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Tourismus Zehn Millionen Besucher als Ziel

In keiner anderen deutschen Stadt werden so viele Herbergen gebaut. Mit acht acht neuen großen Hotels in diesem Jahr strebt Frankfurt einen Rekord an.

Am Skyline-Plaza an der Messe entsteht ein Hotel Adina. Foto: Andreas Arnold

Nahe der Alten Oper wächst Frankfurts jüngstes Luxushotel in den Himmel. Das Sofitel gehört zur raren Sparte Fünf Sterne Plus. Das Haus mit seinen 150 Zimmern und Suiten, das im September 2016 eröffnet werden soll, verspricht den erwarteten reichen Gästen aus aller Welt auf seiner Homepage einen Superlativ: Ein „luxuriöses Stadtpalais, wie es für das gesellschaftliche Leben des Pariser Adels im 17. und 18. Jahrhundert üblich war.“

Das Haus auf dem Grundstück Opernplatz 14 ist nur die Spitze eines „Hotel-Booms“ in Frankfurt, den Thomas Feda, der Geschäftsführer der städtischen Tourismus und Congress GmbH, in diesem Jahr erwartet. Nicht weniger als acht neue große Beherbergungsbetriebe sollen in Frankfurt 2016 eröffnen; damit führt die Kommune die Rangliste deutscher Städte an, weit vor Hamburg mit fünf und München mit vier neuen Häusern.

Schon jetzt gibt es etwa 240 Hotels in Frankfurt, aus Sicht der schwarz-grünen Stadtregierung ist das aber längst nicht genug. Die Kommunalpolitik in Frankfurt, einer der am stärksten wachsenden Städte Deutschlands, hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Die Marke von zehn Millionen Übernachtungen im Jahr soll geknackt werden. Und zwar so schnell wie möglich. Auch Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ist begeistert: „Darauf arbeiten wir hin.“ Im Jahr 2014 hatte es 8,045 Millionen Übernachtungen gegeben, erstmals mehr als acht Millionen. Besonders stark ist der Strom der Besucher aus Fernost gewachsen – allein aus der Volksrepublik China kamen innerhalb von zehn Jahren 200 Prozent mehr.

Um die Menschen aus aller Welt nach Frankfurt zu locken, setzt Tourismus-Chef Feda darauf, das Profil als internationale Kulturstadt zu schärfen: „Wir sind nicht nur eine Business-Metropole!“ Und das ganz besondere Highlight der Frankfurt-Werber soll die neue Altstadt zwischen Dom und Römer werden, die man Anfang 2018 mit einem großen Fest eröffnen möchte.

Der Markt brauche die Neubauten

Feda ist es kein bisschen unheimlich bei seiner Wachstumsstrategie: „Ich glaube nicht, dass bei den Hotels eine Überproportionalität entsteht, der Markt braucht die Neubauten.“

Schließlich stünden die Hotels in der Stadt auch außerhalb der großen Messen keineswegs leer. Mit der durchschnittlichen Auslastung von 68 Prozent ist der Tourismus-Manager sehr zufrieden: „Nur wenige deutsche Städte haben mehr, etwa Hamburg mit 75 Prozent.“

Auch Eduard M. Singer, der Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Frankfurt, hält das Ziel von zehn Millionen Übernachtungen jährlich in Frankfurt für „realistisch“. Dafür freilich müsse die Stadtregierung viel mehr tun als bisher. „Das Budget für das Stadtmarketing muss entschieden vergrößert werden“, fordert der Manager, der zugleich Generaldirektor des Luxushotels Hessischer Hof in unmittelbarer Nähe der Messe ist. Die Stadt Frankfurt müsse viel mehr als bisher auf internationalen Tourismusmessen präsent sein.

Noch im Jahre 2014 hatte Singer im Gespräch mit der FR beklagt, dass durch immer neue Hotels in Frankfurt ein „ruinöser Wettbewerb“ entstehe. Dieser schade gerade den kleinen Betrieben der Stadt, hatte der Branchenrepräsentant seinerzeit konstatiert. Heute sagt er: „Das kleine Hotel in der Stadt muss sich immer neu erfinden, um im Wettbewerb bestehen zu können.“

Bisher jedenfalls will Singer nicht festgestellt haben, dass auch nur ein kleines Hotel in Frankfurt habe schließen müssen, weil es im Wettlauf der Branche nicht mithalten konnte. Allerdings seien einige kleine Häuser verkauft worden und hätten heute einen neuen Betreiber. Gerade große Hotelketten seien aber imstande, die Schwächen einzelner Häuser im Rahmen ihres Gesamtgeschäfts aufzufangen.

Auch die Dehoga setzt auf die neue Altstadt zwischen Dom und Römer als zusätzliche Attraktion der fünftgrößten deutschen Kommune. „Ich bin sehr glücklich, dass wir diese Altstadt haben“, urteilt Singer.
Verbessert werden müsse aber insbesondere die Auslastung der Frankfurter Hotels an den Wochenenden. Sie liege derzeit bei 56 bis 57 Prozent. „Das ist nicht so schlecht, kann aber noch besser werden.“ Bundesweit an der Spitze rangiert auch hier Hamburg mit 75,4 Prozent, gefolgt von Berlin mit 72,9 Prozent.

Junge Menschen sollen nach Frankfurt

Thomas Feda, der Geschäftsführer der Tourismus und Congress GmbH, wünscht sich „mehr günstige Übernachtungsangebote für Rucksack-Touristen.“ Gerade jüngere Menschen, die nur über einen kleinen Geldbeutel verfügen, sollen so nach Frankfurt gelockt werden.

Die Branche freilich denkt anders. Sie plant vor allem teure Hotels. Das neue Holiday Inn im Flughafen-Quartier Gateway Gardens, das im vierten Quartal 2016 eröffnen soll, ist ein Haus der Kategorie drei bis vier Sterne. Das Adina Frankfurt Messe an der Osloer Straße im Europaviertel, geplante Eröffnung im Herbst, zählt zur Klasse der vier Sterne.

Auch dass neue Domizil der Europäischen Zentralbank (EZB) an der Sonnemannstraße im Ostend zieht vor allem Beherbergungsbetriebe für Begüterte nach sich. An der Hanauer Landstraße wird Ende 2016 das Innside Frankfurt Ostend fertiggestellt, ein Vier-Sterne-Haus mit großen Konferenzräumen.

Für Frühjahr 2017 wird dann endlich die Eröffnung des großen chinesischen Hotels an der alten Galopprennbahn in Niederrad angekündigt, dessen Bau schon seit Jahren im Gang ist. Die Rennbahn soll dann nach dem Willen der schwarz-grünen Stadtregierung schon Geschichte sein. Das Hotel aber an der Schwarzwaldstraße zählt wieder zur absoluten Spitzenklasse: Fünf Sterne plus.

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