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Tiere in Frankfurt Honig frisch vom Friedhof

Der Hauptfriedhof in Frankfurt ist eine grüne Oase. Die Imkerei Silvanus nutzt den Ort als Sammelgebiet für vier Bienenvölker.

Hauptfriedhof in Frankfurt
Einmal pro Woche kontrollieren Ulf Wendt (li.) und Markus Weimar die Bienenstöcke. Foto: Rolf Oeser

Wer den Hauptfriedhof durch den Südwesteingang an der Friedberger Landstraße betritt und anschließend dem Weg nach links folgt, gelangt an einen abgelegenen Teil der Ruhestätte. Hier steht das Gras noch kniehoch und viele unterschiedliche Pflanzen wachsen entlang des Weges. Nach einiger Zeit ist auf der linken Seite ein kleines Wasserbecken zu sehen, an dem einige Bienen trinken. Generell beginnt es zunehmend zu summen. Verwunderlich ist das nicht, denn wenige Meter weiter stehen vier Bienenkästen.

Mindestens einmal pro Woche können Friedhofsbesucher an dieser Stelle auch Ulf Wendt treffen. Der 35-jährige Frankfurter ist Hobbyimker und durfte im April seine Bienenvölker auf dem Hauptfriedhof aufstellen. „Die Jungvölker haben sich gut entwickelt“, sagt er und freut sich über seine erste „Friedhofs-Ernte“. Diese sei aber nicht so ertragreich ausgefallen, wie erhofft. „Nach der anfänglichen Hitze gab es plötzlich einen Kälteeinbruch. Das haben die Pflanzen nicht gut verkraftet.“ Wendts Hoffnungen ruhen nun auf der zweiten Ernte, die später im Jahr erfolgt.

Wenn er seine Bienen wöchentlich besucht, kontrolliert er die Stöcke nach Schwarmzellen und entfernt sie. Dadurch verhindert er, dass eine neue Königin entsteht, die mit einem Teil des Volkes ausziehen würde. Also bleiben die Bienen auf dem Friedhof und sammeln munter Ahorn-, Linden-, Kastanien-, Rosen- oder auch Schafgarbennektar. Alles zusammen ergibt einen besonderen Blütenhonig, so der 35-Jährige. „Er schmeckt herber und würziger.“

Auf die Idee auf einem Friedhof zu imkern, ist Wendts Geschäftspartner Markus Weimar gekommen. Er hatte an einer Kräuterführung der Volkshochschule auf dem Hauptfriedhof teilgenommen. Die vielfältige Vegetation gab schließlich den Ausschlag, und auch die Stadt Frankfurt zeigte im Zuge ihrer Renaturierung Interesse an dem Konzept.

„Wir haben uns bei einem Küchengespräch kennengelernt“, erzählt Weimar rückblickend. Aus der Zufallsbegegnung wurde bald ein Nutzen gezogen. Der 43-Jährige hatte Apfelbäume, die kaum Früchte trugen und Wendt hatte die Grundlagen der Imkerei von seinem Opa gelernt. 2015 gründen beide die Imkerei Silvanus. Aktuell haben sie 20 Wirtschaftsvölker (mindestens ein Jahr alt und tragen Honig zur Ernte ein). Das nächste Ziel der Imkerfreunde sind 30 Völker.

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