Lade Inhalte...

Tiere in Frankfurt Auch Nilgänse haben Freunde

Nilgänse sind in Frankfurt nicht gerade beliebt. Im Brentanobad wurden sie sogar abgeschossen. Doch es gibt auch Menschen, die sich für die Vögel einsetzen.

04.05.2018 07:57
Nilgans
Seit Jahren kämpft die Stadt gegen eine Invasion von Nilgänsen. Foto: Imago

„Einbein“ geht es gut. Auf einem Bein hüpft die Nilgans in Frankfurt am Deutschherrnufer und unter der Alten Brücke umher. Martina Chane macht das froh. Sie hat den schwer verletzten Vogel gefunden, angefüttert, in Obhut genommen und zu einem privaten Naturschutzprojekt gebracht, wo das Tier monatelang gesund gepflegt wurde - vier Wochen lang wurde es mit einer Kropfsonde ernährt.

Dass die 38-Jährige sich um Nilgänse sorgt, stößt nicht überall auf Verständnis. Radfahrer ärgern sich über das furchtlose Federvieh entlang des Mains, Eltern sorgen sich angesichts des Kots um die Gesundheit ihrer Kinder in Freibädern, in Parks stört das laute Geschnatter die Spaziergänger. Die Nilgans hat in der Stadt viele Feinde. Aber eben auch Freunde.

„Für mich sind das tolle Tiere“, sagt Martina Chane, Gründerin des „Projekts Oase“. Sie seien sozial, intelligent und nicht so aggressiv wie es oft dargestellt werde. Die Aggression gehe vielmehr vom Menschen aus. Die Tiere würden von Booten überfahren, von Angelhaken getroffen, von Fahrrädern angefahren, Küken würden tot getreten, Hälse umgedreht, zu Tode gehetzt oder einfach erschossen.

Im Stadtteil Niederrad liegt die „MS Heimliche Liebe“. Das Boot mit Biotop auf dem Dach ist Heimat des privaten Naturschutzprojekts „Natur Ship“ von Monika Endler und Herbert Hasselhoff. Sie nehmen unter anderem verletzte Vögel auf und pflegen sie gesund, „Einbein“ war einer davon. „Bei den meisten Tierärzten und Tierkliniken werden schwer verletzte Wasservögel in vielen Fällen gleich eingeschläfert“, sagt Monika Endler. „Auch bei der Nilgans ,Einbein' kam es einem Wunder gleich, dass sie gerettet werden konnte.“

Dagmar Stiefel, die Leiterin der Staatlichen Vogelschutzwarte, hat nicht allzu viel Verständnis für solche Aktionen. Den „sehr engagierten Menschen“ möchte sie nicht zu nahe treten. Aber es sei oft „ein ganz bestimmter Typus“, der einzelne Tiere in den Mittelpunkt ihres Tuns stelle - „und der dabei Tierschutz und Artenschutz vermengt“.

Seit Jahren kämpft die Stadt gegen eine Invasion von Nil-, Grau- und Kanadagänsen. Im Brentanobad, wo die Tiere mit ihrem Kot das Wasser verunreinigen, griffen die Bäderbetriebe Ende des vergangenen Sommers zur Waffe: Ein Jäger erschoss - als Bademeister verkleidet - zur Abschreckung der Artgenossen sechs Gänse.

Die drastische Maßnahme sei „eine Ausnahme“ gewesen, betont eine Sprecherin des Umweltdezernats. „Wir setzen eher auf Vergrämung: Wir wollen den Tieren den Aufenthalt so unangenehm wie möglich machen.“ Neueste Idee: Ein Sichtschutzzaun um den Weiher im Ostpark, der den Gänsen den Blick auf ihren Rückzugsort, das Wasser, verwehren soll. Ob die Anti-Nilgans-Maßnahmen etwas bringen? Bei der Vogelschutzwarte heißt es, man müssen den Versuchen noch etwas Zeit geben.

„Am allerwichtigsten wäre die Einhaltung des Fütterungsverbots“, sagt die Leiterin der Vogelschutzwarte. Dass sich die Gänse in Parks und Bädern so vermehrt hätten, liege vor allem daran, dass es für sie dort viel und leicht zugängliches Futter gebe: Im Bad verfüttern Kinder Pommes, im Park Omas altes Brot, nach dem Grillen lassen die Menschen Essensreste auf der Wiese liegen.

Vielen Städtern fehle jegliches Verständnis für solche Zusammenhänge, sagt Stiefel. Zum Beispiel: „Was vorn reingeht, kommt hinten wieder raus.“ Wenn Schulklassen die Vogelschutzwarte besuchen, kann es vorkommen, dass Kinder auf die Frage, woher Eier kommen, sagen: aus dem Supermarkt. «Da gibt es schon eine Art Entfremdung“.

Die Folge sind manchmal extreme Reaktionen: Tierhasser und Tierquäler auf der einen Seite, übertriebene Tierliebe auf der anderen Seite. Um den Jäger vom Brentanobad fernzuhalten hätten Aktivisten gedroht, sich an den Zaun zu ketten oder mit einem Sit-In die Wiese zu blockieren, erzählt Stiefel kopfschüttelnd, die den Abschuss selbst ablehnt - als Einzelmaßnahme führe das nicht zum Erfolg.

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen