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Umweltverschmutzung Dicke Luft vor den Schulen

Überall in Frankfurt werden Grenzwerte überschritten. Greenpeace fordert nach Messungen sofortige Fahrverbote für Dieselautos und langfristig eine Verkehrswende.

Luftverschmutzung
Da kommt selten Gutes raus. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

Die Luft vor Frankfurter Schulen ist so schlecht wie fast nirgends in Deutschland. Das hat eine Testreihe der Umweltschutzorganisation Greenpeace ergeben, die am heutigen Mittwoch veröffentlicht wird und der FR bereits vorliegt. Nur Düsseldorf hatte bei den Abgasmessungen eine ebenso verheerende Bilanz. Von den 20 Frankfurter Schulen, die Greenpeace im Februar testete, blieb nur eine einzige unter dem gesetzlichen Grenzwert – und die steht in Oberursel.

Zwei Wochen lang lagen die Prüfer auf der Lauer, um den Gehalt des Reizgases Stickstoffdioxid (NO2) zu messen, das vorwiegend von Dieselfahrzeugen ausgestoßen wird. Im vorigen Jahr hatten sie im Frankfurter Straßenraum deutlich erhöhte Werte registriert. Diesmal ging es ihnen um die Belastung der Schulen, denn: „Kinder sind durch NO2 besonders gefährdet“, sagt Greenpeace-Verkehrsexperte Daniel Moser. NO2 aus der Gruppe der Stickoxide verursache unter anderem Asthma und beeinträchtige das Lungenwachstum.

Resultat der Messungen: In 19 der 20 Fälle wurde der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter überschritten – am deutlichsten vor der Weißfrauenschule im Bahnhofsviertel (71,1 Mikrogramm, bundesweit zweithöchster Wert), der Alois-Eckert-Schule in Bonames (66,15) und der Erasmus-Schule im Westend (58,55). Nur die Frankfurt International School im Vordertaunus blieb unter dem Limit (22,7 Mikrogramm).

„Frankfurt ist die zweitschlimmste Stadt in der Testreihe“, sagt Moser. Es sei alarmierend, dass in einem so kurzen Zeitraum die Grenzwerte bereits so deutlich überschritten worden seien. Laut Umweltbundesamt dürfen die 40 Mikrogramm im Durchschnitt eines Jahres insgesamt nicht überschritten werden. Das heißt, die Frankfurter Werte müssten im Rest des Jahres deutlich unter den Greenpeace-Ergebnissen liegen, um den Durchschnitt unters Limit zu senken. Moser: „Und das ist ganz sicher nicht der Fall.“

Blaue Umweltplakette nötig

Verursacher des Gifts seien Dieselfahrzeuge, durchaus auch aktuelle Automodelle mit unzureichender Abgasreinigung. Greenpeace fordert kurzfristig Fahrverbote in der Nähe der Schulen und mittelfristig die Blaue Umweltplakette, die Dieselfahrzeuge mit alter Technik fernhält. „Die Bürgermeister sollen sich für bessere Luft einsetzen“, sagt Moser. Fernziel sei eine Verkehrspolitik, die Menschen Vorrang vor Autos gebe.

Das wäre ganz im Sinne des Frankfurter Umweltdezernats. „Das Problem ist bekannt“, sagt Janina Steinkrüger, Referentin im Büro der Stadträtin Rosemarie Heilig (Grüne). „Wir unterstützen die Blaue Plakette auf Bundesebene – als Kommune gibt es für uns aber keine Handhabe.“

Das ist auch die Position des Verkehrsdezernats. „Die Stadt kann das nicht leisten – da sind Bund und EU gefordert“, sagte Stadtrat Klaus Oesterling (SPD) zum bis dato jüngsten Greenpeace-Vorstoß im Oktober. Berlin und Brüssel müssten der Autoindustrie besser auf die Finger schauen; die EU erlaube die Produktion von Autos mit zu hohem Schadstoffausstoß, bemängelte der Sozialdemokrat, „und die Verantwortung wird nach unten abgewälzt“.

Da ist er einig mit Greenpeace-Mann Moser. „Dieselabgase bedrohen die Gesundheit von Zehntausenden von Stadtbewohnern“, sagt er. Rasche Besserung gebe es nur mit der Blauen Plakette. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) dürfe deren Einführung „nicht länger blockieren“. Die Deutsche Umwelthilfe hat in diesem Zusammenhang bereits mehrere Gerichtsverfahren gegen das Land Hessen gewonnen, das laut Urteil Luftreinhaltepläne aufstellen muss.

Die Leiter der am ärgsten betroffenen Schulen im Bahnhofsviertel und in Bonames äußerten sich auf FR-Anfrage nicht zu den Messwerten.

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