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Uni Frankfurt Gefälschte Straßennamen bei Google

Auf dem Campus Westend werden Plätze und Straßen offiziell umbenannt. Bei Google Maps haben sich Fehler eingeschlichen - vermutlich ein Protest von Studenten.

02.02.2015 16:35
Milan Jaeger, Martín Steinhagen
Virtuelle Umbenennung aus Protest? Foto: Screenshot Google Maps

Eine „Allee zur überteuerten Mensa“ wird es auf dem Universitätscampus sicher nicht geben. Auf Google Maps ist sie am Montag trotzdem verzeichnet. Bei der Aktion handelt es sich vermutlich um studentischen Protest - „Kommunikations-Guerilla“ nennen das die Fachleute. Am Mittwoch um 11 Uhr laden Stadt, Uni und Ortsbeirat nämlich zu einer Feierstunde. Da wollen sie auf dem Campus die neuen Straßenschilder des Norbert-Wollheim-Platzes, der Max-Horkheimer-Straße und des Theodor-W.-Adorno-Platzes enthüllen.

Nach langer Auseinandersetzung hatte sich die Uni im September mit dem Ortsbeirat darauf geeinigt, dass eine Straße und zwei Plätze neue Namen erhalten. Künftig führen Institute im IG-Farben-Haus Norbert Wollheim statt des Grüneburgplatzes im Briefkopf. Die meisten Gebäude auf dem Campus, darunter auch Präsidium und Zentralverwaltung, sitzen aber am Theodor-W.-Adorno-Platz. An der Max-Horkheimer-Straße ist etwa das Exzellenzcluster „Normative Ordnungen“ zu finden. Der Asta kritisiert, dass der Norbert-Wollheim-Platz 1 nicht zur offiziellen Postadresse der Uni werde, das sei Teil der Forderung gewesen.

Google kontrolliert nach

Vermutlich aus Protest dagegen haben Unbekannte auf Google Maps kurzerhand selbst neue Namen vergeben. Der Norbert-Wollheim-Platz ist auf der Webseite am Montag auf dem Zentrum des Universitätsgeländes eingezeichnet – dort wo der neue Adorno-Platz ist. Auch einen „Platz des 8. Mai 1945“ und eine „Straße der Autobahnbesetzung“ - wohl eine Anspielung auf die Studiengebühren-Proteste - sind auf der Karte zu finden.

Die Namen könnten über die Funktion „Fehler melden“ oder den „Map Maker“ eingetragen worden sein. Änderungen neuer Nutzer würden aber kontrolliert, erklärt Google Deutschland. „Google wird die Namen einer erneuten Überprüfung unterziehen“, sagt eine Sprecherin. Die Universität ist mit dem Unternehmen bereits in Kontakt.

Denkmal muss noch umziehen

Wann das Adorno-Denkmal aus Bockenheim auf den Campus ziehen wird, ist weiter unklar, sagt Uni-Sprecher Olaf Kaltenborn. „Wir prüfen das noch.“ Demnach sind die unterirdischen Versorgungsleitungen für die Beleuchtung des Kunstwerks das Problem. Die Sprecherin des Kulturdezernats, Kirsten Grote-Bär, erklärt: „Unter dem Denkmal ist eine Kammer.“ Für den Umzug seien deshalb Grabungsarbeiten nötig. Außerdem sei das Kunstwerk mit einem speziellen Schutzglas versehen. Das verkompliziere den Abtransport, weil das Denkmal nicht einfach angehoben und weggefahren werden könne. „Das muss ausgegraben und auseinander gebaut werden“, sagt sie. Auch der Künstler, Vadim Zakharov, ist einbezogen.

Die Forderung, den Grüneburgplatz nach Wollheim zu benennen, ist mehr als zehn Jahre alt. Der Name soll stellvertretend an die Menschen erinnern, die für die IG Farben in der Nähe von Auschwitz Zwangsarbeit leisten mussten. Norbert Wollheim hatte den Chemiekonzern, der einst das heutige Universitätsgebäude nutzte, nach Kriegsende verklagt. Universität und Stadt hatten sich aber gegen eine Umbenennung ausgesprochen, was zum Streit zwischen Initiativen, Ortsbeirat und Universität führte. Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU) ist zufrieden, dass „die Diskussion nun zu einem guten Ende gekommen ist“.

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