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Tanzdemo in Frankfurt Den Sexismus wegtanzen

In Frankfurt wird auf ungewöhnliche Weise gegen Frauenfeindlichkeit demonstriert. Rosemarie Heilig, Frauendezernentin der Stadt Frankfurt, schimpft über US-Präsident Donald Trump.

15.02.2017 10:04
Johanna Heß
Vor der Katharinenkirche wird gegen Gewalt an Mädchen und Frauen getanzt. Foto: Christoph Boekheler

Man hört die Musik schon von weiter unten auf der Zeil. Am Dienstag hat sich um 17 Uhr vor der Katharinenkirche an der Hauptwache eine bunte Menschenmenge versammelt, um gegen Gewalt an Mädchen und Frauen zu demonstrierend – tanzend.

„V-Day – One Billion Rising“ heißt die Aktion, die in Städten weltweit rund um den 14. Februar stattfindet. Dabei bezieht sich die „one billion“, also eine Milliarde, auf eine Statistik der UN, nach der eine von drei Frauen in ihrem Leben Opfer von Gewalt oder sexueller Gewalt wird. Das sind weltweit eine Milliarde Mädchen und Frauen. Tanz scheint erst einmal ein seltsamer Weg, um auf so ein ernstes Thema aufmerksam zu machen. Laut den Organisatoren steht aber Tanz für Stärke und Solidarität.

Das Aktionsbündnis, das an der Tanzdemo in Frankfurt beteiligt ist, besteht aus einer Reihe von Organisationen, darunter neben dem Frauenreferat der Stadt Frankfurt auch Terre des Femmes, das Amt für multikulturelle Angelegenheiten, die Beratungsstelle Frauennotruf und der Verein Broken Rainbow.

Dabei sind am Dienstag nicht nur Frauen anwesend. Auch Männer sind vertreten, manchmal ist gleich die ganze Familie da. In der Menge sieht man auch ein paar der pinkfarbenen sogenannten „Pussy-Mützen“, die beim Women’s March im Januar bekannt wurden.

Natürlich kommt auch eine Tanzdemo nicht ganz ohne offiziellen Teil aus. Rosemarie Heilig (Grüne), Frauendezernentin der Stadt Frankfurt, findet es wichtig, gerade jetzt wieder auf die Straße zu gehen und für die Rechte der Frauen zu demonstrieren. Jeder müsse sich gegen den neuen Populismus wehren. Hier ist US-Präsident Trump mit seinen weitläufig kritisierten sexistischen Aussagen nicht fern. „Eigentlich dürfen solche Typen nicht in die Politik, und schon gar nicht Präsident der USA werden“, so Heilig.

Danach treten eine Reihe Frauen auf die Bühne, die in verschiedenen Sprachen die Forderung der Tanzdemo vorlesen: für ein gewaltfreies, selbstbestimmtes Leben für alle, unabhängig von sexueller Orientierung oder Geschlecht.

Bevor es kalt wird, geht dann das Tanzen los. Bettina (46) hat erst beim Women’s March vor einigen Wochen von der Tanzdemo gehört, findet aber: „Das ist ein Thema, das alle Frauen angeht.“

Ist es nicht komisch, einfach so in der Öffentlichkeit zu tanzen? „Nein“, sagt Sonja (38), die mit ihrer Tochter und ihrem Mann da ist, „Macht man beim Karneval ja auch.“ Sie ist auch hier, weil sie Freude am Tanzen hat.

Gegen 18 Uhr ist das Tanzen dann schon vorbei. Jamie (22) und Lena (23), die spontan vorbeikamen, sind enttäuscht. „Nochmal!“

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