Lade Inhalte...

Veganes Bistro Berger Straße Vegane Metzgerei schließt

Das Bistro von Bio-Spahn in der Berger Straße rechnet sich nicht. Nach nur 15 Monaten zieht der Besitzer die Reißleine: Seit Anfang August ist der Laden mit den selbst produzierten veganen Produkten geschlossen.

Vegane Produkte erobern die Supermärkte – das macht manch kleinem Laden zu schaffen. Foto: Andreas Arnold

Aus der Traum von der veganen Metzgerei: Nach nur 15 Monaten hat Michael Spahn von der Metzgerei Bio-Spahn die Reißleine gezogen und sein veganes Bistro in der Berger Straße wieder dicht gemacht. Seit Anfang des Monats ist der Laden mit den selbst produzierten veganen Produkten geschlossen. Der Betrieb des Ladens habe sich nicht gerechnet, schreibt Spahn in einer Erklärung auf Facebook. „In 15 Monaten haben wir über 55 000 Euro verbrannt“, so Spahn: „Nun mussten wir die Geschichte einfach beenden“.

Als der Laden neben der traditionsreichen Bio-Metzgerei im vergangenen Jahr seine Pforten öffnete, war das Medienecho groß: Die Berger Straße würde immer mehr zum Hotspot für Veganer aus der ganzen Region, hieß es – und über 7000 Menschen bedachten den veganen Metzger auf Facebook mit einem Klick auf den gereckten Daumen. Doch die Schließung des Ladens bedeutet mitnichten, dass Produkte, die ohne tierische Zutaten auskommen, in Frankfurt wieder auf dem Rückzug sind. Spahn vermutet eher, dass das Modell eines Lädchens in Zeiten in denen „eigentlich fast alle Menschen“ in Supermärkten einkaufen, nicht das passende sei.

Diesem Gedanken lässt Spahn nun Taten folgen. Parallel zur Schließung des Geschäfts wurde ein Deal mit der Fuldaer Supermarktkette Tegut ausgehandelt: Ab September wird es die in Frankfurt produzierten veganen Produkte der Bio-Metzgerei Spahn in 50 Tegut-Filialen zu kaufen geben. „Den veganen Großhandel werden wir nun richtig in Angriff nehmen“, so Spahn. Das heißt aber nicht, dass die Metzgerei in der Berger Straße nun wieder komplett in die Hände der Fleischesser fällt. So soll es dort weiterhin einen Kühlschrank mit veganen Produkten geben – ebenso wie einen Bereich in der Frischetheke neben den Salaten.

Auch bei Netto, Metro und dm gibt es in Frankfurt seit Kurzem vegane Produkte

Einen ähnlichen Weg wie die Bio-Metzgerei Spahn geht derzeit auch die Berliner Supermarktkette Veganz, die am Bornheimer Uhrtürmchen ihre hessenweit einzige Filiale betreibt. Statt ständig neue Läden zu eröffnen, setzt Veganz seit Kurzem darauf, Produkte der Eigenmarke im Sortiment größerer Supermarktketten zu platzieren. So komme man dem selbst gesteckten Ziel näher, es mehr Menschen „zu ermöglichen, vegane Produkte zu kaufen“, sagt die Veganz-Sprecherin Michele Hengst.

Seit dieser Woche gibt es eine kleine Auswahl von Veganz-Produkten in Netto- und Metro-Filialen – und seit rund zwei Wochen auch in ausgewählten Filialen der Drogeriekette dm. In Frankfurt gehört nur die Filiale im Enkheimer Gewerbegebiet dazu. Mit dem Geschäft in Bornheim sei man zwar „durchaus zufrieden“, dennoch sei der Markt dort „nicht die stärkste Filiale“ des Unternehmens, so Hengst. Diese befinde sich in Berlin. Am Uhrtürmchen bietet Veganz seit 2013 rund 4500 vegane Produkte an, zehn Mitarbeiter arbeiten dort.
In den veganen Restaurants und Cafés im Stadtgebiet gibt man sich derweil entspannt. Das Geschäft mit veganen Burgern und Sandwiches laufe gut, heißt es beispielsweise im Bistro Savory in Rödelheim. Nur das heiße Wetter sorge momentan dafür, dass weniger Kunden kommen.

Auch Anna Prokein vom Edelkiosk in der Rhönstraße ist guter Dinge. Als sie das Café im März 2012 eröffnete, gab es stadtweit noch kaum vegane Konkurrenz – heute schon. Doch habe man in der Zwischenzeit viele Stammkunden gewinnen können, sodass das Café stets gut besucht sei. Auch kämen viele Nachbarn, die teilweise gar keine Veganer seien – aber dennoch eine bewusste Ernährung zu schätzen wüssten.

Eine Abkehr vom Trend des Veganismus ist in Frankfurt also nicht zu erkennen. Vielmehr werden vegane Produkte – wie vor einer Weile Bio-Produkte – gesellschaftsfähig. Und Läden wie die vegane Metzgerei stehen plötzlich mit Supermärkten in Konkurrenz um den Kunden, der eine fleischfreie Leberwurst kaufen will.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum