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Urban Gardening Frankfurter Garten ist insolvent

Dem Urban-Gardening-Projekt auf dem Danziger Platz droht das Aus. Der Trägerverein ist pleite.

Frankfurter Garten
Zu diesen Grüne-Soße-Kräutern aus dem Frankfurter Garten gesellt sich ein dicker Wermutstropfen: Der Verein ist pleite. Foto: peter-juelich.com

Dem Frankfurter Garten droht das Aus. Der Verein ist pleite, die Verantwortlichen haben einen Insolvenzantrag eingereicht. Bis Ende Juni braucht der Träger des Urban-Gardening-Projekts auf dem Danziger Platz laut Rettungsplan 30 000 Euro. Kommt das Geld nicht zusammen, benötigt die Gärtnerschaft einen neuen Projektträger, der mit der Stadt unter Zustimmung der Deutschen Bahn einen Nutzungsvertrag abschließt.

Grund für die Insolvenz sei eine Steuerforderung des Finanzamtes in Höhe von rund 55 000 Euro. Ilona Lohmann-Thomas, seit 2015 Vereinsvorsitzende, sagt, in den ersten drei Jahren habe es der Verein versäumt, eine Steuererklärung zu machen und dies erst im vorigen Jahr nachgeholt. Lohmann-Thomas räumt ein, die Höhe der Forderungen habe sie überrascht: „Mir war nicht bewusst, dass es so ein hoher Betrag ist.“

Das Finanzamt habe im Oktober 2016 das Vereinskonto gesperrt, berichtet Lohmann-Thomas weiter. Versuche, Sponsoren für den Frankfurter Garten zu finden, seien daraufhin gescheitert. Einige Rechnungen habe der Verein nicht mehr bezahlen können, sagt Lohmann-Thomas, etwa die des Getränkelieferanten für die kleine Garten-Gastronomie oder die der freiberuflichen Gärtnerin, die Garten-Workshops angeboten hatte. Wie hoch der Schuldenstand des Vereins insgesamt ist, sagt Lohmann-Thomas nicht.

Wut auf Vereinsführung

„Der Flurfunk spricht sogar von rund 80 000 Euro“, berichtet eine Gärtnerin, die anonym bleiben will. Sie sagt, schuld an der Misere sei die Gastronomie, die der Verein neben dem Garten aufgebaut habe. An eine Rettung glaube sie nicht.

Ein anderer Gärtner, der seinen Namen ebenfalls nicht nennen möchte, betont, er wolle doch nur seine kleinen Beete bewirtschaften. Dazu brauche er nicht viel. Ihm sei unklar, wie der Verein so hohe Schulden habe anhäufen können. Aus seiner Wut auf die Vereinsführung macht er keinen Hehl; an eine Rettung des Vereins glaubt auch er nicht.

Tatsächlich führen die Verantwortlichen des Gartens bereits Gespräche mit anderen Vereinen. Denn wenn die fehlenden 30 000 Euro im Rettungsplan bis Ende Juni nicht zusammenkommen, braucht der Garten einen neuen Träger. Die Deutsche Bahn habe dem neuen Nutzungsvertrag zwischen Verein und Stadt bis Ende 2019 gerade erst zugestimmt, sagt Lohmann-Thomas. Am Danziger Platz entlang will das Unternehmen in einigen Jahren die nordmainische S-Bahn-Trasse bauen lassen.

Seit April 2013 sind die urbanen Gärtner auf dem Platz, und dass es mit dem Frankfurter Garten weitergeht, davon zeigt sich Lohmann-Thomas überzeugt. Sie betont, es gebe einen Rettungsplan für das „größte Urban-Gardening-Projekt in Frankfurt“. Mehrere Veranstaltungen seien in den kommenden Wochen geplant, etwa ein Mädchenflohmarkt am 7. Mai und ein Kinderflohmarkt am 21. Mai. Außerdem hätten sie die Kosten des Gartens nun auf 1000 Euro im Monat reduziert.

Geld, das der Garten beispielsweise für den Bauzaun, der das 2500 Quadratmeter große Areal abgrenzt, benötige, aber auch für die Verwaltung und für die Wartung der Toilettenanlage. Wasser bekomme der Garten weitgehend kostenfrei; eine stetige Stromversorgung gebe es aus Kostengründen nicht mehr. Die Gastronomie sei nur noch am Wochenende geöffnet, berichtet Lohmann-Thomas.

Sie verweist außerdem auf das Spendenkonto des Vereins. Das sei als Treuhandkonto eingerichtet. Sollte der Verein nicht gerettet werden, bekomme jeder den Betrag zurück, den er zur Rettung überwiesen habe.

Infos: www.frankfurter-garten.de

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