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Umweltschutz in Frankfurt Böller sorgen in Frankfurt für Feinstaub-Rekord

Das Feuerwerk in der Silvesternacht hat in Frankfurt zu einem Schadstoffrekord geführt, der den Standardwerten der chinesischen Hauptstadt Peking entspricht.

Silvester
Silvester-Feuerwerk in Frankfurt. Foto: Andreas Arnold (dpa)

Abends um 21 Uhr war die Welt noch in Ordnung: In Frankfurt herrschte Vorfreude auf den bevorstehenden Jahreswechsel. Die Belastung durch Feinstaub in der Luft lag an der Messstation in der Friedberger Landstraße bei „gesunden“ 9,5 Mikrogramm pro Kubikmeter, teilte das Umweltdezernent am Dienstag auf Anfrage mit. Traditionell wird das neue Jahr mit einem Feuerwerk begrüßt. Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass Böller und Co für extrem viel Feinstaub sorgen: Eine halbe Stunde nach Mitternacht, um 0.30 Uhr lag der Spitzenwert bei 474,6 Mikrogramm. Das entspricht den Standardwerten der chinesischen Hauptstadt Peking.

Feinstaub kann zu Atemwegsbeschwerden und Herz-Kreislauf-Problemen führen. Seit Jahren gilt ein europaweiter Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Wird dieser Grenzwert im Jahr nicht öfter als 35-mal überschritten, gilt die Belastung durch den Schadstoff als zumutbar.

In Frankfurt gab es im vergangenen Jahr nach Angaben von Rainer Vollweiter aus dem Umweltdezernat „16 Überschreitungstage“. In der Silvesternacht war es mild, trocken und windig. Diese Wetterlage sorgte in ganz Hessen dafür, dass sich der Feinstaub in der Luft nicht lange festsetzen konnte und die Messergebnisse bald wieder in den Keller rutschten: Morgens um neun wurden am ersten Tag des neuen Jahres an der Friedberger Landstraße noch 15 Mikrogramm gemessen, abends um neun warem es 9,0 Mikrogramm, der gleiche Wert wie am Vortag. Alles in allem, sagt Volker Kummer vom Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG), gab es zum Jahreswechsel in Frankfurt also keinen „Überschreitungstag“.

Das Bundesumweltamt hatte empfohlen, auf das Böllern ganz zu verzichten. Einige Städte wie Rothenburg ob der Tauber oder Tübingen hatten in ihrer Altstadt das Böllern untersagt _ wenn auch wohl mehr aus Brandschutzgründen. In Frankfurt durfte in der Sicherheitszone am Main ebenfalls kein Feuerwerk gezündet werden. Zu einem allgemeinen Böllerverbot für Frankfurt „sage ich nichts“, meinte Vollweiter und erklärte: „Das Feinstaubproblem haben wir durch die Umweltzone wirklich in den Griff bekommen.“ Es sei gelungen, „die ganz alten Stinker“ aus der Stadt zu verbannen und eine verjüngte Fahrzeugflotte auf die Straße zu holen. Die Hoffnung aber, dass dadurch auch die Stickoxidbelastung sinke, habe sich nicht erfüllt. „Bei den Stickoxiden gibt es seit Jahren keine Verbesserungen“, bestätigt auch Volker Kummer.

Vollweiter wirft den Herstellern von Dieselautos vor, die europäischen Grenzwerte systematisch zu unterlaufen. Bei Lastwagen und Bussen werde die EU-Norm dagegen eingehalten. Sie verfügten über einen Extratank mit einem Gemisch aus Harnstoff und destilliertem Wasser. Diese sogenannte Adblue-Flüssigkeit wird den Abgasen beigemischt, weil sie das Stickoxid binden kann, sodass es nicht in die Luft gelangt, erläutert Matthias Muncke vom Frankfurter Umweltamt. Seitdem die meisten städtischen Busse den aktuellen EU-Normen entsprechen, werden laut Vollweiter die NO2-Grenzwerte an der Messstation am Bahnhof in Höchst eingehalten.

Der Grenzwert für Stickoxide im Jahresmittel beträgt 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Nicht nur in Frankfurt, auch in anderen hessischen Städten wird er überschritten. „Wir brauchen die blaue Plakette“, fordert Vollweiter als Gegenmaßnahme. Sie würde ein Fahrverbot für viele Dieselautos bedeuten. Frankfurt allein könne die blaue Plakette nicht einführen. Der Gesetzgeber sei gefragt. Er sei gefordert, die Vorgabe der Europäischen Union umzusetzen, dass jeder Mensch ein Recht auf eine gesunde Atemluft hat.

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