Lade Inhalte...

Technoclub U60311 U60311 soll wieder öffnen

Der Streit zwischen Stadt und Betreiber um den Technoclub U60311 droht zu eskalieren: Vier Wochen nach der endgültigen Schließung will der Insolvenzverwalter den Club am Rossmarkt Mitte August doch wieder öffnen.

03.08.2012 18:27
Felix Helbig und Laura Wagner
Doch bald wieder Party im U60311? Foto: Michael Schick

Vier Wochen nach der angeblich endgültigen Schließung des legendären Technoclubs U60311 am Roßmarkt droht die Auseinandersetzung zwischen Stadt und Betreiber endgültig zu eskalieren. Der Grund: Der Club soll am 15. August nun doch wieder öffnen. Das hat überraschend Insolvenzverwalter Eike Edo Happe angekündigt. Er will mit neuerlichen Partys in der unterirdischen Disco die Forderungen von Gläubigern bedienen. Die Stadt reagierte am Freitag auf FR-Anfrage alles andere als amüsiert.

Nach Angaben Happes, der Ende Juni vom Amtsgericht zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Betreiberfirma des U60311 bestimmt worden war, habe er „sehr kurz entschlossen“ einer Übergabe der Räume an die Stadt widersprochen, um zu verhindern, dass das Inventar einen „erheblichen Wertverlust“ erleide. Nach seinen Angaben belaufen sich die Forderungen auf eine Summe im sechsstelligen Bereich, aber „deutlich unter einer Million Euro“.

Der Schritt biete die Chance, den Club als „eine führende deutsche Location für die Fans elektronischer Musik“ zu erhalten. Parallel zu einer angestrebten Sanierung der Betreiberfirma fänden „aussichtsreiche Übernahmeverhandlungen mit derzeit zwei Interessenten“ statt. Vermieter der Clubräume ist die Stadt.

Überraschte Kämmerei

Die reagierte wenig begeistert. „Wir unterstützen den Weiterbetrieb nicht“, sagt Anne Rückschloß, Referentin von Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU). Die Pläne Happes kommen für die Stadt überraschend, die Kämmerei erfuhr durch eine Pressemitteilung des Insolvenzverwalters davon. Happe hatte am 4. Juli, anders als mit der Stadt vereinbart, nicht die Schlüssel zurückgegeben. Seitdem bemüht sich Alfred Gangel, Leiter des Liegenschaftsamtes, um eine Übergabe.

Das 1998 eröffnete U60311 machte Ende Juni zu, nachdem die Stadt wegen offener Mietforderungen gegen den ehemaligen Betreiber Alexander Eger geklagt hatte. Der Club war schon vorher umstritten, nicht zuletzt wegen des Todes des Engländers Lee John H., der 2011 von Türstehern zu Tode geprügelt worden war. Im April hatten sich beide Parteien während des Verfahrens geeinigt. Betreiber Eger sollte raus, damit die Stadt mit dem seit 2010 geplanten Rückbau der beiden Zugänge zum komplett unterirdisch gelegenen Club beginnen kann. „Daran halten wir fest“, sagt Rückschloß. Im September sollen die Bauarbeiten beginnen.

Die Stadt holt derzeit juristischen Rat ein. „Im Notfall werden wir räumen“, sagt Rückschloß. Gegen einen Club in der Innenstadt habe man nichts, nur das „U“ solle es nicht sein. „Wir wollen ja, dass die Stadt belebt wird.“ In den kommenden Wochen entscheidet sich, wer den Club übernimmt. Der Stadt liegen derzeit 15 Bewerbungen vor, auch von Veranstaltern aus Frankfurt.

Umbau bei laufendem Betrieb

Laut Insolvenzverwalter Happe setze eine langfristige Lösung ein „wirtschaftlich tragfähiges Konzept“ voraus, das auch die Vermieterin überzeuge. „Darin sind daher auch die geplanten Baumaßnahmen an den Zugangspavillons einzubeziehen“, so Happe. Diese könnten auch bei laufendem Betrieb umgesetzt werden. Der bisherige Geschäftsführer Alexander Eger führe seine Position derzeit noch aus, werde sich aber zurückziehen.

Eröffnet werden soll am 15. August zunächst der kleinere Teil des Clubs, das „311“, ehe es am 14. September zum „Reopening“ des gesamten Clubs kommen soll. Die neue kreative Leitung übernehmen laut Happe die DJs Pascal F.E.O.S. und Kerstin Eden, die den Club „erwachsener“ machen und „mit mehr Geschmack und mehr Stil“ ausstatten sollen. Dazu gehöre auch die Modernisierung des Beschallungssystems, an der derzeit gearbeitet werde.

Kerstin Eden, bislang Resident-DJane im Club, hatte am Abend des 3. Juli nach einer dreitägigen Abschlussparty das letzte Stück gespielt im U60311, die Party hatte unter dem Motto „Rien ne va plus“ gestanden, das letzte Stück hieß Teardrop vom Massive Attack. Aber so endgültig war es dann ja offenbar doch nicht.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen