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Turmpalast in Frankfurt Kein Raum für Kultur im Turm-Carree

Die leerstehenden Turmpalast-Kinos am Eschenheimer Tor werden schon bald dem Turm-Carree weichen. Der Abbruchantrag ist bereits eingereicht. Architekt Jürgen Engel kann den neuen Gebäudekomplex ohne Auflagen, Wettbewerb und Kultureinrichtung hochziehen.

23.05.2012 17:25
Claus-Jürgen Göpfert und Claudia Michels
Blick in die Zukunft am Eschenheimer Turm (links): Büros, Läden und einige Wohnungen lösen das Kino ab. Foto: Engel Architekten

Das Ende naht für ein Quartier mit Tradition: Für den Abbruch des seit 2010 leerstehenden Turmpalast-Kinos am Eschenheimer Tor wurde jetzt der Abbruchantrag eingereicht. Bereits seit 1929 betrieb dort die Ufa ihr erstes Tonfilmtheater, zuletzt lief das Lichter-Filmfestival am Turm.

Der Frankfurter Architekt Jürgen Engel ist dort jetzt auch Bauherr: Gemeinsam mit dem Makler Andreas Krone will er am Eschenheimer Turm Büros, Läden, Wohnungen und ein großes Fitness-Zentrum errichten – nach seinem eigenen Entwurf. Der Bauantrag wird im Juni gestellt.

Engel ist unterdessen auch Pächter des städtischen Grundstücks gegenüber den Hochhäusern des „Palais Quartiers“, die er entworfen hat. Der Abriss des prägenden Eckgebäudes aus den 50er Jahren beginnt noch dieses Jahr. Die Stadt hat grünes Licht für das Millionen-Projekt gegeben, obwohl kein Architekten-Wettbewerb organisiert wurde.

Mit der „kulturellen Nutzung“ an der Ecke, die den Bürgern vor Jahren in Aussicht gestellt und im Stadtparlament nach der Schließung des Turmpalasts beschlossen wurde, wird es nichts. „Filmfestivals sollten in der Stadt eine Heimat behalten“, sagt die Kulturausschuss-Vorsitzende Heike Hambrock (Grüne).

Umzug des Volkstheaters hat sich zerschlagen

Wie zu hören ist, haben aber die Betreiber des Metropolis-Kinos gegen eine Kino-Nutzung dort interveniert. Abgewogen wurde dann, ob sich eine Dependance des Deutschen Filmmuseums oder des Museums für Moderne Kunst (MMK) in dem Neubau schaffen lasse. Dann hat sich der Umzug des Volkstheaters in das von Jürgen Engel geplante „Turm-Carree“ zerschlagen. Inzwischen lautet die Sprachregelung in der Stadtregierung: „Keine kulturelle Nutzung auf Biegen und Brechen.“ Und vor allem: „Keine zusätzlichen Betriebskosten.“ Auch Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) macht im Gespräch mit der FR unmissverständlich klar, dass die schönen Ideen dort keine Chance haben – wegen der schwierigen finanziellen Situation: „Wir werden nichts machen, was Geld kostet.“

Dass für die Kultur am Turm 800 Quadratmeter Raum geschaffen wird: Das war die Bedingung, unter der CDU und Grüne im Römer 2010 Abbruch und Neubau zugestimmt hatten. Doch die Stadt verpachtete das mehr als 6000 Quadratmeter große Grundstücke jetzt auf 90 Jahre an die privaten Investoren, ohne dass diese Bedingung erfüllt wurde.

Engel und Krone wollen knapp 1000 Quadratmeter Wohnraum an der Ecke schaffen, außerdem 10.000 Quadratmeter für Büros und Geschäfte. Von der Auflage, einen „stützenfreien Saal“ für eine Kultureinrichtung zu schaffen, sind die Bauherren laut Vertrag Ende 2013 befreit. Ende 2014 verfällt auch die vertraglich festgelegte Auflage der Stadt, eine „kulturelle Nutzung“ einzupassen. Danach sind sie frei. Kommt kein Kulturinstitut ins Haus, erhöht sich die Erbpacht; dann werden statt 210.000 Euro Pacht im Jahr 240.000 Euro fällig.

Bürgermeister hofft auf eine private Kulturinstitution

Die Kulturausschuss-Vorsitzende Hambrock bemängelt, dass beim Aushandeln des neuen Erbpacht-Vertrags nicht die Auflage berücksichtigt wurde, für die neue Bebauung an Frankfurts historischem Stadttor einen Architekten-Wettbewerb auszuloben. Auch Bürgermeister und Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) bedauert die Entwicklung. „Noch vor drei oder vier Jahren hätte die Stadt Frankfurt nicht gezögert, eine Dependance, etwa des Museums für Moderne Kunst, am Eschenheimer Turm zu finanzieren.“ Inzwischen, im Zeichen einer angespannten Finanzlage, sei das nicht mehr möglich. Cunitz sieht nur noch eine Chance: Eine private Institution könnte dort Räume mieten. „Vielleicht findet sich eine Galerie.“ Ein Kulturangebot sei in dem Quartier wünschenswert, „um möglichst viele Passanten in diese Ecke der Innenstadt zu locken, die bisher nicht sehr attraktiv ist“.

Dass es nicht zu einem Architekten-Wettbewerb kommt, ist auch für den neuen Bürgermeister und Planungsdezernenten ein Mangel. Doch sei diese Entscheidung noch von seinem Vorgänger Edwin Schwarz (CDU) gefällt worden. „Wo immer es möglich ist, sollten wir Architekten-Wettbewerbe organisieren“, lautet das Credo von Cunitz.

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