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Umweltschutz und Nachhaltigkeit Ein Leben ohne Verpackungsmüll

Die Frankfurterin Beate Siegler macht vor, wie ein Leben ohne Müll gelingen kann. Bereits seit zwei Jahren lebt sie, ohne Verpackungsmüll zu produzieren, und träumt von der Eröffnung eines eigenen Unverpackt-Ladens.

Beate Siegler
Beate Siegler mit ihrem Kompost, Verpackungsmüll und Restmüll (v. l.) aus dem Mai. Foto: peter-juelich.com

Man kann nichts verändern, ohne etwas zu verändern“, entgegnet Beate Siegler jenen, die etwas bewirken wollen, sich aber vor einer Umstellung scheuen. Die Heddernheimerin selbst hat ihr Konsumverhalten umgestellt. Seit zwei Jahren kauft sie ein, ohne Verpackungsmüll nach Hause zu tragen. Wie das mit ein wenig Verzicht und Kreativität gelingen und den Alltag sogar erleichtern kann, erklärt sie am Samstag in einem kostenfreien Workshop in Heddernheim.

Beate Sieglers Ziel ist es, auch andere Heddernheimer für ihren Lebensstil zu begeistern und eines Tages einen Unverpackt-Laden im Stadtteil zu eröffnen. „So etwas gibt es in Frankfurt bisher nur in Bornheim“, erklärt sie. Dort kaufe sie ihre Vorräte ein: Mehl, Reis, Nüsse, Müsli. Ein Leben ohne Müll sei aber auch ohne Unverpackt-Laden in der Nähe möglich, „man muss nur erfinderisch sein und Lust am Entwickeln von Problemlösungen haben“, erzählt die 68-jährige Rentnerin.

Einiges lag auf der Hand, nach anderem musste sie suchen: Neben den Wochenmärkten in Heddernheim und an der Konstablerwache, wo sie frisches Obst, Gemüse, Butter, Wurst und Käse direkt in die eigenen Taschen und Dosen abgefüllt bekommt, entdeckte sie nach etwas Recherche die marokkanischen Lebensmittelläden im Bahnhofsviertel für sich. Dort werden ihr auch Vorratsprodukte wie Couscous oder Rosinen unverpackt verkauft.

Wasser und Milch bekommt sie in Glasflaschen im Supermarkt. Außerdem nutzt sie das Netzwerk von Solawi, der Solidarischen Landwirtschaft, und lässt sich regionale Produkte nach Heddernheim liefern. Zu Hause bewahrt sie die Lebensmittel in Einmachgläsern, Blechdosen oder Tonschüsseln auf. „Oft verwerte ich Verpackungen wieder“, sagt sie und öffnet eine alte Cremedose, in der sie heute Bienenwachs aufbewahrt.

Was am Anfang etwas Zeit beansprucht, geht schnell in routinierte Abläufe über und kann später viele Vorteile mit sich bringen. Neben dem ökologischen Aspekt, den Müll in den Meeren und die Plastikverbrennung, die maßgeblich zur Erderwärmung beiträgt, zu reduzieren, lebe man durch gezieltes Einkaufen auch ökonomischer. „Ich habe mit den Markttagen meine festen Einkaufszeiten, das bringt Struktur in den Alltag“, erzählt Siegler. „Dann besorge ich nur das, was ich für eine Woche wirklich brauche, so dass nichts weggeworfen werden muss.“

Putzmittel und Kosmetikprodukte stellt Beate Siegler mit einfachen Hausmitteln selbst her. „Das spart Geld“, sagt die ehemalige Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache. „Und Platz.“ Wenn sie mit den Leuten im Stadtteil spricht, „beklagen sie sich immer zuerst über den überfüllten Hausmüll“, berichtet Siegler. Sie selbst hat die Mülleimer abgeschafft. In ihrer Küche stehen zwei kleine Blumentöpfe auf der Fensterbank, in denen je eine Handvoll Plastik- und Restmüll zu finden ist: Der Abfall von einem ganzen Monat! Siegler greift hinein und zieht einen alten Luftballon und ein Bonbonpapier hervor. „Das ist von den Enkeln. Bei vier kleinen Kindern lässt sich ein kleines bisschen Müll im Haus nicht vermeiden“, erklärt sie. Die Enkel sind auch ein Anreiz für Siegler, umsichtiger und nachhaltiger zu leben. „Ich möchte ihnen eine saubere, plastikfreie Welt hinterlassen.“

Ursprünglich sei sie eher zufällig zum Umweltschutz gekommen. Jedes Jahr zur Faschingszeit fastet sie. „Nur zum Spaß, gläubig bin ich nicht“, erklärt die 68-Jährige. Mal habe sie auf Kaffee, dann auf Süßigkeiten verzichtet. Als sie 2016 überlegte, was sie als Nächstes fasten solle, sei sie im Newsletter der Non-Profit-Organisation BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) auf den Slogan „Fasten Sie Plastik“ gestoßen. „Das hat mir gefallen“, sagt sie und lacht herzlich. Daraufhin habe sie sich die Bücher „Besser Leben ohne Plastik“ und „Fünf Hausmittel, die eine Drogerie ersetzen“ gekauft und ihr Konsumverhalten umgestellt. „Ja, ich musste auch Abstriche machen. Von den Lieblingschips und -bonbons musste ich mich verabschieden, aber es gibt Alternativen.“

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