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Umweltbildung „Klimabildung muss das 1x1 sein“

Der Verein Umweltlernen weist seit 25 Jahren Schülern den Weg zur Nachhaltigkeit. Gemeinsam entstanden Schulgärten und ein verändertes Bewusstsein.

Verein Umweltlernen
Auch Umweltlernen: Projekt mit jungen Geflüchteten im Westend. Foto: Rolf Oeser )

Manchmal graben sie Kartoffeln aus und kochen was Leckeres. Manchmal machen sie Salat auf dem Biobauernhof. Manchmal keltern sie Äpfel von der Streuobstwiese. Aber heute lernen sie, wie sie mit Papier ein bisschen die Welt retten können.

So geht das jetzt seit 25 Jahren mit dem Verein „Umweltlernen in Frankfurt“. Und sie, die Kinder, sind natürlich immer wieder andere. Das Ziel bleibt dasselbe: „Es geht uns um Bewusstseinsbildung“, sagt Monika Krocke, die seit 20 Jahren im Verein mitarbeitet: „Junge Leute befähigen, sich für Nachhaltigkeit einzusetzen.“ Nicht nur mit Wissensvermittlung, auch mit sozialer Kompetenz: „Wichtig ist der Mut, den Mund aufzumachen.“

In dieser Woche ist der Verein unter anderem in der Wöhlerschule zu Gast mit seiner Lernwerkstatt. „Vom Holz zum Papier“ heißt das Motto, jeden Tag macht sich eine andere Klasse schlau. Aaron, 11, wiegt gerade Holzklötze gegen einen Stapel Din-A-4-Schulhefte auf. Resultat: Aus rund sechs Kilo Holz hat die Fabrik diese 24 Hefte gemacht. Was hat Aaron gelernt? „Man braucht total viel Holz dafür“, sagt er der FR. „Es ist besser, Recyclingpapier zu nehmen.“

Das zeigt auch das Experiment nebenan. Da packen Schülerinnen und Umweltlernen-Mitarbeiterin Kirsten Allendorf zwei „ökologische Rucksäcke“. Einen mit dem Aufwand für ein Schulheft, diesmal Din A 5, aus Rohstoffen produziert (fünf Liter Wasser, die Energie von drei Batterien und 110 Gramm Holz). Den anderen Rucksack mit den Zutaten für ein Recyclingheft, gleiche Größe (ein Fünftel des Wassers, ein Drittel der Energie, eine dünne Rolle Altpapier, kein Holz). „Die Rucksäcke brauchen wir gar nicht erst aufzusetzen, sagen die Mädchen beim Experiment, „das Ergebnis ist eh klar.“

Jutta Ebeling (Grüne), die frühere Frankfurter Umwelt- und Bildungsdezernentin, gab einst den Anstoß zur Gründung des Vereins Umweltlernen. Sie wollte wissen, wie die Stadt ihre Schulen bei Umweltprojekten unterstützen kann. Einer der ersten Ansprechpartner damals war Norbert Rehner, Biologielehrer und Leiter der Wöhlerschule, der schon diverse Pläne verwirklicht hatte: Einen Schulgarten gab es in dem Gymnasium, sogar ein Bienenvolk. Rehner half, das Netzwerk aufzubauen, Inhalte zu kreieren, Exkursionen zu organisieren, denn die Nachfrage war enorm: Von 160 Frankfurter Schulen meldeten Anfang der 90er Jahre 144 zurück: Ja, wir wollen eine kompetente Schaltzentrale für Umweltbildung zwischen Lehrern und Kommune.

Bis heute ist der längst pensionierte Rehner im Vorstand dabei, flankiert von der stellvertretenden Grünflächenamtsleiterin Heike Appel und Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD). „Der Verein Umweltlernen hat in den vergangenen 25 Jahren das Thema Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung mit unglaublichem Engagement an die Frankfurter Schulen gebracht“, resümiert Weber. Inzwischen hätten die meisten Frankfurter Schulen mit dem Verein zu tun: „Beim Energiesparprojekt, beim Schulgartenprojekt, bei den Lernwerkstätten, im Schuljahr der Nachhaltigkeit, beim Bildungsraum Grüngürtel oder in einem anderen Projekt“, freut sich die Stadträtin.

„Das Umweltwissen ist in Deutschland groß“

Eine Voll- und zehn Teilzeit- stellen umfasst das Team. Woran bemessen sich ihre Erfolge? An den vielen Schulgärten, sagt Monika Krocke, auch an „Chill-Plattformen“ zum Ausruhen unter Bäumen. Daran, dass die jährlichen Rennen mit Solarmobilen fester Bestandteil des Physikunterrichts der siebten Klassen seien und Grüngürtel-Exkursionen aus dem Curriculum nicht mehr wegzudenken.

Was bleibt also zu tun? „Das Umweltwissen ist in Deutschland groß“, sagt Krocke. „Wir wissen ja alles – aber wie bekomme ich die Menschen vom Wissen zum Handeln?“ Das sei die Herausforderung. Daher geht der Verein bei den Kindern den entgegengesetzten Weg: erst handeln, dadurch Wissen erwerben. „Klimabildung muss das 1x1 an Schulen werden“, sagt die Biologin. „An der Basis passieren so viele gute Sachen, das muss endlich in der Politik ganz oben ankommen.“ Immerhin: Vom Land gibt’s schon mal neues Geld, mit dem der Verein etwa sein Leuchtturmprojekt „Schuljahr der Nachhaltigkeit“ auf die Sekundarstufe I ausdehnen kann.

Was macht derweil die Basis? Papierschöpfen aus eingeweichter Zeitungspampe mit Farbe. „Die Blau tun wir hierhin“, sagt Farsan, 11, „die Grün dann da“, ergänzt Arno, 11, „und hier die Rot, wenn man will“, erläutert Toray, 10. Dann den Rahmen herausheben, trocknen lassen. Was schreiben sie daheim aufs fertige Recyclingpapier? „Meinen Namen“, sagt Arno. „Was ich gelernt hab’ in der Lernwerkstatt“, sagt Farsan. Hut ab vor der Basis.

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