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Unfall in Frankfurt Tödlicher Sturz ohne Helm

Nach dem tödlichen Unfall eine Radfahrers in Frankfurt wird die Diskussion über das Tragen eines Kopfschutzes wieder lauter.

Fahrradfahrer
Die meisten Radfahrer in Frankfurt sind wie hier auf der Bockenheimer Landstraße ohne Helm unterwegs. Foto: Rolf Oeser

Viel tragischer kann ein Unfall mit dem Fahrrad kaum verlaufen. Ein Vater ist mit seinem Sprößling auf dem Rennrad unterwegs. Der 43-Jährige verliert die Kontrolle über das Rad und stürzt so unglücklich, dass er an den Folgen verstirbt. Der Achtjährige bleibt nach Polizeiangaben „bis auf ein paar Kratzer“ unverletzt. So geschehen am Sonntag in Frankfurt-Oberrad.

Der Radfahrer hat rein objektiv betrachtet gleich mehrere Fehler begangen. Zum einen hat er seinen immerhin schon acht Jahre alten Sohn auf der Längsstange mitgenommen. Verkehrsexperte Bertram Giebeler vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) aus Frankfurt sieht darin einen möglichen Grund für den Unfall. „Das ist nicht zu empfehlen, man hat ein massives Instabilitätsproblem.“ Der zweite Fehler des Vaters war, zunächst auf dem Bürgersteig zu fahren und dann auf die Fahrbahn zu wechseln. Ein Manöver, das schon ohne Beifahrer Risiken bergen kann. Für den meisten Diskussionsstoff bei diesem Unfall sorgt allerdings die Tatsache, dass der tödlich verunglückte Vater keinen Helm trug, der unverletzt gebliebene Sohnemann aber wohl.

ADFC lehnt Helmpflicht ab

Zum genauen Unfallhergang macht die Polizei noch keine Angaben. „Der Vater ist wohl auch auf den Kopf gefallen, aber wir können noch nicht sagen, ob das die tödliche Ursache war“, so eine Polizeisprecherin. Der ADFC hat zum Thema Fahrradhelm eine klare Position. „Wir empfehlen den Leuten das Tragen eines Helms, aber eine Helmpflicht lehnen wir ab“, sagt Giebeler.

Der Grund dafür ist ein ganz praktischer: Denn in Ländern wie Spanien und Australien, wo es mittlerweile eine Helmpflicht gibt, sei der Anteil der Fahrradfahrer aufgrund dieses Gebots drastisch zurückgegangen, so Giebeler. Das ist nun nicht im Sinne des ADFC. Giebeler warnt auch davor, Radfahrer immer nur im Kontext Gefahr zu sehen. „Genauso gut könnten wir eine Helmpflicht für Autofahrer fordern, denn auch bei tödlichen Autounfällen ist häufig der Kopf betroffen.“ Grundsätzlich ratsam hält der Verkehrsexperte einen Helm für alle Radler, deren körperliche Koordination noch nicht oder nicht mehr voll entwickelt ist, sprich, für Kinder und Senioren.

Das Radfahrbüro des Frankfurter Verkehrsdezernats geht in seiner Empfehlung weiter. „Auch wenn ein Fahrradhelm die Entstehung von Unfällen nicht verhindern kann, raten wir zum Tragen von Helmen, denn immerhin können die Unfallfolgen gemildert werden“, heißt es auf der Homepage. Verlinkt ist dabei ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2014. Demnach haben Radler kein Mitverschulden an einem schweren Unfall, nur weil sie keinen Helm getragen haben. Geklagt hatte eine Frau, die von der Haftpflichtversicherung eines unfallverursachenden Autofahrers 20 Prozent weniger Schadenersatz erhalten sollte, da sie bei der entstanden Schädel-Hirn-Verletzung keinen Helm getragen hatte.

Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) hat zum Thema Helmpflicht eine dezidierte Meinung. „Schwere Kopfverletzungen werden mit Helm reduziert“, sagt UDV-Leiter Siegfried Brockmann. Allerdings sei es sehr schwer nachzuweisen, wie groß der Effekt ist. Zahlen etwa, wie sie die Unfallkasse Hessen auf ihrer Homepage hat, wonach der Helm das Risiko schwerer Kopfverletzungen um 80 Prozent mindere, hält Brockmann schlichtweg für „falsch“. Im Hinblick darauf, dass es sich bei der Helmpflicht um einen beachtlichen Eingriff in die Grundrechte handeln würde, betont Brockmann: „In Deutschland gibt es keine Studie, die eine Helmpflicht begründen könnte.“ Ausländische Studie dazu hält er für „unsauber“ oder nicht auf Deutschland übertragbar.

In der Statistik wird der Unfall vom Sonntag als „Alleinunfall“ auftauchen, wie auch zwei der drei tödlichen Unfälle in Frankfurt 2016 ohne Fremdverschulden zustande kamen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Radfahren in Frankfurt und Rhein-Main

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