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Teestube in Frankfurt Teestube darf nicht ins Bahnhofsviertel

Die Teestube für Wohnungslose in Frankfurt muss in die Gutleutstraße ziehen. Das Bahnhofsviertel sei für das Angebot doch nicht geeignet.

Teestube Jona
In der Teestube serviert Sozialarbeiterin Nadine Müller auch mal einen Orangensaft. Foto: Rolf Oeser

Sie liegen auf Parkbänken, in der B-Ebene der Hauptwache oder auf dem nackten Beton. Obdachlose leiden nicht nur unter medizinischer Unterversorgung, Hunger und Kälte, sondern auch daran, dass sie praktisch keine Rückzugsräume haben. Vor allem in den Abendstunden, wenn die Frühstückstreffs und Suppenküchen schon geschlossen und manche Übernachtungsstätten noch nicht geöffnet sind, gibt es kaum Anlaufstellen für Menschen ohne Dach überm Kopf – wäre da nicht die Teestube Jona.

Seit mehr als 30 Jahren ist der kleine Raum südlich des Frankfurter Hauptbahnhofs eine Art Wohnzimmer für Wohnungslose. Hier, hinter der großen Glasscheibe, kostet der Kaffee 30 Cent, in einem Regal liegen Brettspiele. Es herrscht familiäre Atmosphäre. Um die neun weißen Tische herum stehen rote Stühle, mehrere Sozialarbeiterinnen beraten die Gäste, oft geht es um die Wohnungssuche oder darum, Anträge auszufüllen.

Und weil die Zahl der Wohnungslosen wie in der gesamten Republik auch in Frankfurt ansteigt, wird die Arbeit der Teestube immer wichtiger. Durchschnittlich suchen pro Tag mehr als 90 Hilfesuchende die Räume in der Pforzheimer Straße auf, das sind doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Doch auch das „Wohnzimmer“ bleibt von der um sich greifenden Gentrifizierung nicht verschont: Mitte vorigen Jahres wurde das Gebäude, in dem die Teestube untergebracht ist, verkauft. Ein paar Tage später kam die Kündigung (die FR berichtete). Der neue Besitzer will luxussanieren – und hat es eilig.

Obwohl der Mietvertrag bis November 2018 laufe, wie Teestubenleiterin Nadine Müller erzählt, wollte der Investor die Einrichtung sofort loswerden. Plötzlich lief die Heizung nicht mehr, seither müssen sie mit einem kleinen Ofen heizen. „Wir können nicht sicher nachweisen, woran es liegt, aber die Situation wird zunehmend untragbar“, sagt Müller. Der Wasserabfluss funktioniere seit Monaten nicht mehr, ein Stromkabel sei durchgesägt worden.

Doch für die Obdachlosen schien Rettung in Sicht. Bereits einen Tag nachdem die Kündigung öffentlich gemacht wurde, sei die Stadt Frankfurt mit einem Angebot auf die Teestube zugekommen, berichtet Müller. „Uns wurden die Räume in der Moselstraße 47 in Aussicht gestellt.“ Dieses Angebot machte der Magistrat Anfang Dezember auch öffentlich: „Der Mietvertrag ist in Vorbereitung und kann nach Abschluss der erforderlichen Umbaumaßnahmen im 1. Quartal 2018 abgeschlossen werden.“

Doch daraus wird nun nichts. Auf Nachfrage der Rundschau erklärt Manuela Skotnik, die Sprecherin des städtischen Sozialdezernats: „Aufgrund der aktuellen Lage im Bahnhofviertel und nach intensiven Gesprächen mit Experten der Drogenhilfe sowie mit der Polizei kann der Magistrat das Angebot leider nicht aufrechterhalten.“ Sie verweist im Besonderen auf die „angespannte Drogenproblematik“.

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