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Ultraläufer in Frankfurt 161 Kilometer in 29 Stunden

Joe Kelbel aus Frankfurt ist ein Ultraläufer. Jetzt hat er ein Buch über seine härtesten Läufe geschrieben. Es trägt den Titel „100 km für ein Bier“. Denn das Biertrinken ist Kelbels Markenzeichen in der Ultraläuferszene.

Joe Kelbel beim Marokko Ultra Trail. Foto: verlag

Es gibt Menschen, die fahren jedes Wochenende Fußballschauen. Fußballfans eben. Andere gehen jedes Wochenende feiern bis zum Sonntagmorgen. Clubgänger eben. Und dann gibt es Leute, die laufen jedes Wochenende mindestens eine Marathonstrecke, manchmal gar mehr als 100 Kilometer am Stück. Sie nennen sich Ultraläufer. So einer ist Joe Kelbel.

Klingt nach Extremsport. Aber Extremsportler will der 51-Jährige nicht sein. Schließlich trainiere er nicht für seine Wochenendläufe, auch von Ernährungsplänen will er nichts wissen. Während des Interviews trinkt er knapp einen Liter Bier, raucht eine Zigarette und betont: „Ich möchte meinen Spaß haben.“

Eine Ultralaufstrecke ist länger als die Marathondistanz, also länger als 42,2 Kilometer. Kelbel hat mehr als 300 Marathon- und über 120 Ultraläufe hinter sich. Nun hat der Frankfurter ein Buch beim Mainbook-Verlag veröffentlicht, in dem er von seinen 16 härtesten Läufen berichtet. 235 Kilometer durch Kambodscha, 165 Kilometer durch den Oman, 100 Kilometer durch die Schweiz – oft geht es in Kelbels Texten zu den Laufevents auch um das Drumherum, um Menschen am Streckenrand, um geschichtsträchtige Orte, um Flora und Fauna.

Biertrinken als Markenzeichen

Und um Bier, wie schon der Buchtitel („100 km für ein Bier“) verrät. Ein Auszug: „Über uns Lichtblitze, zunächst suchen wir den Berg ab, denken jemand würde folgen. Doch es sind Sternschnuppen […]. Mir ist das scheißegal, mir ist nur kalt, meine Beine zittern, ich bräuchte Bier! Normalerweise würde ich bei diesem Anblick ausflippen. Praktisch der gesamte Himmel ist grün mit Meteoriten, oder bin ich nur fertig?“

Das Biertrinken ist Kelbels Markenzeichen in der Ultraläuferszene. Einmal habe er während eines 100-Kilometer-Laufs in 17 Stunden 17 Bier heruntergekippt, berichtet er. „Da könnten aber auch alkoholfreie dabei gewesen sein“, fügt er lächelnd hinzu. Kelbel sagt, „Bier nimmt die kleinen Schmerzen“, der Hopfen beruhige den Magen, und isotonisch sei das Getränk auch. Einige Hochleistungsläufer würden täglich vier bis fünf Bier trinken, so Kelbel, nur rede da niemand drüber. Es sei auch schon vorgekommen, dass er seinen Lauf unterbrochen habe und in eine Kneipe gegangen sei, berichtet Kerbel weiter. Er wolle es einfach nicht übertreiben, er gehe auch nicht an seine Grenzen. „Extreme Sachen habe ich schon genug an der Börse gemacht“, sagt er.

Viele Jahre hat Kelbel als Makler auf dem Börsenparkett zugebracht, nachdem er 1983 nach Frankfurt gezogen war. Schluss gewesen sei für ihn dann im Jahr 2002. Er deutet nur an, dass einige Aktiengeschäfte in dieser Zeit nicht so gut für ihn gelaufen sind. Dafür hatte er daraufhin viel Zeit für seinen Sport. Zur Mitte des vergangenen Jahrzehnts begann er dann, über seien Laufabenteuer zu schreiben. Regelmäßig erscheinen seine Artikel seitdem in Läufer-Blogs. Die längste Laufstrecke, die er am Stück absolviert habe, sei 161 Kilometer lang gewesen, sagt Kelbel. Dafür habe er 29 Stunden gebraucht. Eigentlich sei „alles über 100 Kilometer nicht mehr angenehm“.

„100 km für ein Bier“ ist erschienen im Mainbook-Verlag, 230 Seiten, 16,95 Euro.

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