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Todesstrecke Eschersheimer Landstraße Warnlichter im Boden

Die Stadt Frankfurt lässt die U-Bahnstation Am Lindenbaum umbauen und sicherer machen. Das "risikobereite" Verhalten der Fußgänger wird das aber kaum ändern, meinen Zweifler.

20.09.2010 17:48
Jürgen Schultheis
Am Lindenbaum Foto: FR/Arnold

Schranken müssen her, nur das hilft. Gudrun Vèkony lässt da am Montagvormittag keinen Zweifel aufkommen. Wer den Übergang an der Haltestelle Am Lindenbaum sicherer machen will, wer die Menschen angesichts ihrer Unachtsamkeit schützen wolle, der müsse den Gleisübergang sperren. „Das sehen meine Freundinnen genauso“, sagt die Inhaberin eines Fotostudios an der Eschersheimer Landstraße.

40 Jahre wohnt sie im Viertel, seit fünf Jahren betreibt sie das Studio an der Eschersheimer. Sie weiß, wie sich die Menschen verhalten, wenn sie befürchten, die Bahn könnte ihnen vor der Nase wegfahren. „Sie gehen häufig bei Rot.“ Tatsächlich scheren sich acht, vielleicht neun von zehn Passanten kaum oder gar nicht um die Lichtzeichen an diesem Vormittag zwischen 11 und 12 Uhr: Ob Männer oder Frauen, ob Jung oder Alt – das rote Licht signalisiert nicht überzeugend genug, dass es der eigenen Sicherheit wegen besser wäre zu warten. Viele Passanten, die zunächst stehen bleiben, am Ende dann aber doch bei Rot gehen, plagt die Ungeduld. Wer den Schalter drückt, wartet fast eine Minute auf Grün. Vielen dauert das zu lange, nach 20, 30 Sekunden überqueren sie die Straße bei Rot, um dann häufig auch über die Gleise zu gehen – obwohl große rot-weiße Andreaskreuze auf den Bahnverkehr aufmerksam machen, obwohl das rote Licht der Fußgängerampel deutlich größer ist als das Grün.

Gudrun Vékony hat häufig beobachtet, wie gerade auch junge Leute telefonieren, nach unten schauen und keinen Blick für Autos und U-Bahnen haben. Das weiß man auch im Verkehrsdezernat und bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF). Am Montag hat die Stadt deshalb begonnen, eine Baustelle einzurichten. Der Autoverkehr wird stadtauswärts jetzt einspurig geführt. Das schafft Platz für den Umbau des Fußgängerweges. Die Stadt, sagt Verkehrsdezernent Lutz Sikorski (Grüne), richtet Am Lindenbaum einen z-förmigen Fußgängerüberweg ein, lässt Warnsignale in den Boden einbauen und weitere Lichtsignale aufhängen.

Gerade die rund einen Quadratmeter großen Warnsignale im Boden sollen jene aufmerksam machen, die beim Handy-Telefonieren nicht mehr auf den Auto- und U-Bahnverkehr achten. „Wir müssen von den Unfällen wegkommen“, sagt Sikorski, der die erste Stufe des Umbaus als Verkehrssicherungsmaßnahme versteht. Darüber hinaus werden Parlament und Ortsbeirat in den nächsten Monaten über die Vorschläge Sikorski beraten.

Mitte August hatte der Verkehrsdezernent seine Ideen der FR erläutert: Zunächst sollen zwei U-Bahnhaltestellen stadtauswärts auf der ganzen Breite des Bahnsteiges großräumig hin zur Straße und zum Bürgersteig mit einer zweistufigen Treppe geöffnet werden. Eine Ampel soll bei Einfahrt der U-Bahn in die Haltestelle auf Rot schalten und den Bereich frei von Autos halten. Als Modellstationen hatte Sikorski die Haltestellen Dornbusch und Hügelstraße vorgeschlagen.

Jutta Kuhn achtet schon heute auf die Lichtzeichen. Ja, sagt sie am Montagmorgen, früher sei sie auch schon mal bei Rot über die Straße. Einmal sogar in Gegenwart einer Mutter mit ihrem Kind. Sie hat sich dann bei diesem Kind entschuldigt für ihr Fehlverhalten. Kuhn wundert sich an diesem Vormittag wieder einmal, wie viele Menschen angesichts der bekannten Gefahren bei Rot Straße und Gleise überqueren. Das ältere Ehepaar beispielsweise, das sich gerade noch über einen Radfahrer aufgeregt hat, weil der bei Rot gefahren ist – um eine halbe Minuten später selbst bei Rot zu gehen.

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