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Tod im Jobcenter Nach den Schüssen

Heinrich Alt, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, besucht Jobcenter im Gallus. Er wünscht sich Änderungen im Jobcenter.

Heinrich Alt will sich vor Ort über die Situation im Job Center in formieren. Foto: Christoph Boeckheler

Ein kleiner Raum im Jobcenter an der Mainzer Landstraße. In der Mitte ein Schreibtisch, dahinter ein Schrank. Bestenfalls könnte man diese Einrichtung funktional nennen. Draußen regnet es, es ist dunkel, die Sachbearbeiterin hat das Licht angeschaltet. Die Beleuchtung verstärkt den kargen, wenig einladenden Eindruck. Auch Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, findet das Ambiente in dem Zimmer nicht heimelig. Doch in diesem Büro hält er sich am Mittwoch bei seinem Besuch im Jobcenter lange auf. In diesem Zimmer wurde am 19. Mai eine Kundin von einer Polizistin erschossen. Die 40-Jährige hatte zuvor den Kollegen der Beamtin mit einem Messer verletzt.

Alt ist gekommen, um mit den zehn Mitarbeitern sprechen, die in der Mainzer Landstraße 315 arbeiten. Die Beschäftigten machen am Mittwoch einen gefassten Eindruck. Erstaunlich unaufgeregt erzählen sie Alt von den vielen Trittbrettfahrern, die sich seit dem 19. Mai gemeldet hätten. Da war etwa der Kunde, der in einem Fax schrieb, er werde „gründlicher vorgehen“ als die 40-Jährige. Oder ein anderer Mann, der aus Wut darüber, dass er eine Leistung nicht bekam, ein Feuerzeug durch den Raum schleuderte. Ob er die Sachbearbeiterin mit dem Gegenstand treffen wollte, ließ sich nicht klären. Jedenfalls hat der Mann jetzt Hausverbot.

Sachbearbeiter noch keinen Kundenkontakt

Ein weiteres, karg eingerichtetes Büro fernab des Eingangs. In dem Zimmer sitzt der Sachbearbeiter, in dessen Büro sich „der Vorfall“, wie die Mitarbeiter im Jobcenter sagen, ereignet hat. Er hat das Zimmer gewechselt und derzeit keinen Kontakt zu Kunden. „Ich brauche noch etwas Zeit“, sagt er. Alt klopft ihm auf die Schulter. „Aber ich will unbedingt zurück und mit Klienten sprechen“, sagt der Sachbearbeiter. Dann erzählt er noch einmal vom 19. Mai. Wie die Frau ruhig dagesessen und darauf bestanden habe, zehn Euro zu bekommen. Das Geld sei ihr doch schon überwiesen worden, sagte der Sachbearbeiter wieder und wieder. Aber die Frau blieb sitzen, wollte nicht gehen, nicht ohne die zehn Euro. Dann kam der Sicherheitsdienst, dann die Polizei, und dann zog die Frau plötzlich das Messer, „das ich definitiv nicht gesehen habe“. Alt hört zu. „Muten Sie sich nicht zu viel zu“, sagt er. Weiter geht der Rundgang durch die Räume.

Deren weitgehend trostloses Ambiente fände Alt angemessen, würde es sich um ein normales Jobcenter handeln. Doch auf der Mainzer Landstraße werden Problemfälle betreut, viele Suchtkranke sind darunter. „Deshalb sollten wir hier was ändern“, sagt Alt. So sieht das auch die Polizei, die kürzlich zu einer Begehung da war. Vor allem der Empfangsbereich, in dem es oft viel zu laut ist, wirke nicht gerade einladend, stellten die Beamen fest. Nun soll Farbe an die Wände, vielleicht werden ein paar Fernsehschirme aufgehängt, sagt Claudia Czernohorsky-Grüneberg, Geschäftsführerin des Jobcenters. Darüber müsse sie aber noch mit dem Jugend- und Sozialamt sprechen, das das Gebäude ebenfalls nutzt.

Eine Stunde lang ist Alt auf den Fluren unterwegs. „Es mag sein, dass in einem Job Center mal Aggressionen entstehen“, sagt er zum Schluss. „Aber so einen Vorfall darf es nicht mehr geben.“

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