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Stummfilme im Historischen Museum So lebt es sich in Frankfurt

In sieben ultrakurzen Stummfilmen zeigt die Reihe Stadtlabor das Leben in Frankfurt. Zu sehen bald im neuen Historischen Museum.

Drehort: Günthersburgpark
Dreh im Günthersburgpark für den Stadtlabor-Kurzfilm „Bunt im Grün“. Foto: hmf Stefanie Kösling

Ein Film über die Klänge der Stadt, aber als Stummfilm; unerwartete Erkenntnisse im Fenster des Nachbarn; Frankfurter Türen geben einander die Klinken in die Hand – alles mit leidenschaftlicher Hingabe von Amateurfilmern ins Bild gerückt. Im Oktober, zur Eröffnung des neuen Historischen Museums, werden die insgesamt sieben kurzen Werke zu sehen sein. Und wenn dann alles so stimmungsvoll zugeht wie in diesen Filmen, dann muss man sich um ein herzliches Willkommen für den prächtigen Museumsneubau keine Sorgen machen. 

„Uns ging es darum, ganz subjektive Blicke auf die Stadt ins Museum zu bringen“, sagt Erica de Abreu Goncalvez, die Kuratorin der kleinen Filmserie. Die Brasilianerin, die in Frankreich ihren Master in Kulturgeschichte gemacht hat, hatte den Auftrag, mit Mitteln der Kulturstiftung des Bundes Ideen zu entwickeln: ein Filmkonzept in der Reihe Stadtlabor – eine Möglichkeit für ganz normale Frankfurterinnen und Frankfurter, ihre Sicht der Dinge für alle erlebbar zu machen.

Nach rund einem Jahr Arbeit darf resümiert werden: Auftrag erfüllt. Da beschäftigt sich etwa das Künstlerinnentrio Pia Grambart-Delalic, Nicole Wächtler und Michaela Heidlas-May filmisch mit der Frage, wie die bunt bemalten Wände im Günthersburgpark bei den Besuchern ankommen.

Eine runde Sache – die Wände haben sie zuvor selbst gestaltet. Türsituationen filmten Michaela Büttner und Jens Best – vor Bürohäusern, Banken, Einkaufs- und Eroszentren, Behörden und Parkhäusern. „Hoch die Häusjer“ nennt Hubert Gloss seinen Film über die Frankfurter Wasserhäuschenszene und nutzt die Gelegenheit bei der Präsentation gleich für ein wenig Werbung: „Das Wasserhäuschen ist in der Bankenstadt ein Ort der Gegenkultur, da begegnet dir menschliche Wärme“, schwärmt er und lädt ein: „Am 19. August ist der erste Frankfurter Wasserhäuschentag.“

„Alle wollen wissen: Wo ist der Main?“, fiel Winfried Hofmann-Jarczyk und Gudrun Jarczyk auf – also drehten sie ihren Film über den Main und die Verkehrsströme drumherum. Der Grünen Soße und ihren natürlichen Zutaten widmete sich Sybille Fuchs bis hin zur Kartoffel aus solidarischer Landwirtschaft, und der Klang der Stadt hatte es Irene Kubisch und Jutta Dahm angetan. Wie sie Glocken und Musiker zeigen, Sänger und Straßenarbeiter, klingende Gläser, alles in Schwarz-Weiß – das funktioniert so erstaunlich gut, dass man die Töne gar nicht vermisst. Man hört sie mit den Augen, genau wie man die Grüne Soße beim Zusehen schmeckt. Und dass der Nachbar nicht immer zwangsläufig auf eine Frau wartet, führen Jannis Plastargias, Betina Maliska und Katharina Müller humorvoll vor. 

Wie lang, glauben Sie, ist jeder dieser Filme? Eine Minute. Und steckt doch voller Arbeit und Herzblut. Filmemacher Julian Vogel half den Amateuren. Er war erst überrascht von dem Angebot – und dann begeistert. „Das ist ja so cool!“, sagt der gebürtige Sachsenhäuser über das Projekt. Er war „völlig baff, was da an tollen Ideen kam“, und er resümiert: „Wichtig ist, zu denken und zu sehen – man muss nicht zehn Jahre an der Filmakademie gewesen ein, um ein gutes Schnittkonzept zu entwickeln.“ Jetzt heißt es warten: Für alle erlebbar sind die Filme im Oktober. 

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