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Universitätsklinikum Frankfurt Uniklinik soll Organe zu Unrecht erhalten haben

22 Lebern sollen dem Universitätsklinikum Frankfurt nicht zugestanden haben. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob Ermittlungen eingeleitet werden.

OP
Alles liegt für die Operation im Krankenhaus bereit. Foto: Maurizio Gambarini (dpa)

Das Frankfurter Universitätsklinikum hat 22 Lebern erhalten, die nach dem strengen Vergabesystem der europaweiten Vergabezentrale „Eurotransplant“ eigentlich anderen Patienten zugestanden hätten. Das hat am Freitag Anne-Gret Rinder, die Vorsitzende der Prüfungskommission der Bundesärztekammer für Organspenden, bestätigt. Konkret geht es darum, dass das Leberzentrum der Uniklinik Unterlagen für eine sogenannte Standard Exception, die eine frühzeitige Behandlung ermöglicht, eingereicht hat, die nicht den Richtlinien entsprachen. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob Ermittlungen eingeleitet werden.

Vor fast genau einem Jahr, am 13. Dezember 2017, sah sich die Prüfungskommission im Frankfurter Leberzentrum um. Der Besuch kam nicht überraschend, sondern war eine Woche zuvor angekündigt worden, wie dem am Donnerstag vorgelegten Jahresbericht 2017/2018 der Kommission zu entnehmen ist. Außer den Mitgliedern der Kommission war auch ein Vertreter des hessischen Sozialministeriums anwesend.

In den Jahren 2012 bis 2015 waren im Zentrum 100 Lebertransplantationen vorgenommen worden. Bei der Überprüfung von etwa einem Drittel der Fälle fielen der Kommission die Auswahlkriterien für die beschleunigten Vermittlungsverfahren auf. Daraufhin wurden weitere 28 Patienten überprüft – und wieder wurden Verstöße gegen die Richtlinien für ein beschleunigtes Vermittlungsverfahren festgestellt.

Wie Anne-Gret Rinder im Gespräch mit der FR erläuterte, kann etwa eine Krebserkrankung die Wartezeit auf ein gesundes Organ verkürzen. Allerdings muss der Tumor eindeutig nachgewiesen sein und darf eine bestimmte Größe nicht unter- oder überschreiten. So wurde etwa bei einem Patienten ein Tumor von sieben Millimetern entdeckt. Erst ab einer Größe von einem Zentimeter aber hätten die Ärzte eine Standard Exception beantragen dürfen, ist dem Jahresbericht zu entnehmen.

Dem Universitätsklinikum sind die Vorwürfe der Prüfungskommission seit längerem bekannt. In einem Schreiben vom 31. August dieses Jahres an die Kommission legte das Klinikum seine Sicht der Dinge dar. Das Ergebnis: In drei der gerügten Fälle wurde eine Standard Exception im Nachhinein anerkannt. Es bleibe bei der Schlussfolgerung, dass das Klinikum „in erheblichem Umfang“ gegen die für die Lebertransplantation bestehenden Richtlinien verstoßen habe. Die Voraussetzungen, unter denen eine Standard Exception „zulässigerweise und richtlinienkonform“ beantragt werden könne, seien „nicht beachtet und eingehalten“ worden.

Angesichts der Vielzahl der Verstöße geht die Kommission davon aus, dass es sich nicht um ein „gelegentliches Versehen“, sondern um ein „bewusstes Nichtbeachten“ der Richtlinien gehandelt habe. „Inwieweit hierbei in einzelnen Fällen auch ein falsches Verständnis der Richtlinien“ eine Rolle gespielt haben mag, vermochte die Kommission „nicht abschließend“ zu klären.

Die Kommission geht davon aus, dass die dargestellten Verstöße „in Zukunft nicht mehr auftreten“, da es am Universitätsklinikum „strukturelle Verbesserungsmaßnahmen“ gegeben habe.

Das Frankfurter Universitätsklinikum war am Freitag zu keiner weiteren Stellungnahme bereit. Es wollte nicht einmal die Frage nach der aktuellen Zahl der Lebertransplantationen beantworten. Am Donnerstag war erklärt worden, man habe sich „in allen Fällen immer richtlinienkonform“ verhalten. Das Klinikum strebe eine „vollständige Transparenz“ des Sachverhalts an und werde mit den zuständigen Behörden „vollumfänglich“ kooperieren.

Der Frankfurter Staatsanwaltschaft liegt der 227 Seiten lange Jahresbericht vor. Wie Pressesprecherin Nadja Niesen auf Anfrage erklärte, werde man prüfen, ob ein Anfangsverdacht für eine strafbare Handlung vorliege. „Nur dann werden wir Ermittlungen einleiten.“ Wie viel Zeit die Staatsanwaltschaft benötigt, konnte Niesen nicht sagen.

Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation in Frankfurt stehen derzeit bundesweit fast 1100 Patienten auf der Warteliste für eine Lebertransplantation. Die Bereitschaft zur Organspende hat, wie die Zahlen der Stiftung zeigen, im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr bei allen Organen wieder deutlich zugenommen: Während 2017 nur 674 Lebern gespendet wurden, waren es bis Ende Juni bereits 402.

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