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Tigerpalast Frankfurt 30 Jahre Tigerpalast Frankfurt

Der Tigerpalast Frankfurt überlebt seit seiner Gründung ohne Subventionen, nun wird das Varieté-Theater mit dem Binding-Kulturpreis geehrt. Und zur Jubiläumsshow kehren weltbekannte Artisten auf die Bühne zurück.

30 Jahre Tigerpalast
Mit vielen altbekannten Künstlern feiert der Tigerpalast Jubiläum, rund drei Millionen Besucher haben das Varieté in der Heiligkreuzgasse bereits besucht. Foto: Michael Schick

Knapp unter der Decke hängen Blaze und Daniel, umklammern einander, lösen sich wieder und halten sich im letzten Moment an den Beinen des anderen fest, bevor sie abstürzen. Ohne Seil oder Netz turnt das Duo Daring Jones aus den USA am Trapez, als wären sie auf einer Spielplatzschaukel. Sie sind zwei der Artisten, die in der neuen Jubiläumsshow des Tigerpalasts auftreten. Seit 30 Jahren unterhalten hochprofessionelle Akrobaten, Tänzer, Sänger oder Jongleure Abend für Abend das Publikum in der Heiligkreuzgasse.

Fast immer dabei sind Gründer Johnny Klinke und Margareta Dillinger. „Die einzige Theaterdirektorin Frankfurts“, wie Klinke hervorhebt, schaut hinter einer Säule, was ihre Künstler so treiben und wippt zur Musik der Liveband. An den kleinen runden Tischen sitzen die Zuschauer dicht an dicht, trinken Wein und knabbern an Käsestückchen, die auf kleinen Etageren gebracht werden. Auf der Bühne hängt eine riesige, mit kleinen Steinchen bestückte Zahl 30 und erinnert an die lange Geschichte des bekannten Varieté-Theaters.

30 Jahre ohne Subventionen, Klinke wird nicht müde das stolz zu betonen. „Wir wollten sie nicht, es geht auch anders.“ Als während der Finanzkrise nicht mehr so viele Besucher kamen, seien sie in die Zelte auf den Hessentagen gegangen, das habe sie gerettet. Jeden Tag kämpften sie um die Herzen der Zuschauer. Das sei nicht leicht. Aber sie hätten es geschafft. „Bei uns treten nur die Besten der Besten auf.“ Tingeltangel gebe es in Frankfurt genug.

Ein wenig Unterstützung gibt es nun doch. Am Samstagabend wird den beiden Direktoren und Geschäftsführer Robert Mangold der Binding-Kulturpreis im Römer verliehen. Ihnen sei es gelungen, eine rare Kunstform – das Varieté-Theater – zu neuem Leben zu erwecken.

Der Preis sei etwas ganz Besonderes, sagt Klinke. Sie seien sehr stolz über diese Anerkennung der Wirtschaft. „Wir sind die Ersten, die vollkommen anders sind, die diesen Preis bekommen.“ Die 50 000 Euro Preisgeld will er für einen großen Geburtstagsfestakt im Palmengarten ausgeben.

Das Tigerpalast-Gebäude unweit der Konstablerwache und des Gerichts war einst ein alter Ballsaal, der 60 Jahre von der Heilsarmee genutzt wurde, sagt Klinke und zeigt zur alten Holzdecke. Damals, als sie das Gebäude fanden, sei alles voller Schutt und Wasser gewesen, erinnert sich der ehemalige Straßenkämpfer. „Es war eine Ruine. Wir mussten bei null anfangen.“

Aufwendig sanierten sie das Haus von 1870 mit Hilfe der Stadt und einem Kredit der Hessischen Landesregierung. Fünf Millionen habe es gekostet, sagt der 68-Jährige. Mit dabei war auch Gründer und Kabarettist Matthias Beltz, der 2002 verstarb. Am 30. September 1988 eröffneten sie. Angst vor dem Scheitern hatte Klinke nicht. „Wovor hätte ich Angst haben sollen?“ Damals habe es noch nicht so viele Lampen gegeben, nicht so viel zu essen. Aber die Artisten auf der Bühne, die seien schon damals Weltklasse gewesen.

Und denen soll das Publikum ganz nah sein. Den Zuschauerraum, in dem 190 Menschen Platz finden, hätten sie bewusst so eng gebaut. „Wir fokussieren uns auf die Artisten. So entstehen Emotionen.“ Die Zuschauer seien ganz gemischt, ein Drittel komme aus Frankfurt, ein Drittel aus Hessen und der Rest aus der ganzen Welt. Drei Millionen seien schon dagewesen.

Das Interieur ist ein wenig in die Jahre gekommen, erinnert an die 80er, die Gründerzeit des Theaters. Der bunte Vorhang, ein merkwürdiger Stuhl im Foyer, die eine oder andere Wandgestaltung. Die Gäste kommen trotzdem, zahlen 65 bis 70 Euro für die Show, rund 60 Prozent sind Firmenkunden.

Wer mag, kann vorher in dem alten Gewölbekeller in gedimmtem Licht speisen. Neben dem Varieté betreibt der Tigerpalast hier zwei Gourmetrestaurants, beschäftigt insgesamt rund 150 Mitarbeiter in all seinen gastronomischen Betrieben. Die Gastronomie helfe die teure Show zu bezahlen, sagt Klinke, bevor er Bekannte und Unbekannte begrüßt: „Hallo, ich bin Johnny.“ Wie lange er noch weitermachen will? Solange er lebe, sagt Klinke, der ’68 mit Joschka Fischer in besetzten Häusern wohnte und gegen das Establishment demonstrierte. Die alten Weggefährten seien alle Politiker geworden. Er nicht, auch kein Lehrer. „Ich wollte Kultur, das ist der Unterschied.“ Und Gastgeber sein.

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