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Totale Mondfinsternis am 27. Juli 2018 Frankfurt am Mond

Auf den ersten Blick trennen Frankfurt und den Mond Welten. Schaut man aber ganz genau hin, wird klar: Hin und wieder befindet sich auch die Mainstadt im Würgegriff des Erdtrabanten.

Vollmond am Morgen
Ein Mann geht in Frankfurt am Main früh morgens über den Eisernen Steg, eine Fußgängerbrücke über den Main, während dahinter der Mond zu sehen ist. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

Das Lied „Guter Mond, du gehst so stille“ war bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein beliebter Gassenhauser. Wenn auch mit anderem, leicht schweinigeligem Text. In dem singt ein junger Mann, dass er gerne den Beischlaf mit „Elisen, aller Mädchen Königin“ vollziehen würde, leider aber durch eigene Dummheit zu früh eine andere geheiratet habe – wenn aber Elisen über diesen kleinen Schönheitsfehler hinwegsehen könne, könne er das auch.

So gehe das aber nicht, dachte sich der Frankfurter Schulmeister und Poet Karl Enslin und brachte 1851 einen sünden- und keimfreien christlichen Erbauungstext heraus, der sich bis heute hält. Darin schnackselt niemand mehr mit Elisen, stattdessen fungiert der gute Mond als jugendfreier Leisetreter „an dem blauen Himmelszelt, wo dich Gott zu seinem Preise hat als Leuchte hingestellt“. Denn: „Als ein treuer Menschenhüter thust du Gottes Liebe kund!“ Da kann sich Elisen zwar auch nichts für kaufen, aber immerhin kann jetzt die ganze Familie mitsingen.

Als der 87 Jahre alte Mondfahrer Buzz Aldrin 2017 die IAA in Frankfurt besucht, ist die „Frankfurter Neue Presse“ beim ersten Blick erst einmal ein bisschen skeptisch. „,Opa Buzz‘ wirkt in seinem legeren Outfit fast ein bisschen schrullig: Zu einer eigens entworfenen Jacke mit seinem Namen von der Apollo-11-Mission trug er Jeans, ein T-Shirt mit Hosenträgern und blaue Socken mit großen Sternen, wie sie auf der US-amerikanischen Flagge prangen. Das größte Aufsehen erregte allerdings die Aufschrift auf dem hellblauen T-Shirt: ,Get your ass to Mars‘, also ,Bewegt euren Hintern zum Mars‘, steht darauf.“

Auf den zweiten Blick aber zeigt sich, dass Opa Buzz tatsächlich völlig plemplem ist: Aldrin spricht sich für eine umgehende Kolonialisierung des roten Planeten aus. Beim Besuch der Hinkelsteine von Stonehenge habe er eine außerirdische Botschaft erhalten: „Diese habe gelautet, die Menschheit solle alte Raumfahrzeuge nicht verschrotten, sondern für den Verkehr zwischen Erde, Mond und Mars aufbewahren.“ Außerdem setzt er sich für Radwege zum Mars ein. Was mag Aldrin bei seinem Besuch auf dem Mond 1969 gesehen haben, dass es ihn so aus der Spur geworfen hat? Die Lösung mag in einem Lied zu finden sein, das immer wieder gerne im Waldstadion angestimmt wird: „Auf dem Mars, auf dem Mond, überall ein Hesse wohnt …“ Wenn das stimmen sollte, würde es als Grund zum Durchdrehen vollauf genügen.

Der gemeine besorgte Patriot sieht im Halbmond den Sargnagel des freiheitlich-demokratischen christlich-jüdischen Abendlandes. Dabei ist das Gegenteil der Fall. 1847 wählte die liberale Avantgarde den Heppenheimer Gasthof „Halber Mond“ zum Meeting Point für vormärzrevolutionäre Umtriebe. Die „Heppenheimer Versammlung“ beschäftigte sich mit so sinistren Themen wie Pressefreiheit, Bürgerrechten und Abschaffung des Frondienstes. Was das mit Frankfurt zu schaffen hat? Nun, die Mitglieder der „Heppenheimer Versammlung“ stellten kurze Zeit später den Löwenanteil der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche, mittenmang auch Heinrich von Gagern, der in der Paulskirche gar als Präsident wirkte. Der liberale Geist, der vom Heppenheimer Halbmond aus in die Welt strahlte, zeigte im übrigen Nachwirkungen: Mehr als 100 Jahre nach der Versammlung der Freigeister wurde in Heppenheim die FDP gegründet. Ob das Fluch oder Segen war, darüber streiten die Gelehrten.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Mondfinsternis

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