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Unhygienische Zustände Putztruppe im Frankfurter Hauptbahnhof

Nach massiven Beschwerden über unhygienische Zustände schickt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig eine Putzkolonne an den Hauptbahnhof. Eigentlich ist dort die Deutsche Bahn zuständig.

Mit Hochdruck und Hitze, aber ohne Chemie: FES beim Putzen einer Bahnhofstreppe. Foto: Christoph Boeckheler

Mittwoch, 9 Uhr, Frankfurt Hauptbahnhof: Es stinkt. Barbarisch. Nach Urin. Das ist jetzt nicht unbedingt neu, leider. Am Hauptbahnhof stinkt es immer nach Urin. Genau deshalb sind die Leute in den orangefarbenen Overalls ja heute unterwegs.

Der Mittwoch ist „Aktionstag“ am Bahnhof, eine gemeinsame Anstrengung der Frankfurter Entsorgungs- und Service-GmbH (FES) und der eigentlich zuständigen Deutschen Bahn (DB), um mal eine Grundsauberkeit reinzukriegen. Angezettelt hat das Ganze die Umweltdezernentin. „Wir haben zuletzt viele berechtigte Beschwerden von Reisenden über unhygienische Zustände, vor allem an den Zugängen zur B-Ebene, erhalten“, berichtet Rosemarie Heilig (Grüne). Kein gutes Aushängeschild für die Stadt. Daher: „Ich möchte jetzt ein Ausrufezeichen setzen.“ Der Aktionstag soll „Bewegung in die Sache bringen, damit wir gemeinsam mit der Deutschen Bahn AG und der VGF eine dauerhafte Wende zum Besseren erreichen“.

Das dauert seine Zeit, und so stinkt es um 9 Uhr stellenweise immer noch, zwei Stunden nach Beginn der großen Säuberung. Am Treppenaufgang vor dem Hauptportal des Bahnhofs strahlt die FES gerade mit dem Hochdruckreiniger die Stufen sauber. „Das müsste eigentlich täglich gemacht werden“, sagt einer der Männer. Wird es nicht? „Dann würd’s hier nicht so aussehen.“

Dazu muss man wissen: Die FES ist nicht für den Hauptbahnhof zuständig, der gehört zum Hoheitsgebiet der Bahn. Dass die vier FES-Männer mit zwei Reinigungsgeräten heute hier sind, ist praktisch Entwicklungshilfe aus ihrer Sicht. Dort, die Rinne am Treppenfuß zum Beispiel: „Da sind Flaschen drin, da sind Spritzen drin, da ist Schlamm drin – das muss gründlich ausgeräumt werden, das hat ja sonst keinen Sinn.“ Und immer wieder das Urteil über langzeitverdreckte Böden: „Das würde es bei uns nicht geben.“ Also an der Hauptwache.

Geld für mehr Sauberkeit

Ihre Namen sagen die Saubermänner lieber nicht. „Muss nicht sein. Das gibt nur Ärger.“ Mit den Kollegen von der Bahn womöglich. Obwohl – die sind da gar nicht so. Am Kaisersack machen sie gerade die Rolltreppe blitzeblank. Der FES-Kritik, hier würde zu selten geputzt, stimmen sie zu.

Und woran liegt es? Da endet die Auskunftsfreude. Das Gerät, mit dem die DB-Leute die Rolltreppe bearbeiten, heißt Columbus. Es kann Wasser speichern und mit Bürsten tief in die Rillen schrubben; der Unterschied vorher/nachher ist immens. Zumal die Rolltreppe mindestens drei Monate stillstand, erzählt einer aus der Gruppe, und extra für diesen Tag wieder mobil gemacht wurde. Außen herum stehen Männer mit Bierflaschen, wechselt Zigarettenpapier den Besitzer,, werden offenbar Geschäfte gemacht („Pssst! Tssst!“) mit Waren, die nur allzu kurz glücklich machen.

Wie gesagt: Dass es dreckig ist am Hauptbahnhof, hat sich herumgesprochen. Deshalb will Dezernentin Heilig fast den gesamten noch freien Etat der Stabsstelle Sauberes Frankfurt dort einsetzen. Andere Pendlerschwerpunkte (Haupt-, Konstablerwache, Willy-Brandt-Platz) reinigt die FES jeden Morgen nass – und das erwartet Stadträtin Heilig auch „von den Sauberkeitspartnern Deutsche Bahn und VGF“ für den Hauptbahnhof. Nach offiziellen Angaben bekommt er jede Nacht eine komplette Grundreinigung. „Wir nehmen Sauberkeit und Sicherheit im Bereich unserer Anlagen sehr ernst“, betont Klaus Vornhusen, der Konzernbevollmächtigte der Bahn für Hessen. Mancherorts sammele sich freilich Müll, „für den niemand so richtig zuständig sein will“, schildert Heilig. Die Stabsstelle appelliert an die Verantwortung der Eigentümer – und der Verursacher.

Das gilt auch für den improvisierten Fernbusbahnhof an der Bahnhofs-Südflanke. Dafür will die FES ein Konzept vorlegen und das Straßenverkehrsamt mit dem größtem Betreiber Flixbus sprechen: Er soll sich an den Kosten beteiligen. Künftige Busunternehmen soll das Regierungspräsidium zur Abfallbeseitigung verpflichten. „Hier muss selbstverständlich das Verursacherprinzip gelten“, sagt Heilig: „So wie die Bahn die Abfälle der Reisenden im Bahnhof beseitigt, sind auch die Fernbusgesellschaften für ihre Abfälle in der Pflicht.“

Mittags sieht es schon besser aus am Bahnhof. „Die Leute haben sich bei uns bedankt“, sagt einer der orangen Männer, „dass es hier jetzt besser riecht.“

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