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Vandalismus in Frankfurt Verschmierte U-Bahnen

Wenn U-Bahnen verschmiert werden, zahlen Fahrgäste und Steuerzahler für die Säuberung. Die VGF-Mitarbeiter in den Werkstätten haben durch die Vandalismusschäden mehr Arbeit.

Alle Fahrzeuge beschmiert: Der exakte Standort des Depots soll unbekannt bleiben. Foto: Andreas Arnold

Verschmiert. Alles verschmiert. Kein einziges der rund 20 Fahrzeuge in dem Depot haben die Sprayer verschont. Andere Vandalen sind über den Zaun gestiegen und haben Teile abmontiert: Souvenirjagd in Frankfurt in der Nacht. Um nicht noch mehr Täter anzulocken, wird der Name des Stadtteils, in dem das Depot steht, hier verschwiegen. Eigentlich sollten die U-Bahnen dort als Reserve dienen. Für Zeiten, wenn übermäßig viele Fahrzeuge gebraucht werden oder in die Werkstatt müssen. Vielleicht hätte die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) die eine oder andere Bahn sogar noch verkaufen können.

Doch jetzt sind die Schäden so gewaltig, dass es sich nicht mehr lohnt, Geld hineinzustecken. Das Depot im Frankfurter Norden ist zum Ersatzteillager verkommen. Wie hoch die entstandenen Kosten sind, vermag keiner zu beziffern. Die VGF hat aufgegeben, sie zusammenzurechnen. „Die Schäden durch Vandalismus führen wir schon länger nicht mehr getrennt auf“, sagt Karola Brack von der Pressestelle. „Sie sind eingepreist in die Instandhaltungskosten.“

Finanziell dafür aufkommen müssen die Fahrgäste und die Steuerzahler. Zu leiden haben darunter auch die VGF-Mitarbeiter in den Werkstätten. „Uns beschert das zusätzliche Arbeit“, sagt Olaf Kurant (55), Leiter der Betriebshofs Heddernheim. Eigentlich sind die 25 Leute in der Werkstatt für Wartung und technische Schäden an den sogenannten Stadtbahnen zuständig, die sie – wie alle Frankfurter – nur U-Bahnen nennen. Doch zur Inspektion und Reparatur von Bremsen, Türmechanik oder Lenkung kommen regelmäßig andere Aufgaben. Ausgelöst von Zeitgenossen, die sich an Allgemeingut vergreifen. Die es verschmutzen, zerstören, sich darauf verewigen. „Am meisten ärgere ich mich über die, die es tagsüber an der Endhaltestelle machen, während die Lokführer wechseln“, sagt Kurant. Ja, das gibt es tatsächlich: Sprayer, die diesen kurzen Halt dazu nutzen, um quasi vor den Augen der Fahrer ihre Dosen zu zücken. Haben sie Erfolg, dann ist die Bahn in der Regel ruckzuck aus dem Verkehr gezogen: „Vollgeschmierte Fahrzeuge kommen sofort ins Depot“, sagt Kurant. „Wegen des Imageproblems.“

Aber nicht nur deshalb. Sind die Farben noch frisch, stehen die Chancen gut, sie problemlos entfernen zu können. „Meistens geht das dann mit einem milden Gel weg“, berichtet Kurant. Doch bevor das externe Reinigungsunternehmen damit beauftragt wird, sichern die Ermittler vom VGF-Sicherheitsdienst die Beweise. „Das wird gesammelt für den Fall, dass man jemand mal erwischt.“

Die Graffiti sind nicht die einzigen Schäden, mit denen die Fachleute in der für die U4 und U5 zuständigen Werkstatt Heddernheim konfrontiert sind. Kurant klettert in ein Fahrzeug. Er deutet auf die Scheiben: Kratzer rechts, Kratzer links, an der Innenverkleidung Spuren von Edding-Schriftzügen. Selbst der Einsatz scharfer Reinigungsmittel konnte sie nicht komplett entfernen. Früher, sagt der 55-Jährige, war es noch schlimmer: „Die Videoüberwachung schreckt viele dann doch ab.“ Doch dreckige Schuhe auf dem Polster – das finden manche Leute immer noch cool. In einer Ecke der Werkstatt stapeln sich die blau melierten U-Bahn-Sitze. Auf den einen kleben Kaugummis, an den anderen undefinierbare Spuren braunen Schmutzes. Die Teile warten auf den Abtransport in die Sattlerei der Stadtbahnzentralwerkstatt in der Heerstraße. Dort werden sie gereinigt oder neu bezogen.

Auch hier seien die Schäden zurückgegangen, sagt Kurant. Die alten Ledersitze sind so gut wie ausgemustert, die Nachfolger schnittfest, gegen Messerattacken gefeit. Doch es gibt noch andere Angriffsflächen, so dass immer wieder eine oder gleich mehrere der 350 U-Bahnen oder Trams in die Werkstatt müssen. Mal nur wegen eines Edding-Schriftzugs, mal weil selbst die Scheiben mit Farbe beschmiert sind.

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