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"The Cut" in der Naxoshalle Ein Schnitt fürs Leben

Der Film "The Cut" zeigt eindrücklich den Schmerz von beschnittenen Mädchen in Kenia. In Frankfurt erzählt die junge Regisseurin von den Hürden, die sie beim Dreh überwinden musste.

Beryl Magoko brachte für ihren Film alle zum reden: Befürworter und Gegner der Beschneidung, Alte und Junge. Foto: Martin Weis

Ihre Mutter fürchtete Todesdrohungen. Ihre Schwester fragte: Muss es denn dieses Thema sein? Aber Beryl Magoko blieb standfest. „Das ist mein Thema, es gibt kein anderes für meinen Film.“ Also drehte die Kenianerin 2010 zum Abschluss ihres Studiums an der ugandischen Kampala University einen Dokumentarfilm über weibliche Genitalverstümmelung. Am Dienstagabend zeigte die junge Filmemacherin „The Cut“ in der Naxoshalle und diskutierte mit den Kinogästen.

Magokos Aufnahmen aus ihrem Heimatdorf im kenianischen Kuria-District seien so echt, dass ihr die Tränen kämen, sagte Petra Diabaté vom Beratungszentrum „FIM – Frauenrecht ist Menschenrecht“ im Filmgespräch. Denn Magoko gelingt es, den Schmerz der Mädchen, denen mit Rasierklingen die Klitoris abgetrennt wird, kommentarlos festzuhalten, ohne die Betroffenen auszustellen. Tränen, die über festlich geschminkte Gesichter laufen, Frauen, die zitternde Mädchen festhalten und ihnen unter Zwang die Beine öffnen, Blut, das die Beine herabrinnt, während die halb Ohnmächtigen in einer lauten Prozession durchs Dorf geführt werden.

Seit 2011 ist die Verstümmelung in Kenia verboten

Fünf Wochen hätten ihre Vorrecherchen gedauert, sagte Magoko, die bei der Suche nach Protagonisten auf viel Widerstand stieß. Einige Menschen hätten getätigte Aussagen vor der Kamera nicht wiederholen wollen, ergänzte ihr Produzent Andreas Frowein. Und doch gelang es Magoko, Befürworter wie Gegner, Alt und Jung, Männer, beschnittene und unbeschnittene Frauen zum Reden zu bringen.

„Ich möchte den Stimmlosen eine Stimme geben“, sagte Magoko, die mit ihrem Film wachrütteln will. Nichts würde sie glücklicher machen, „als eines Tages aufzuwachen und es gibt keine Beschneidung mehr“. Gesetze reichten nicht aus. Seit 2011 ist Genitalverstümmelung in Kenia verboten, ein im Juli verabschiedetes Gesetz stellt sie auch hierzulande unter Strafe, wie Jochen Müller vom hessischen Justizministerium erläuterte. Wirklich etwas ändern könne aber nur Bildung, sagte Magoko – zum Beispiel mit Filmen wie „The Cut“.

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