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Uni Frankfurt Neue Nachbarschaft Philosophicum

150 Frankfurter wollen in einen alten Kastenbau der Universität ziehen. Während die Eigentümerin ABG noch immer über den Abriss des Philosophicum nachdenkt, haben die Umzugswilligen schon Pläne für Wohnungen, WGs und Studentenbuden.

Einst vollgestopfte Lernfabrik, heute leerstehender Zankapfel: das Philosophicum. Foto: Rolf Oeser

Die Bockenheimer „Gruppe Philosophicum“ trumpft auf. „Wir werden auf dem Kulturcampus die Ersten sein“, lautete die Prognose der Initiative am Donnerstag bei einem Pressetermin mit Blick auf die Wohnbörse der Genossenschaften im Römer am Samstag, 27. Oktober. Dagegen rechne man für die Entwicklung des übrigen Universitätsgeländes „eher mit einer Hängepartie“.

150 Frankfurter, die meisten aus dem Stadtteil, wollen in das leerstehende Institutsgebäude von 1960 einziehen. Geplant sind Familienwohnungen, Wohngemeinschaften, Studentenzimmer, ganz oben Atelier-Wohnungen. Die Initiative will (als GmbH oder Genossenschaft) selber zum Bauherrn werden, möglichst schon nächstes Jahr. Nach ersten Begutachtungen der baulichen Substanz sei diese als „erstaunlich gut“ einzuschätzen. Auch sei das Projekt finanzierbar: „Der Finanzierungsplan fußt auf anerkannten Gutachten und ist auch ohne Sonder-Subventionen ökonomischer als ein langer und teurer Abriss mit Neubau“, sind die Aktiven überzeugt.

Freilich ist immer noch unklar, wie hoch die Stadt die Erbpacht ansetzt und welche Kosten für den „Restgebäudewert“ anfallen. Denn die Grundstückseigentümerin ABG Holding hat für den denkmalgeschützten Riegel den Abriss geplant. Und das Landesdenkmalamt macht seine Entscheidung zur Zukunft des von Ferdinand Kramer entworfenen Hochhauses von einem nachvollziehbaren Nutzungskonzept abhängig.

Dieses hat die Gruppe Philosophicum unter dem Titel „Revitalisierung eines Baudenkmals“ ausgearbeitet. Für die Sprecherinnen Anne Lamberjohann (Genossenschaft Wohngeno) und Anette Mönich (Initiative Zukunft Bockenheim) ist oberstes Gebot: „Menschen, die sich aus Kostengründen auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt nicht versorgen können, sollen hier eine Wohnung finden.“ Eine Hälfte der über 5000 Quadratmeter Wohnfläche im Philosophicum soll „als gefördertes Wohnen entstehen“.

Für die andere Hälfte des Raums lautet das Modell: Betuchtere Bewohner tragen höhere Kosten, damit auch weniger gut gestellte Bewohner einziehen können. „Es sind etliche Leute dabei“, sagte Anne Lamberjohann, „die bereit sind, mehr Mittel einzubringen – um so wohnen zu können“. Nämlich „nicht anonym, sondern gemeinschaftlich, mit Ressourcen für gegenseitige Hilfe und Nachbarschaft“, sagt der Soziologiestudent David Morgen, der ebenfalls einziehen will. Schon die Einstandssumme (1500 Euro) könne man auch in Raten zu zehn Euro pro Monat überweisen: „Wir wollen da sein, auch für andere.“

Das drückt sich auch im Plan aus, im Erdgeschoss eine Kindertagesstätte zu eröffnen, die die Uni-Kita betreiben würde. Außerdem soll Platz sein für ein Quartiersbüro, eine Kantine und ein Waschhaus. Im ersten Stock soll ein Gästehaus einziehen – für Besucher oder für Menschen, die als Arbeitsnomaden befristet in Frankfurt leben. Auch der Verein „Komm“ will ins Philosophicum und dort „ambulante Dienste“ anbieten. Man könne „aber auch unsere Sozialstation ansiedeln“.

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