Lade Inhalte...

Tödlicher Polizeieinsatz II 16 Schüsse und viele Fragen

Der Fall Tennessee Eisenberg seit zwei Jahren ungeklärt. Der 24-Jährige wird von Schüssen aus den Waffen von zwei Polizisten getroffen und stirbt. Nicht nur die Todesursache weist Parallelen zum Fall Maximilian Kurth auf.

03.08.2011 21:12
Sandra Müller
TennesseeEisenberg, 24, wird von zwölf Schüssen aus den Waffen von zwei Polizisten getroffen und stirbt. Foto: Privat

Im April 2009 stirbt der Berliner Musikstudent Tennessee Eisenberg in seiner Wohnung in Regensburg. Getroffen von zwölf Kugeln. Abgefeuert von zwei Polizeibeamten. Nicht nur die Todesursache weist Parallelen zum Fall Maximilian Kurth auf. Auch der Tathergang ist voller Widersprüche – und bis heute nicht geklärt.

Es gibt wenige Fakten, über die sich im Fall Eisenberg alle einig sind: Am 30. April 2009 erhält die Polizei einen Anruf von Eisenbergs Mitbewohner. Dieser sagt, er werde von Eisenberg mit einem Messer bedroht. Acht Polizisten fahren zur Wohnung. Wenig später stirbt Eisenberg in einem Krankenhaus an seinen Schussverletzungen. Die beiden Schützen werden in den Innendienst versetzt.

Das waren die Fakten. Doch wie es genau zu den Schüssen kam, darüber streiten sich die Familie des Opfers und die Polizei bis heute. Die Staatsanwaltschaft ermittelte. Sie wertete 13 Gutachten, 38 Zeugenaussagen und neun Stunden Tatrekonstruktion aus. Ergebnis: Der Student habe die Polizisten mit dem 31 Zentimeter langen Messer bedroht. Sowohl der Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken als auch die Abgabe von Schüssen ins Knie hätten ihn nicht aufgehalten. Erst danach seien die 16 Schüsse gefallen, von denen zwölf den Körper trafen. Die Polizisten hätten aus Notwehr gehandelt. Die Ermittlungen wurden eingestellt.

Doch diesen Tathergang wollte Eisenbergs Familie nicht glauben und ließ ein eigenes rechtsmedizinisches Gutachten erstellen. Dieses zeichnete ein anderes Bild: So hätten sich weder Rückstände des Pfeffersprays noch Blessuren durch Schlagstöcke am Körper des Toten gefunden. Mehrere Schüsse seien in den Rücken Eisenbergs ergangen. Und tödlich sei erst einer der letzten gewesen. „Deshalb bestehen für mich Zweifel, ob die Polizisten so oft aus Notwehr schießen mussten“, hatte einer der Anwälte der Familie des Todesopfers gesagt. Die Familie strebte beim Oberlandesgericht Nürnberg ein Klageerzwingungsverfahren an. Doch auch dieses wurde abgelehnt. Nun will die Familie vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Das kann Jahre dauern.

Die Anwälte der Frankfurter Polizisten, die im Hinterhof des Bürgerhospitals auf Maximilian Kurth schossen, beziehen sich nun explizit auf den Fall Tennessee Eisenberg. Zu einer Anklage ist es ja nie gekommen.

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum