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Verdi in Frankfurt Tausende Beschäftigte streiken

Auf einer Kundgebung in Frankfurt fordert die Gewerkschaft Verdi mehr Gehalt im öffentlichen Dienst.

Warnstreiks im öffentlichen Dienst
3500 Teilnehmer seien zur Kundgebung gekommen, teilt Verdi mi. Foto: dpa

Der Regen peitscht gegen die Schirme und Ponchos. Das bringt die Demonstranten beim Verdi-Protestmarsch für mehr Lohn im öffentlichen Dienst am Freitag in Frankfurt so richtig in Schwung. „Mehr Vergütung für alle, sonst gibt’s Krawalle!“, rufen sie.

Es sind viele junge Leute darunter. Sie tänzeln und hüpfen auf der überfluteteten Konrad-Adenauer-Straße, biegen auf die Bleichstraße ab, marschieren die Börsenstraße entlang, bis sie trotz Regenschutzes ziemlich durchnässt die Kundgebung auf dem Roßmarkt erreichen. Aus den Lautsprechern schallt Deutsch-Rap und Pop. 

Es ist kurz vor 12 Uhr. Verdi-Fahnen, so weit der Blick schweift. 3500 Teilnehmer seien zur Kundgebung gekommen, teilt Verdi mit; die Polizei stellt diesmal keine Schätzung an.
Eine große rote Fahne sticht ins Auge. Sie listet die Forderungen der Gewerkschaft auf: sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt für die Mitarbeiter im öffentlichen Dienst, mindestens 200 Euro mehr im Monat für alle Beschäftigen beziehungsweise 100 Euro mehr für die Auszubildenden, außerdem eine Anhebung des Nachtzuschlags sowie eine Übernahme der Azubis nach bestandenem Abschluss. 

Am Sonntag und Montag wird darüber in Potsdam mit den kommunalen Arbeitgebern verhandelt. Verdi vertritt bundesweit 2,3 Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst. „Wir erwarten nicht nur ein Angebot, sondern ein Ergebnis am Verhandlungstisch“, teilt Verdi-Landesbezirksleiter Jürgen Bothner mit. 

Die Bühne auf dem Roßmarkt ist wettergeschützt, ein Redner folgt auf den anderen. Frankfurt wachse jedes Jahr im Durchschnitt um 15 000 Menschen, sagt eine Rednerin. Aber die Stadt baue die Verwaltung nicht dementsprechend aus. 

Tatsächlich weist der städtische Etat ein Minus von 300 Millionen Euro auf. Daher können viele der eigentlich geplanten 193 neuen Stellen in der Stadtverwaltung möglicherweise nicht besetzt werden. „Die Arbeitsbelastung ist jetzt schon hoch, die Verwaltung braucht das Personal“, sagt die Sprecherin. Der öffentliche Dienst bleibe nur attraktiv, wenn es gelinge, Personal zu gewinnen. Bei niedrigem Verdienst und hoher Arbeitsbelastung sei das schwierig.

„Wir trotzen dem Regen, aber der Präsident für die kommunalen Arbeitgeber hat am Allerheiligentor nicht mal aus dem Fenster geschaut“, ärgert sich ein Redner. Gemeint ist Stefan Majer (Grüne), Personaldezernent der Stadt, der wohl zu diesem Zeitpunkt in seinem Büro in der Braubachstraße weilt. Majer fährt als Arbeitgebervertreter nach Potsdam, gemeinsam mit Mainova-Vorstand Lothar Herbst und VGF-Geschäftsführer Thomas Wissgott. „Stefan Majer muss unsere Interessen vertreten“, fordert eine Rednerin.

Am Streik in Frankfurt beteiligten sich auch Mitarbeiter der Verkehrsgesellschaft (VGF), so dass Trams und U-Bahnen nicht fuhren, außerdem die Stadtentwässerung und die Frankfurter Entsorgungsbetriebe FES. Beim Abholen des Hausmülls fiel jede zweite Tour aus. Die Tonnen, die am Freitag nicht geleert wurden, sollen in der nächsten Woche mitentsorgt werden. An der Oper erklang „Das Rheingold“ abends nur konzertant, am Schauspiel wurden Premieren verschoben, Aufführungen fielen aus. 

Solidarisch zeigten sich auch Beschäftigte der Sparkassen, des Klinikums Höchst, der Praunheimer Werkstätten, des Vereins Arbeits- und Erziehungshilfe, des Awo-Bezirksverbands Hessen-Süd, der orthopädischen Klink Friedrichsheim, des Heilig-Geist-Krankenhauses, der Hochtaunusklinik und des Jobcenters in Frankfurt. In Offenbach streikten Mitarbeiter der Verwaltung, des Jobcenters Main-Arbeit, der Kitas, der Sana-Klinik.

Philipp Jacks, der Chef der DGB-Region Frankfurt/Rhein-Main, zollt allen, die im Regen ausgeharrt haben, Respekt. Dann trollen sich die Teilnehmer am Mittag durchnässt nach Hause. 

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