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Uni für Schüler Verstehen, wie die Uni tickt

Goethe-Universität bietet als erste deutsche Hochschule bundesweiten Schülercampus an. 80 Oberstufenschüler durchlaufen eine Woche lang ein breitgefächertes Programm. Die Uni Frankfurt will so Schülern falsche Vorstellungen vom Studentenleben nehmen.

05.07.2012 20:33
Von Astrid Ludwig
Schüler im Labor des Biologicums: Neele Kretschmer, Friederike Kuhl und David Jansen. Foto: Ch.Boeckheler

Der 17-jährige Jakob Reinhold ist aus der Nähe von Oldenburg nach Frankfurt gekommen. Sein Berufswunsch ist noch nicht ganz konkret, aber er weiß schon , dass er ein Fach studieren möchte, das Gesellschafts- und Wirtschaftsthemen verbindet. Seine Eltern stammen aus Polen, er selbst hat als Schüler bereits ein Austauschjahr in Indien verbracht. „Die verschiedenen Kulturen interessieren mich. Ich will auf jeden Fall später mal im Ausland arbeiten“, sagt Jakob.

Oftmals falsche Vorstellungen

Der 17-Jährige nimmt für eine Woche am geistes- und naturwissenschaftlichen Workshop-Programm der Goethe-Universität teil. Es ist der erste bundesweite Schülercampus, den die Frankfurter Universität oder überhaupt eine deutsche Hochschule veranstaltet. An die 300 Oberstufenschüler hatten sich dafür aus Schleswig-Holstein über Bayern bis Berlin und Brandenburg beworben. 80 wurden ausgewählt und können nun eine Woche lang in die Labore hineinschnuppern, Exkursionen unternehmen, Vorträgen lauschen und mit Studenten und Professoren diskutieren. Schwerpunkt sind die Geistes- und die Naturwissenschaften.

Die Goethe-Uni will mit dem neuen Programm bundesweit Schüler auf sich aufmerksam machen. Bisher kommen noch immer zwei Drittel ihrer Studenten aus der Region und Hessen. Ein Trend übrigens an fast allen deutschen Hochschulen, den nur Freiburg, Tübingen und Heidelberg durchbrechen, sagt Uni-Referentin Ulrike Jaspers. Der Hochschule geht es aber auch darum, „dass Schüler rechtzeitig verstehen, wie eine Uni tickt“, sagt Vize-Präsident Manfred Schubert-Zsilavecz, zuständig für Studium und Lehre. „Oftmals beginnen sie mit völlig falschen Vorstellungen das Studium.“ Der Schülercampus sei ein Pilotprojekt, mit dem die Uni dokumentieren wolle, dass ihr die Lehre und der richtige Start ins Studium wichtig seien.

Benjamin Gilde, Organisator des Schülercampus-Projektes, hat ein Programm zusammengestellt, das möglichst breit gefächert und interdisziplinär ist. Bei den Workshops geht es beispielsweise um Lyrik, Tafelbilder aus dem 16. Jahrhundert, Menschenrechte und Demokratie, den Blick nach Ostasien, Wechselwirkungen zwischen Religion und Politik, Roboter-Fußball, Elementarteilchen im Labor, Umweltgifte oder auch die Forschung an der Grenze zwischen Chemie und Biologie. Die Schüler erleben je nach Wahl den Campus Westend oder Riedberg. Besonders gefragt, sagt Gilde, waren philosophische Themen.

Gespräche mit Studenten

Gabriele Iwanowa, 16 Jahre alt, hat sich für eben die Philosophie entschieden. Sie stammt aus Bayern und ist „sehr zufrieden mit dem Programm“, das ihr in Frankfurt geboten wird. „Ich konnte mir vorher unter den Geisteswissenschaften gar nicht so viel vorstellen“, sagt sie. Besonders hilfreich findet sie direkte Gespräche mit Studenten. Unter anderem begleiten vier Kommilitonen die Schülergruppe während der Woche. Katharina Beck, Schülerin aus Frankfurt, interessiert sich für Chemie und Biochemie und ist in ihrer Begeisterung kaum zu bremsen . „Man lernt viel kennen. Es ist total spannend“, sagt sie.

2013 soll das Projekt wiederholt werden. Vielleicht mit einem nicht ganz so dichten Ablauf. „Das Programm ist sehr straff, sehr anstrengend“, findet Jakob.

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