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Terror-Prozess Sonja Suder verurteilt und frei

Unter anderem wegen eines Sprengstoffanschlags verurteilt das Frankfurter Landgericht die 8O-Jährige Sonja Suder zu dreieinhalb Jahren Haft. Ins Gefängnis muss die Ex-Terroristin trotzdem nicht.

Küsschen für die Fans: Die 80-jährige Ex-Terroristin Sonja Suder. Foto: dpa

Sonja Suder ist verurteilt, aber frei. Das Frankfurter Landgericht verurteilte die 8O-Jährige am Dienstagmorgen wegen eines ausgeführten und eines versuchten Sprengstoffanschlags auf zwei Unternehmen sowie dem Versuch einer schweren Brandstiftung im Heidelberger Schloss zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren.

Hinsichtlich der Mordanklage wegen Beteiligung am Attentat auf die Opec-Ministerkonferenz 1975 in Wien wurde sie freigesprochen. Da Suder bereits 25 Monate in Untersuchungshaft gesessen und damit mehr als zwei Drittel der Strafe verbüßt hat, wurde der Haftbefehl außer Kraft gesetzt. Suder ist jetzt auf freiem Fuß, wenn auch unter Meldeauflagen. Und wird es vermutlich auch bleiben.

Das Gericht sah es als gesichert an, dass die Angeklagte in den 70er-Jahren Mitglied der Revolutionären Zellen (RZ) war, und das „in exponierter Rolle“. Auch die Beteiligung an zwei Sprengstoffschlägen, beide gegen Firmen gerichtet, denen vorgeworfen wurde, das südafrikanische Apartheidsregime mit Nukleartechnik versorgt zu haben, sah das Gericht als erwiesen an. Ebenso wie das Legen eines Feuers im Königssaal des Heidelberger Schlosses 1978, die einen vergleichsweise glimpflicher Schaden von 100 000 Mark anrichtete. Menschen wurden in allen drei Fällen nicht verletzt.

Dass sie mit dem Hauptvorwurf, der Mordanklage, nicht durchkommen würde, hatte die Staatsanwaltschaft bereits im Prozess eingesehen und in dieser Hinsicht bereits in ihrem Plädoyer einen Freispruch gefordert.

Aussagen Kleins zu ungenau

Dem schloss das Gericht sich an. Zu ungenau erschienen ihm die Aussagen des ehemaligen Terroristen Hans-Joachim Klein, auf denen die Anklage vornehmlich fußte. Das Gericht hatte keine Zweifel an der grundsätzlichen Glaubwürdigkeit Kleins, dem die Vorsitzende Richterin Bärbel Stock attestierte, „mutiger als viele RZ-Mitglieder“ zu sein und sich glaubwürdig vom Terrorismus distanziert zu haben.

Klein hatte an seinem ersten Vernehmungstag als Zeuge Suder klar als die Frau identifiziert, die Waffen von Frankfurt nach Wien transportiert habe. Später allerdings verwickelte er sich bei Details in Widersprüche. Als Indiz für Suders Schuld reichte die Aussage am Ende nicht.

Der Zeuge Hermann F., der bei der Explosion einer selbstgebastelten Bombe beide Beine und das Augenlicht verloren hatte, war nach langem juristischem Hickhack erst gar nicht nach Frankfurt gekommen. Stattdessen wurden damalige Vernehmungsprotokolle verlesen, sehr zum Missfallen der Sympathisanten unter den Prozessbesuchern, die das Verlesen der „Folterprotokolle“ mehrfach störten. Auch diese Protokolle reichten für eine Verurteilung nicht.

Nach der Urteilsverkündung zeigte sich das Publikum erst entsetzt, als es hieß, der Haftbefehl gegen Suder werde nicht aufgehoben. Die Stimmung beruhigte sich, als klar wurde, dass wegen der langen Auslieferungs- und Untersuchungshaft Suders der Vollzug außer Kraft gesetzt wird.

Suder verbrachte die vergangenen Jahrzehnte gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Christian Gauger als Flohmarktbeschickerin in Frankreich, ohne dort strafrechtlich auffällig zu werden. Nach dem Urteil bereiteten Sympathisanten Suder vor der Tür einen Sektempfang.

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