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Uniklinikum Frankfurt Freifahrten gefordert

Auf einer Protestaktion fordern 250 Teilnehmer, das Hessen-Ticket für alle Mitarbeiter einzuführen. Bislang können nur die Ärztinnen und Ärzte kostenlos Bahn fahren.

Demonstranten forder das Hessenticket
Pfiffig: Protestaktion am Uniklinikum, damit alle Bediensteten das Hessenticket bekommen. Foto: Michael Schick

Vera Brandt hat es schon, Kerstin Petri und Sabine Deptallla hätten es gern – das Hessenticket, das landesweit die kostenlose Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel ermöglicht. Am Montag stehen die drei Frauen um 14.30 Uhr mit einem selbstgebastelten Plakat zusammen mit rund 250 Beschäftigten des Universitätsklinikums vor dem Haupteingang und lassen ihrem Ärger über die Ungleichbehandlung kräftig und unüberhörbar Luft. Die Gewerkschaft Verdi hat Trillerpfeifen verteilt, mit denen die Demonstranten einen ohrenbetäubenden Lärm erzeugen.

Seit dem 1. Januar gilt für Landesbedienstete die sogenannte Freifahrtberechtigung. Und seit dem 1. April können auch die Ärztinnen und Ärzte des Klinikum kostenlos unterwegs sein. Von den rund 5000 Beschäftigten werden – einschließlich Forschung und Lehre – 2000 als Landesbedienstete geführt. Für die anderen 3000 ist ein Haustarifvertrag ausschlaggebend, der sich an dem Tarifvertrag der Länder orientiert, und der kennt nun mal kein Hessenticket.

Vera Brandt hat Glück gehabt. Sie arbeitet im sogenannten „Dokumentarium“ des Klinikums. Aus „Solidarität“ steht sie zusammen mit den beiden anderen Frauen vor dem Haupteingang. Entweder alle oder gar nicht, meint sie. Kerstin Petri könnte das Hessen-Ticket „gut gebrauchen“. Das Auto würde sie sofort stehen lassen. Derzeit zahlt sie 124 Euro für ihren Parkplatz am Uniklinikum. Da sie derzeit sowieso „mehr oder weniger nur noch im Stau“ stehe, sei ihr Nervenkostüm angeschlagen. Wenn sie mit dem Zug aus ihrer Heimatstadt Hanau käme, könnte sie noch „ein wenig dösen“.

Auch für die Umwelt wäre es gut, wenn sie das Auto stehen ließe: Schließlich fahre sie noch mit „einem dreckigen Diesel“. Die Frankfurterin Sabine Deptalla nutzt bereits den öffentlichen Personennahverkehr. Wenn sie das Hessen-Ticket hätte, könnte sie sich die knapp 90 Euro für das Monatsticket sparen.

Nur eine gute Viertelstunde dauert die Protestaktion. Krankenschwester Dinah Schramm, die sich sehr für die breite Einführung des Hessentickets engagiert, ist dafür eigens aus der Psychiatrie zum Haupteingang gekommen. Viele Kolleginnen und Kollegen hätten ihr gesagt, sie würden gerne mitkommen, aber dass sie einfach nicht weg könnten, weil die Stationen zu schlecht besetzt seien.

Schramm ist über die Teilnehmerzahl enttäuscht, anders als der Tarifkoordinator von Verdi, Jens Ahäuser. Ihn hat die Zahl der Teilnehmer „überrascht“. Ahäuser fordert Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) auf, der Klinikleitung ein Signal zu geben, dass sie das Hessenticket für alle Beschäftigten übernimmt. Die Verhandlungen können aber erst im Herbst beginnen – wenn sich die Laufzeit des gültigen Haustarifvertrags dem Ende zuneigt.

Seitdem Hessen aus der Tarifgemeinschaft der Länder ausgeschieden ist, wurde von Verdi kritisiert, dass dies für die Landesbediensteten von Nachteil sei. Diesmal ist es allerdings umgekehrt.

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