? „Wir haben hier in Frankfurt sehr hohe Werte, wie eigentlich in allen großen Städten“, sagt der Physiker. Der Grenzwert für die Dauerbelastung, 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft, werde an fast zwei Dritteln der Straßen überschritten; heute waren es im Mittel 50 Mikrogramm.

Diesel-Fahrzeuge sind schuld

Wer ist schuld? Vor allem eine kleine Gruppe von Diesel-Fahrzeugen. Nicht etwa überwiegend Lastwagen, sagt Pöhler, auch nicht die Busse; die hätten meist moderne Abgasreinigungsanlagen. Das Problem seien eher hubraumstarke Personenkraftwagen, die die Grenzwerte extrem überschreiten – bedauerlicherweise oft auch neue Fahrzeuge, hat das „Air Quality Monitoring Project“ der Heidelberger Uni ermittelt.

Die Greenpeace-Aktion soll zeigen, „dass wir ein enormes NO2-Problem haben“, sagt Tobias Riedl – und zwar in den Innenstädten, wo die Menschen sind. Da fehle es auch in Frankfurt an Messgeräten. Schlussfolgerung: „Frankfurt muss in seiner Verkehrspolitik umsteuern. Wir fordern den Wechsel weg vom Auto, hin zu Rad- und Fußgängerverkehr.“ Das Problem: Städte seien für Autos gebaut. „Das muss sich ändern“, sagt Riedl. „Die Stadt muss eine andere Verkehrspolitik gegenüber der Autolobby durchsetzen.“

Das Messgerät Icad soll helfen, diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Pöhler und sein Team arbeiten daran, es für kommerzielle Zwecke weiterzuentwickeln, um es Umweltbehörden und -organisationen anzubieten. Für Privatpersonen dürfte es ein wenig zu kostspielig werden: Pöhler geht von 10 000 Euro aus.

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