Lade Inhalte...

Tierschutz in Frankfurt „Mitleid mit allem, was Leben hat“

Der Frankfurter Tierschutzverein feiert am Wochenende sein 175-jähriges Bestehen. Einer der ersten Mitglieder war der Philosoph Arthur Schopenhauer, Verfechter des Mitleids als Prinzip.

So viele Geschenke vom FSV Frankfurt, Schäferhündin Pia kann sich gar nicht entscheiden. Foto: Michael Schick

Achtzehnhunderteinundvierzig. Die deutsche Revolution bahnt sich an. Der tschechische Komponist Antonin Dvorák wird geboren. Die erste deutsche Freiwillige Feuerwehr nimmt in Meißen den Betrieb auf. Und in Frankfurt treffen sich anno 1841 ehrbare Männer zu einer Versammlung. Sie wollen sich zusammenschließen: zum „Verein gegen Tierquälerei“. Und das tun sie dann auch.

Zum 175. Mal jährt sich das Ereignis in diesem Jahr: die Gründung des Frankfurter Tierschutzvereins. Grund für ein großes Sommerfest an diesem Sonntag, 10. Juli. Der Oberbürgermeister kommt auch.

Erster Vorsitzender des jungen Vereins wurde seinerzeit der Stadtpfarrer Konrad Maximilian Kirchner, berichtet die Chronik. Und eines der ersten Mitglieder war der Philosoph Arthur Schopenhauer, Verfechter des Mitleids als Prinzip: „Mitleid mit allem, was Leben hat, Menschen und Tieren.“

Lang hielt der „Verein gegen Tierquälerei“ nicht durch. Nach nicht einmal drei Jahren wurde er wieder aufgelöst und ein Jahr später neu gegründet als „Verein zum Schutze der Tiere“, der sich gegen Misshandlungen einsetzte und gegen „unnötige Marter bei Nutzung und Tötung der Tieres“. Es ging damals viel um Pferde als wichtigstes Verkehrsmittel, aber auch um Gefiederte, um den Kampf gegen Vogelfänger und um die ersten öffentlichen Nist- und Futterplätze in der Stadt.

Der Tierschutzverein durfte mit Erlaubnis der Polizei den schon damals oft qualvollen Transport von Schlachtvieh überwachen. In den 1880er Jahren war der Klub auf etwa 1500 Mitglieder angewachsen – so viele sind es heute auch ungefähr wieder. Erst 1912, mehr als 70 Jahre nach der Gründung, entstand das erste eigene „Tierasyl“ in Niederrad. Kurz darauf zerstörte der Erste Weltkrieg alles, was sich der Verein aufgebaut hatte, und später unter den Nationalsozialisten wurde es natürlich nicht besser. Ein Ministererlass besiegelte 1939 den neuen Namen „Tierschutzverein Frankfurt am Main und Umgebung“, der heute noch Bestand hat.

100-Jahrfeier mitten im Krieg

Im Zweiten Weltkrieg waren Tiere den Machthabern vor allem dann willkommen, wenn sie Hunde oder Pferde waren, für die Ziele der NS-Diktatur einsatzfähig. 1941, vermerkt der Chronist, ließ es sich der Verein „trotz der Kriegswirren nicht nehmen“, sein 100-jähriges Bestehen „im Rahmen einer Matinee im Frankfurter UFA-Palast mit 1300 Gästen gebührend zu feiern“.

Bald darauf war die Feierstimmung endgültig vorbei, und bei Kriegsende hatte der TSV kein Tierheim mehr und auch kein Grundstück. Um herrenlose Tiere kümmerte sich die Polizei. Erst Oberbürgermeister Walter Kolb gab dem Verein wieder ein Domizil mit Tierannahmestelle am Börsenplatz. Bis zum Umzug auf das heutige Tierheimgelände in Fechenheim sollten aber noch einmal gut 20 Jahre und viele Probleme ins Land ziehen.

Heute nimmt der TSV jährlich mehr als 1500 Tiere in sein Heim auf, beherbergt Hunderte Kleintiere, Katzen und Hunde, betreibt seit 1988 einen Gnadenhof für große Tiere wie Pferde, Schafe, Ziegen, Schweine in der Wetterau und seit 1996 einen Tierfriedhof in Rödelheim. Höchste Priorität hat die Vermittlung in liebevolle Haushalte. „Jedes vermittelte Tier entlastet uns“, sagte der Vorsitzende Michael Hallstein jüngst der FR. „Aber Grundsatz bleibt: Qualität vor Quantität.“ Lieber ein Tier in gute Hände abgeben als zwei in fragwürdige.

Zum Jubiläums-Sommerfest am Sonntag, 10. Juli, 11 bis 17 Uhr, erwartet der Tierschutzverein viele Gäste, zwei- und vierbeinig. Zur Eröffnung spricht Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD).

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum