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Summer School für Frauen Von wegen ein Männer-Ding

Bei der Summer School lernen Frauen das Programmieren. Damit das nicht dröge wird, bauen und programmieren sie einen kleinen Roboterarm.

Summer School für Frauen, Frankfurter Sparkasse, Frankfurt, Bild x von 4
Die Teilnehmerinnen bauen und programmieren einen Roboterarm. Detlev Barthel vom Robo-Studio ist ihr Trainer. Foto: Michael Schick (Michael Schick)

For (i=0; i<180; i+1) steht vorne auf der Leinwand. Alle tippen den Befehl in ihre Laptops. Nein, das ist kein Kurs für Physiker-Nerds, die versuchen so was wie die Relativitätstheorie zu finden. Überhaupt lernen hier keine Männer, sondern an diesem Tag ausschließlich Frauen. 30 an der Zahl. Und zwar wie sie einen kleinen Roboterarm bauen und so programmieren, dass er am Ende der Woche etwas greifen und weitergeben kann.

Die Frankfurter Sparkasse hat in Kooperation mit der Initiative „Frauen mit Format“ von der Goethe-Universität und der Programmierschule Robo-Studio aus Sachsenhausen eine „Summer School“ für Frauen, die das Programmieren erlernen wollen gestartet. Nicht weil die Frauen das beruflich erlernen müssten. „Sondern, weil es Spaß macht zu programmieren und wir wollten den Frauen die noch typische Männerdomäne zugänglich machen. Außerdem bekommt man so auch ein besseres Verständnis für die Software, mit der man in der digitalen Welt zu tun hat“, erzählt Marie-Luise Sessler vom Innovation-Lab der Frankfurter Sparkasse. Sie betont: „Wenn man die französische Kultur verstehen möchte, ist es ja auch hilfreich französisch zu lernen.“ Die Summer School sei erstmal ein Testballon. Sie selbst habe für sich das Programmieren vor zwei Jahren entdeckt und so entstand die Idee. Den Unterricht erteilen aber drei Männer von der Programmierschule Robo-Studio.

Die Frauen, die hier sind, sind Juristinnen, Frauen in Führungspositionen, aber auch Wissenschaftlerinnen. Die jüngste Teilnehmerin des fünftägigen Abendkurses ist da eine Ausnahme: Es ist eine 15-jährige Schülerin, die aber an diesem Abend nicht kommen kann. Derweil stärken sich Ute Raab und Sabine Kaiser mit Chips und Trauben. Es gibt immer ein Zweier-Team für einen Roboterarm.

Für die Frauen ist die Programmiersprache auf der Leinwand schon nicht mehr ganz so fremd. „Ich habe mich an die Abkürzungen der Programmiersprache nach zwei Tagen langsam gewöhnt. Ich habe im Alltag allerdings null mit IT zu tun, bin in dem Gebiet auch eher ein Dinosaurier, aber ich mag, dass es spielerisch mit einem Roboterarm erklärt wird“, sagt Raab.

Die 54-Jährige sitzt normalerweise um diese Zeit am Schreibtisch. Sie ist nämlich belgische Honorarkonsulin. „Sabine ist der Crack“, sagt Raab über ihre Sitznachbarin. „Dafür hat Ute das handwerkliche Geschick beim Zusammenbauen des Roboterarms“, sagt Kaiser. Die 28-Jährige ist BWL-Doktorandin.

Friederike Braun (31), die normalerweise im Personalbereich der Frankfurter Sparkasse arbeitet, sagt: „Es ist cool, dass es ein Ergebnis zum Anfassen ist.“ Sie überlegt, ob sie am Ende den Roboterarm abkauft. „Das wäre schon toll, seinen eigenen Roboterarm Zuhause zu haben“, sagt sie und lacht.

Und dass das Programmieren ein Männer-Ding ist, ist sowieso Unsinn. Die Erfindung der Programmiersprache ist nämlich einer Frau zu verdanken: Die britische Mathematikerin, Ada Lovelace, geboren 1815, veröffentlichte als Erste ein komplexes Programm, das die wesentliche Aspekte späterer Programmiersprachen vorweg nahm.

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