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Typisch Frankfurt „Ist Frankfurt eine kriminelle Stadt?“

Von der Nitribitt bis Jürgen Schneider: Acht Frankfurter Eigenschaften für die Schneekugel des Historischen Museums. FR-Serie, Teil 2.

Museumsscheibe
Detektiv Tudor, Rotlicht und die Polizei: die Museumsscheibe für die kriminelle Stadt. Foto: Christoph Boeckheler

Vorige Woche hatten wir Frankfurt als Drehscheibe – eine von acht Eigenschaften dieser Stadt, die das Historische Museum ab Oktober in den Fokus rückt und die die FR bis dahin vorstellt. Heute kommt die Drehscheibe auch wieder vor. Aber später. Jetzt wird’s erst einmal kriminell.

„Ist Frankfurt eine kriminelle Stadt?“ Die Frage muss natürlich erlaubt sein, nach allem, was in den vergangenen fünfzig, sechzig Jahren in den Gazetten stand. „Hauptstadt der Ganoven“ titelte der Stern 1968. Der Fall der ermordeten Prostituierten Rosemarie Nitribitt, Schüsse an der Startbahn West, der Bauskandal um den Spekulanten Jürgen Schneider, immer wieder Verbrechen im Bahnhofsviertel, nicht zuletzt die Schlagzeilen um die Gewaltandrohung der Polizei gegen den Kindsmörder Gäfgen – spektakulär ging es häufig zu, wenn in Frankfurt Blaulicht flimmerte.

Grund genug also für das Historische Museum, die Kriminalität als eine von acht Frankfurter Eigenschaften zu thematisieren, wenn im Oktober das neue Gebäude den Betrieb aufnimmt. Aber ganz objektiv: Ist es auch wirklich mehr als anderswo?

Tracey Snelling, 1970 geborene Künstlerin aus Kalifornien, hat die Krimi-Plattform fürs Museum gebaut. Zu sehen sind viel Rotlicht, die Polizei auf dem Pflaster, ein Sportwagen, ein Puff und die weithin bekannte Detektiv-Tudor Werbung, die über viele Jahre an dem Häuserblock prangte, in dem die Nitribitt residierte. Was das Café Hauptwache in dem Ensemble zu suchen hat, erschließt sich nicht direkt, aber insgesamt entsteht durchaus der Eindruck der Verruchtheit.

Es mögen all dies Orte sein, an denen es mitunter kriminell zugeht. Aber die Zentren des Verbrechens sind sie mitnichten – und da sind wir zurück beim Drehkreuz Frankfurt: Schwarzfahren mit der U-Bahn, da kommen hohe Zahlen zustande. Und vor allem Straftaten am Flughafen, Schmuggel, Verstöße gegen das Ausländerrecht: Der Airport sei der „kriminellste Ort“ Frankfurts, halten Angela Jannelli, Dorothee Linnemann und Franziska Mucha in ihrem Aufsatz zu dieser Museumsplattform fest. Und es seien vor allem Nicht-Frankfurter, die ihn so kriminell machten.

„Gleichzeitig werden jährlich mehrere Tausend Menschen vom Frankfurter Flughafen aus abgeschoben“, resümieren sie. „Die Frage, was nach den normativen und nationalen Grenzen eigentlich kriminell ist, wird hier auf verschiedenen Ebenen verhandelt.“

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