Lade Inhalte...

Verfolgung in Frankfurt Gedenken an KZ-Katzbach-Opfer

In Frankfurt gab es während des Dritten Reichs ein Konzentrationslager mitten in der Stadt. Am Wochenende erinnern Stoffbinden im Stadtgebiet an die Opfer des KZ-Außenlagers Katzbach in den Adlerwerken. Auf manchen stehen Namen, auf anderen nur die Häftlingsnummern.

So soll es ab Samstag am Museumsufer aussehen. Foto: Presse- und Informationsamt

„Wir müssen neue Formen des Gedenkens finden“, ist Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) überzeugt. Beim Start des zweiten Teils des auf vier Jahre angelegten Kunstprojekts zum Gedenken an die Opfer des KZ-Außenlagers Katzbach in den Adlerwerken im Gallus haben Semmelroth und die Künstlerin Stefanie Grohs die Ziele ihres Vorhabens dargelegt.

Weil die Existenz eines Konzentrationslagers in ihrer Stadt den meisten Frankfurtern jahrzehntelang unbekannt war – wohl auch heute noch –, sei es wichtig, das Gedenken in die Stadt hineinzutragen. „Es genügt nicht, Gedenkorte einzurichten“, glaubt Semmelroth. Gedenktafeln und dergleichen hülfen nicht weiter, wenn man die Menschen – gerade jüngere – zum Nachdenken über Geschichte bewegen wolle. Da müssten schon andere, neue Wege gefunden werden.

#infobox

Grohs hat sich, ebenso wie ihre Vorgängerin Margarete Rabow, auf die Suche nach diesen begeben. Das Ergebnis ist das Projekt „Mitten unter uns“, mit dem sie an das KZ in den Adlerwerken erinnern will. So will die Künstlerin für jeden der insgesamt 1600 Häftlinge, die zwischen August 1944 und März 1945 in den Adlerwerken interniert waren, eine Stoffbinde im Stadtgebiet aufhängen. „Ich habe blau-weiß gestreifte Stoffbinden entworfen“, erklärt sie. So wolle sie Assoziationen zu der Häftlingskleidung entstehen lassen. Auf manchen der Stoffbinden, die es in drei unterschiedlichen Größen gibt – je nach Stammumfang – stehen Namen, auf anderen Nummern.

Da nicht alle Namen der Häftlinge dokumentiert seien, solle mittels der Nummern der Identitätsverlust, den die Häftlinge während er Inhaftierung im KZ erfuhren, vermittelt werden. Am morgigen Samstag und dem folgenden Sonntag will Grohs mit 230 freiwilligen Helfern 1200 Stoffbinden im Gallus, rund um die Zeil und am Museumsufer aufhängen. Die Binden sollen sieben Monate lang hängenbleiben. So lange bestand das KZ Katzbach. Die 400 weiteren Binden sollen in den nächsten Monaten folgen. Auch unmittelbar an den ehemaligen Adlerwerken will Grohs Stoffbinden anbringen.

#article[all]

Die Sorge, dass die Binden abgenommen werden könnten, hegt Grohs nicht. „Wenn das passieren würde, wäre das eben auch eine Reaktion.“ Man könne in diesem Fall aber nicht feststellen, ob es sich um Vandalismus handle oder ob sich jemand sehr für das Thema interessiere. Nach Abschluss des Projekts sollen einige der Stoffbinden im Historischen Museum gezeigt werden.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen