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Verdi Gewerkschafter bestreiken Gewerkschaft

In Frankfurt demonstrieren mehrere hundert Mitarbeiter der Gewerkschaft Verdi für mehr Geld. Allzu viel Öffentlichkeit wollen sie dabei aber offenbar nicht.

Verdi-Gesamtbetriebsratschef Ulli Hainsch.

Aus ganz Deutschland sind sie gekommen, und sie wissen, wie man das macht. Mehrere hundert Streik-Profis haben sich im Innenhof der Frankfurter Verdi-Zentrale versammelt, mit gelben Westen, Plastiktrompeten und Trillerpfeifen, bis man davonlaufen möchte.

Streiken sind sie gewohnt, aber diesmal tröten und streiken sie für sich selbst. Gerade mal ein Prozent Gehaltserhöhung bietet ihnen die Geschäftsführung um Verdi-Chef Frank Bsirske ab November, außerdem wurde eine Vereinbarung zur Altersteilzeit gestrichen. Entsprechend ist die Stimmung. "Ist ja klar, dass uns das nicht reicht", sagt der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ulli Hainsch. Beschäftigte in der Industrie und im öffentlichen Dienst konnten in den letzten Monaten deutlich bessere Tarifabschlüsse erzielen. "Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht von dieser Entwicklung abkoppeln".

Um den Druck zu erhöhen, hat der Verdi-Gesamtbetriebsrat zu einem eintägigen Warnstreik aufgerufen. Aber darf er das überhaupt? Normalerweise ist das für Betriebsräte tabu; es sind die Gewerkschaften, die zum Streik aufrufen. Im Fall von Verdi müsste sich die Gewerkschaft allerdings selbst den Krieg erklären, weshalb der Betriebsrat auf eine Ausnahmeregelung verweist.

Auf der Kundgebung spricht nun ein Landesvorsitzender nach dem anderen. Sie treten fordernd auf, aber es ist auch immer wieder die Rede davon, dass die Mitarbeiter "Bedenken" hätten, sich derart offen gegen die Geschäftsführung zu stellen.

Wenn Bernhard Stracke darüber spricht, wird er wütend. Warum muss denn die Kundgebung ausgerechnet auf einem Hinterhof stattfinden, fragt er - und gibt die Antwort selbst: "Die verstecken sich doch". Stracke ist Vorstand der "Gewerkschaft der Gewerkschaftsbeschäftigten" (GdG), eine Organisation, in der rund zehn Prozent der Verdi-Mitglieder organisiert sind. Die GdG sei nicht so wichtig, gibt ein Betriebsrat etwas abschätzig zu verstehen. Es scheint nicht allen zu passen, dass es neben Verdi noch eine Gewerkschaft geben soll, die in dieser Sache etwas zu melden hat.

Entsprechend weniger diplomatisch ist GdG-Chef Stracke. Er fordert einen allgemeingültigen Tarifvertrag - also das, was Verdi für alle anderen fordert. Das Argument einer Sonderstellung lässt er nicht gelten. "Für die Kirchen will Verdi ja auch keine Ausnahmen", sagt Stracke.

Die Betriebsräte hält er offenbar für zu duckmäuserisch, das Verhältnis zueinander ist suboptimal. "Ich bin der böse Mann", sagt Stracke, und er sagt es nur halb im Spaß. Wenn er die Sache nicht öffentlich gemacht hätte, sagt Stracke, dann hätte überhaupt niemand die Presse informiert über den bevorstehenden Streik.

Kurz nach der Ansprache werden die Betriebsräte mit der Geschäftsführung einen neuen Deal aushandeln. Und die Demonstranten trauen sich doch noch vors Tor. Immerhin einmal auf die Straße und um das Gebäude herum, mit Trillerpfeifen, Plastiktrompeten und Westen, auf denen steht, "Tarifverträge schützen".

Mitbekommen hat es wohl niemand außer ein paar Nachbarn, die inzwischen vermutlich einen Tinnitus haben.

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